Der Landmarkt in Lottstetten wird von Hansjörg Gasparini aus Berau geführt. Gasparini ist eigentlich gelernter Werkzeugmacher und Waffenbauer. Im Rahmen seiner kaufmännischen Fortbildung leitete er 1995 für die Lebensmittel-Großhandelskette Okle als „Learning-by-doing-Projekt“ freischaffend den Lottstetter Markant Markt. Im selben Jahr hat er mit seiner Lebensgefährtin Cornelia Roser in Lauchringen den Tante Emma Laden seiner Mutter Ingrid übernommen.

Im Jahr 2003 übernahm er einen bereits geschlossenen Lebensmittelmarkt in Grießen und gab den Laden in Lauchringen fünf Jahre später auf. „Die Konkurrenz ist in Lauchringen zu groß geworden“, sagte Gasparini. Dafür übernahm er im gleichen Jahr den Lottstetter Markant Markt, der von Okle später zum Landmarkt umbenannt wurde. Um den Fortbestand frühzeitig zu sichern, wurde das Gebäude langfristig gemietet. „Damals war der Reckermann in Jestetten das einzige große Geschäft im Jestetter Zipfel“, erinnert sich Gasparini, der in Lott­stetten über 5000 verschiedene Produkte anbietet und für seine zwei Geschäfte jeweils sieben Fest- und Teilzeitangestellte beschäftigt. „Unser Zielpublikum sind die Kunden, die immer wieder kommen“, betonte Cornelia Roser.

Die Produkte muss der Landmarkt vom Vertragslieferanten Okle beziehen, doch das Sortiment kann er selbst bestimmen. „Letztendlich bestimmt der Kunde unser Sortiment“, betonte Gasparini, der Produkte, die Okle nicht liefern kann, anderweitig besorgt. Dabei setzt er auf regionale Lieferanten, was von der Kundschaft sehr geschätzt wird. Eier kommen von den Dietenberger Höfen Russ und Glatt, Säfte von der Lottstetter Mosterei Abend, Konfitüre aus der Lauchringer Manufaktur Simmler und Gemüse wird von der Insel Reichenau angeliefert. „Wir sind immer offen für neue regionale Produkte“, sagte Cornelia Roser, die mittlerweile über 30 anderweitige Zulieferer hat. „Bio, vegan, gluten- und laktosefrei sind zunehmend im Trend“, sagte Gasparini, der diesbezüglich über ein ausgewogenes Sortiment verfügt. Cornelia Roser stellt als ausgebildete Fleischereifachverkäuferin das Sortiment der „Frischland“ SB Fleisch- und Wurstprodukte zusammen. Mit der Produktlinie „Jeden Tag“, will Okle mit rund 500 zugkräftigen Artikel zum Niedrigpreis zudem den discountversessenen Wettbewerbern vor Ort die Stirn bieten. Sehr beliebt ist auch die Tchibo Filiale, die noch in diesem Jahr erweitert werden soll. Ein weiteres Standbein ist die Getränkescheune, in der großen Wert auf Mehrwegverpackungen gelegt wird. „Eine Cola oder ein Bier schmeckt aus der Glasflasche doch besser wie aus einer Plastikguge“, bemerkte Gasparini. Den Wein bezieht er vom Hohentengener Engelhof, dem südlichsten Weingut Deutschlands. „Wir nehmen künftig auch das Erzinger Weingut LCK Keller ins Sortiment“, sagte Gasparini und bemerkte, dass letztendlich der König Kunde bestimmt, was in die Verkaufsregale kommt.

Neben der Erzinger Bäckerei Beckert sind im Landmarkt auch die Metzgerei Bächle und die Volksbank mit einem Geldautomaten integriert, womit der Bedarf für das tägliche Leben in einem Gebäude abgedeckt werden sollte.

 

Mittagstisch und ein Café erweitern das Angebot

Die Erzinger Bäckerei Beckert ist bekannt für gute Kuchen und Pralinen.
Die Erzinger Bäckerei Beckert ist bekannt für gute Kuchen und Pralinen. | Bild: Thomas Güntert

Die Erzinger Bäckerei Beckert zieht am 3. September beim Lottstetter Landmarkt ein, da die Bäckerei Jost aus Bonndorf seine Filialen reduziert und auch das Mietverhältnis im Lottstetter Landmarkt gekündigt hat.

Der Landmarkt soll künftig auch zum gesellschaftlichen Treffpunkt werden. Es gibt ein Café mit 30 Sitzplätzen auf dem Vorplatz und zehn weiteren im überdachten Eingangsbereich. Im Backshop wird zudem eine Eisdiele integriert und künftig wird auch ein warmer Mittagstisch angeboten. Die vier bisherigen Verkäuferinnen werden vom neuen Pächter übernommen. Die Bäckerei wird von Bäcker- und Konditormeister Beca Gutaj geführt, der vor acht Jahren mit seiner Frau Ruke die Erzinger Traditionsbäckerei Beckert übernommen hat. Im letzten Jahr wurde der Bäckereibetrieb mit einer Filiale in Eggingen erweitert. Das Backcafé in Erzingen wurde zum Restaurant Gutaj umstrukturiert und in Kadelburg das Steakhaus „El Toro“ eröffnet.

Mittlerweile hat Beca Gutaj 34 Angestellte, von denen 70 Prozent in Vollzeit beschäftigt sind. Mit zwei Snackmobilen werden verschiedene Unternehmen mit Backwaren beliefert und die Edeka Märkte in Erzingen, Lauchringen und Kadelburg, sowie die Metzgerei Würtenberger im Landmarkt Wutöschingen versorgt. „Ab 1. September sind unsere Produkte auch in Gasparinis Landmarkt in Grießen erhältlich“, sagte Gutaj, der sein Angebot nach den Wünschen der Kunden ausrichtet. „Alles, was wir verkaufen, kommt zu 100 Prozent aus eigener Herstellung“, sagte der Bäcker, der alles im Erzinger Betrieb produziert. Vor der Konkurrenz hat Gutaj Respekt, aber keine Angst: „Konkurrenz hat mir noch nirgendwo geschadet, sie fordert mich allenfalls, besser zu sein als andere“, sagte Gutaj, der keine industriell produzierten Rohlinge zum Aufbacken verwendet. Er backt vielfach mit alten Getreidesorten wie Dinkel, Emmer und Buchweizen. Spezielle Teige mit Langzeitführungen setzt er am Vorabend mit möglichst wenig Zusatzstoffen an, worauf der Teig bis zu acht Stunden reift, ehe er gebacken wird. „Dadurch bleibt das Brot länger frisch“, betonte Gutaj. Zu seinen Spezialitäten zählen Bilder- und Hochzeitstorten, Schokolade und Pralinen und das eigene Knäckebrot. Kunden können ab einer gewissen Absatzmenge ihr Wunschbrot backen lassen, beispielsweise mit speziellem Mehl, ohne Hefe oder vegan. Wenn es Absatz findet, wird es ins Sortiment aufgenommen.

Gutaj führt seine Bäckerei immer noch unter dem Namen seines Vorgängers. „Mit der Umbenennung warten wir noch zwei bis drei Jahre, bis unsere Kinder voll ins Geschäft eingestiegen sind, dann brauchen wir sowieso einen neuen Namen“, sagte der 51-jährige Firmenchef. Drei der vier Kinder sind bereits im Geschäft. Die Söhne Brendon (27) und Florent (18) haben Bäcker gelernt und die Tochter Rebecca (22) Konditorin. Tochter Gentiana (24) ist Arzthelferin.