Ein wochenlanger Wahlkampf ist vorbei, die Entscheidung ist gefallen. Die Jestetter und Altenburger haben Dominic Böhler den Vorzug vor Markus Glattfelder gegeben. Der 37-jährige Diplomverwaltungswirt übernimmt am 29. November das Amt des Bürgermeisters der 5300-Einwohner-Gemeinde Jestetten. Der eine ist überwältigt, der andere enttäuscht. Auch einen Tag nach der Wahl müssen die beiden das Ergebnis noch sacken lassen. Obwohl beide allmählich wieder zur Tagesordnung zurückkehren. Wir haben mit beiden telefoniert.

Viele Glückwünsche am Morgen danach

Die Erleichterung ist bei Dominic Böhler deutlich herauszuhören. „Ich war den ganzen Morgen am Telefon und habe viele Glückwünsche entgegengenommen“, erzählt er locker. Auch einen Tag nach der langen Nacht habe er noch nicht ganz realisiert, dass er mit einer satten Mehrheit zum neuen Rathauschef gewählt worden ist. Er wiederholt, was er am Vorabend am Rednerpult gesagt hat: „Ich bin einfach überwältigt. Ich habe gedacht, es wird viel knapper.“ Er habe viele positive Rückmeldungen zu seiner Person erhalten. Jetzt ist er erleichtert. Der Druck ist abgefallen. Böhler: „Der Wahlkampf war sehr zeitintensiv.“

Überglücklich, erleichtert und mit Geschenken im Arm: Dominic Böhler mit seiner Frau Yvonne nach der Bekanntgabe des Wahlergebnisses.
Überglücklich, erleichtert und mit Geschenken im Arm: Dominic Böhler mit seiner Frau Yvonne nach der Bekanntgabe des Wahlergebnisses. | Bild: Nico Talenta

Erst mal zurück an den Arbeitsplatz

Viel Zeit, um nachzudenken, hat er nicht. Nach einem Urlaubstag kehrt er wieder an seinen Schreibtisch im Hauptamt der Nachbargemeinde Lottstetten zurück. „Es gibt noch einiges zu tun bis zu meinem Amtsantritt“, sagt er. Er müsse noch seinen Nachfolger einarbeiten und sich mit der bis zum 28. November amtierenden Bürgermeisterin Ira Schelling zusammensetzen. „Ein geordneter Übergang ist mir wichtig“, erklärt er.

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Nach dem tollen Ergebnis steht für ihn aber fest: „Die Wähler haben mir ihr Vertrauen geschenkt, das will ich rechtfertigen. Und die anderen überzeugen, dass sie in acht Jahren auch auf meiner Seite stehen. Der Landrat hat das treffend gesagt.“

Agenda nach und nach angehen

Böhler hat im Wahlkampf wie sein Mitbewerber eine umfangreiche Agenda aufgelegt. „Die gilt es, nach und nach anzugehen. Ich habe noch keine Prioritäten. Was mir aber richtig unter den Nägeln brennt, ist die medizinische Versorgung. Da müssen wir dranbleiben und sie ausbauen.“

Positive Rückmeldungen auch für Markus Glattfelder

Auch Markus Glattfelder atmet nach den intensiven Wochen mit Vorstellungs- und Gesprächsterminen erst einmal durch, bevor es in seinem bisherigen beruflichen Alltag als Bauingenieur weitergeht. Auch er habe in der Wahlkampfzeit sehr gute Rückläufe bekommen und tolle Gespräche geführt. „Viele haben sich gefreut, dass ich andere Gedanken reingebracht hätte“, sagt er. An seinem Wahlprogramm habe es nicht gelegen, dass es nicht gereicht hat, ist er sich sicher.

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„Aber ich habe es offensichtlich nicht geschafft, die Wähler davon zu überzeugen, dass man mit 55 noch nicht zu alt für das Bürgermeisteramt ist, und dass man den Bürgermeister für die nächsten acht Jahre wählt und nicht für zwölf oder 16 Jahre.“ Er bereut den Schritt nicht. „Ich bin in dieser Zeit auch gereift, und mir wird es nicht langweilig“, versichert er.

Lob von beiden für einen fairen Wahlkampf

Wie Böhler lobt Glattfelder den offen und fairen Wahlkampf. Beide sind rückblickend froh darüber gewesen, dass zwei Bewerber mit ernsten Absichten um das Amt an der Verwaltungsspitze gekämpft haben. Und: Dass es eine Entscheidung im ersten Anlauf gegeben hat. Darin spiegelt sich die Stimmung unter den Wählern, wie sie am Wahlabend bei der Bekanntgabe wahrzunehmen war.

In einem sind sich die Wähler einig: Zwei gute Kandidaten sind angetreten. Es war zu hören: „Beide sind fähig, das Amt auszuüben.“ Diese Meinung teilt Amtsinhaberin Ira Schelling im Telefonat mit unserer Zeitung: „Beide Kandidaten mit unterschiedlichen Profilen waren gut wählbar.“ Und sie sei überzeugt davon gewesen, dass es im ersten Wahlgang eine Entscheidung gibt. „Das Votum ist klar“, stellt sie noch einmal fest.