Der Gemeinderat verteilte in seiner letzten Sitzung dieses Jahres an die Jestetter ein kleines Weihnachtsgeschenk. Laut Beschluss der neuen Gebührenkalkulation zahlen die Haushalte und Gewerbetreibenden ab dem 1. Januar für die Schmutzwasserbeseitigung nur noch 1,72 statt bisher 2,03 Euro pro Kubikmeter. Für das Niederschlagswasser verlangt die Gemeinde 37 Cent pro Quadratmeter befestigter, beziehungsweise versiegelter Grundstücksfläche (bisher 41 Cent). Ein Zweipersonen-Haushalt in der Gemeinde kann also rund 30 Euro jährlich sparen.

Der Betrieb der Kläranlage Jestetten (hier ein Bild aus dem Jahr 2013) muss bezahlt werden. Die Jestetter dürfen sich aber freuen, die ...
Der Betrieb der Kläranlage Jestetten (hier ein Bild aus dem Jahr 2013) muss bezahlt werden. Die Jestetter dürfen sich aber freuen, die Gemeinde senkt die Abwassergebühren zum 1. Januar. | Bild: Rolf Wipf (Archiv)

Laut Gesetz können Gemeinden für die Abwasserbeseitigung Gebühren verlangen. In der Höhe, mit der die Betriebskosten der Kläranlagen gedeckt sind. Gebührenüberdeckungen sind innerhalb der folgenden fünf Jahre auszugleichen. In Jestetten ergibt sich aus den Jahren 2017 bis 2020 für die Schmutzwasserbeseitigung einen Überdeckung von 183.735, beim Niederschlagswasser sind es 113.530 Euro.

Gemäß der bisherigen Beschlussfassung ergeben sich Überdeckungen von 81.420 Euro beim Schmutzwasser, 29.333 Euro beim Niederschlagswasser. Somit könnte die Gemeinde laut Berechnung der Tübinger Gesellschaft für Kommunalberatung Heyder und Partner die Gebühren sogar auf 1,53 Euro pro Kubikmeter Schmutzwasser und 30 Cent pro Quadratmeter versiegelter Fläche senken.

Die Fachplaner, die mit der Neukalkulation beauftragt waren, rieten der Gemeinde mit Blick auf eventuelle künftige Investitionen jedoch davon ab, die Überdeckungsbeträge in vollem Umfang aufzulösen und nur die gesetzlich zwingenden zu berechnen.

CDU-Gemeinderat Lothar Altenburger untermauerte den Vorschlag von Planer und Verwaltung: „Viele Anlagen rutschen bald aus der Abschreibung raus. Die meisten Kanäle sind in den 1960er- und 1970er-Jahren gebaut. Es war so zu erwarten.“ Laut Ortsbaumeisterin Alexandra Fischer stünden Maßnahmen an den Faultürmen und ein Glasfaseranschluss für die Kläranlage an.

Das Büro Heyder und Partner setzt als Bemessungsgrundlage für das Schmutzwasser einen jährlichen Verbrauch von 253.000 Kubikmeter Wasser an. Demnach spült jeder Jestetter und Altenburger täglich rund 131 Liter Wasser in die Kanäle. Beim Regenwasser geht es von einer versiegelten Gesamtfläche in der Gemeinde von 332.000 Quadratmetern aus.