Johannes Oravecz (50) hat Anfang März in Jestettens Schweizer Nachbargemeinde Rheinau für ein Jahr 75 Prozent der Pfarrstelle übernommen. Damit ist er in die großen Fußstapfen des langjährigen Pfarrers Rolf Maria Reichle getreten, der sein Stellenpensum reduzierte und überwiegend in einem Kloster tätig sein wird.

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„Das Wort Gottes ist auch heute lebendig und lebensbezogen“, ist Oravecz überzeigt, der in seinen Predigten die Botschaften der Bibelgeschichte in die heutige Zeit versetzen will, damit die Kirche spannend und lebendig bleibt. In der Corona-Zeit hätten die Kirchenbesuche zugenommen. Johannes Oravecz will sich für die gesamte Pfarrstelle in Rheinau bewerben, die zum 1. März 2022 neu ausgeschrieben wird. Die Kirchengemeinde Rheinau wählt einen Kandidaten, der dann vom Bistum Chur bestimmt wird.

Der Werdegang

Johannes Oravecz ist in der Slowakei geboren und in einer katholischen Familie aufgewachsen. Ursprünglich erlernte er den Beruf des Elektrotechnikers und spezialisierte sich auf die Hochspannung. „Was ich wirklich suchte, fand ich in der Kirche und war noch spannender“, sagte Oravecz. Kurz nachdem der Eiserne Vorhang im Osten gefallen war, ging er drei Jahre ins Ausland.

Johannes Oravecz ist ins Rheinauer Pfarrhaus eingezogen und hat offene Türen.
Johannes Oravecz ist ins Rheinauer Pfarrhaus eingezogen und hat offene Türen. | Bild: Thomas Güntert

Den Lebensunterhalt verdiente er sich mit Gelegenheitsjobs. Auf seiner geistlichen Reise entdeckte er durch die Fotografie Gott in der Schönheit der Natur und wollte seine Inspirationen mit den Menschen teilen. „Spiritualität will gelebt werden, sonst verhallt sie“, sagte Oravecz, der neun Sprachen spricht.

Das Studium

Nachdem sein Fernweh gestillt war, lebte der Slowake mehrere Jahre als Benediktinermönch, wobei er in Rom Theologie und Philosophie studierte. Danach promovierte er in russischer Religionsphilosophie und -theologie und verfasste in englischer Sprache das Buch „God as Love“, das das Aufblühen des religiösen Gedankens im 19. und 20. Jahrhundert in Russland beschreibt. Im Jahr 2004 wurde Johannes Oravecz in Jerusalem zum Priester geweiht. Vor sieben Jahren kam er nach Zürich und war als Spitalseelsorger und Pfarradministrator eingesetzt.