Seit dem 13. September laufen die Sanierungen an der Rheinbrücke, die in Rheinau das Zürcher Weinland mit dem Jestetter Zipfel verbindet. Ursprünglich sollten die Bauarbeiten bis zum kommenden Wochenende abgeschlossen und die Vollsperrung aufgehoben werden. Auf Grund eines unvorhergesehenen Wasserschadens an der Tragkonstruktion bleibt die Holzbrücke nun aber bis am 13. November für Kraftfahrer und Fußgänger vollständig gesperrt.

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Beim Abdecken der Ziegel wurde hinter der Holzverschalung eine Beschädigung am Obergurt festgestellt, der die gesamte Dachlast aufnimmt. Das betroffene Teilstück ist außen noch intakt und innen verfault. „Es hätte zu einem plötzlichen Versagen kommen können“, sagte Daniel Mühlethaler, Projektleiter vom Tiefbauamt des Kantons Zürich.

Das beschädigte Tragwerkteil ist aussen noch intakt und innen verfault
Das beschädigte Tragwerkteil ist aussen noch intakt und innen verfault | Bild: Thomas Güntert

Beim Hauptjoch in der Feldmitte muss ein vier Meter langes Trägerstück ersetzt werden. Dafür wird die Brückenkonstruktion an einem 20 Meter langen Spezialträger aufgehängt und entspannt. Durch den Versatz vom inneren und äußeren Hängepfosten und einer im Weg befindlichen Zugstange kann ein Ersatzträger allerdings nicht einfach eingeführt werden. Die Holzfachleute fügen nun von Hand einzelne Fichtenbretter ein und verleimen diese zu einem Brettschichtträger. Danach wird die Konstruktion wieder abgesenkt, damit sich das Tragwerk ineinander verpresst.

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„Zum Glück haben wir uns für diese Baumaßnahme entschieden, sonst hätten wir jetzt ein Problem“, sagte der Projektleiter. Ursprünglich sollte das Dach und der Fahrbahnbelag saniert werden und auf der Ostseite die Sichtöffnungen mit Fenstern verschlossen werden. Auf dem Dach wurden etwa ein Drittel der Ziegel ersetzt. Um das Erscheinungsbild zu bewahren, wurden aus der ganzen Schweiz alte Biberschwanzziegel zusammengekauft.

Daniel Mühletaler überprüft den Hilfsträger, an dem die Brückenkonstruktion zur Behebung des unvorhergesehenen Tragwerkschaden aufgehängt ist.
Daniel Mühletaler überprüft den Hilfsträger, an dem die Brückenkonstruktion zur Behebung des unvorhergesehenen Tragwerkschaden aufgehängt ist. | Bild: Thomas Güntert

Der Fahrbahnbelag wurde saniert und wird nach Abschluss der Holzarbeiten vollflächig mit dünnschichtigem Polymethylmethacrylat belegt. Die budgetierten Baukosten von 810.000 Franken erhöhen sich durch den unvorhergesehenen Mehraufwand um rund 90.000 Franken. Wieso der Schaden entstanden ist, muss noch abgeklärt werden.

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„Das ist jetzt aber nicht wichtig, wir müssen sehen, dass wir die Brücke wieder aufmachen können“, sagte Mühlethaler. Der Projektleiter hat bereits im Jahr 2015 mit den statischen Berechnungen begonnen und vor zwei Jahren die deutschen Behörden über das Sanierungsprojekt informiert. Obwohl die Landesgrenze in der Mitte des Rheins liegt, ist die Eigentumsgrenze beim rechtsrheinischen Fahrbahnübergang zur Holzbrücke.

Obwohl das Brückenlager auf der deutschen Seite stark beschädigt ist, weiß das Tiefbauamt Zürich nichts von einer geplanten Sanierung.
Obwohl das Brückenlager auf der deutschen Seite stark beschädigt ist, weiß das Tiefbauamt Zürich nichts von einer geplanten Sanierung. | Bild: Thomas Güntert

Der stark sanierungsbedürftige Brückenkopf auf der deutschen Seite ist somit deutsches Eigentum. Der Kanton Zürich hat allerdings keine Kenntnis von einer geplanten Sanierung. „Meines Wissens ist das Land Baden-Württemberg Eigentümer des Brückenkopfes auf deutscher Seite, wenden Sie sich bitte direkt an das Regierungspräsidium Freiburg“, so die Jestetter Bürgermeisterin Ira Schelling.

Tobias Herrmann vom Landratsamt Waldshut bemerkte auf eine weitere Anfrage, dass die Mauern außerhalb des eigentlichen Bauwerks Eigentum vom Landkreis Waldshut sind. Der Landkreis sei aber nicht Eigentümer der Steinbrücken, die als Wiederlager dienen. Auf Grund eines alten Genehmigungsentscheids sei dafür der Energiedienst Laufenburg unterhaltspflichtig. „Sie müssten sich daher an den Energiedienst wenden“, sagte Herrmann. Auf mehrfache Anfragen konnte der Energiedienst bisher aber keine Auskunft über Zuständigkeiten und allfällige Sanierungsmaßnahmen geben.

Für Verwirrung sorgt die Absperrung der Baustelle durch eine deutsche Baufirma, obwohl auf der deutschen Seite keine Arbeiten durchgeführt werden.
Für Verwirrung sorgt die Absperrung der Baustelle durch eine deutsche Baufirma, obwohl auf der deutschen Seite keine Arbeiten durchgeführt werden. | Bild: Thomas Güntert