Der Gemeinderat entschied mit überwältigender Mehrheit, dass sich Jestetten mit dem Keltenwall in Altenburg am Keltenprogramm der Landesregierung beteiligt. „Wir haben hier eine der bedeutendsten keltischen Fundstätten in Deutschland„, stellte Bürgermeisterin Ira Sattler fest und Konrad Schlude (CDU) sah den Gemeinderat gar vor seiner wichtigsten Abstimmung seit 20 Jahren.

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Bereits 2016 hatte der Naturpark Schaffhausen ein Konzept vorgelegt, wie die außerordentliche bedeutsame Stätte auf der Halbinsel Schwaben – immerhin war die keltische Siedlung im 2. und 1. vorchristlichen Jahrhundert der wichtigste Handelsposten im süddeutschen Raum und besaß eine eigne Münzwerkstatt – der Allgemeinheit näher gebracht werden könnte. Dieses Vorhaben scheiterte jedoch an den hohen Kosten. Die Landesregierung will nun die Bedeutung der Kelten für Baden-Württemberg an Fundstätten und in Museen sichtbar und erfahrbar machen. Das Oppidum in Altenburg wurde als bedeutende Stätte in das Landes-Konzept aufgenommen.

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„Ich möchte ein schrittweises Vorgehen“, sagte die Bürgermeisterin und kündigte an, dass die Gemeinde sich mit 100.000 Euro an dem, vom Land co-finanzierten Projekt beteiligen werde. Außerdem hofft Ira Sattler auf Fördergelder im grenzüberschreitenden Kontext, schließlich gab es vor gut 2000 Jahren zwischen der Halbinsel Schwaben (D) und der Halbinsel Au (CH) noch keine Grenze – die Siedlung erstreckte sich auf beide Seiten des Rheins.

Kritische Stimme

Stefan Bierwagen (SPD) sah das Ganze hingegen kritisch. „Ist uns die Sache so viel Geld wert?“, fragte er in die Runde. Henry Brückel (Grüne) sah bereits Kolonnen von Reisebussen sich durch die engen Straßen von Altenburg drängend und lehnte das Vorhaben rundweg ab.

Chance für Gemeinde

Jürgen Osswald (CDU) erkannte dagegen eine sehr große Chance für die Entwicklung und das Image der Gemeinde. „Wir haben hier eine einmalige Situation“, stellte Osswald fest. Auch Gaby Kettner (Grüne) zeigte sich zuversichtlich: „Ich glaube, dass das Projekt die Infrastruktur in Altenburg voranbringt.“ Katja Steinbeißer (CDU) mahnte ein behutsames Vorgehen an und sprach sich gegen einen „Rummelplatz“ aus. Ihr Fraktionskollege Vincent Ziegler sah „eine unglaubliche Chance für Altenburg„.

In den 1970er Jahren erfolgte die archäologische Ausgrabung durch Franz Fischer am Keltenwall.
In den 1970er Jahren erfolgte die archäologische Ausgrabung durch Franz Fischer am Keltenwall. | Bild: Archiv Gemeinde Jestetten

Ira Sattler verwies am Ende der Diskussion noch auf das bereits bestehende Angebot des Naturparks, die Kelten zu erleben und zerstreute die Bedenken, dass kein Interesse an den Kelten in Altenburg bestünde. Schließlich beschloss der Gemeinderat bei zwei Gegenstimmen (Bierwagen und Brückel), sich an dem Landesprogramm zu beteiligen.