Die Belegschaft der Schreinerei Gampp in Jestetten hatte im Dezember ihren letzten Arbeitstag und somit ist das Traditionsunternehmen Geschichte. Im Jahre 1864 eröffnete Schreinermeister Benedikt Gampp eine Schreinerei in Lottstetten. Damals war es selbstverständlich, dass eine Schreinerei auch für Bestattungen verantwortlich war. Sein Nachfolger und Sohn, Eduard Gampp, verlagerte den Betrieb um 1910 nach Jestetten in die Bahnhofstraße. Die Arbeiten lagen im Bereich der Herstellung von Möbeln und Türen sowie Reparaturen. Früher war der Fensterbau ein weiteres Standbein. Bis zuletzt betrieb Eduard Gampp junior einen Schlüsseldienst.

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Übernommen wurde der Betrieb wiederum von einem Sohn, der in der dritten Generation auch Eduard hieß. Unter Eduard Gampp senior wurden 30 Lehrlinge ausgebildet und zahlreiche Gesellen fanden eine Arbeitsstelle im Betrieb.

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Anfang der 1970er Jahre gab es den einzigen schweren Arbeitsunfall, als Eduard Gampp sen. zwei Finger beim Arbeiten an der Fräsmaschine abgetrennt wurden. Auch in der dritten Generation war der Betrieb für Bestattungen verantwortlich, Eduard Gampp sen. wurde vom Gesundheitsamt Waldshut sogar zum amtlichen Leichenschaudienst per Zertifikat berechtigt, was heutzutage einem Arzt vorbehalten ist.

1990 übernahm Eduard Gampp jun. den Betrieb seines Vaters und bildete noch weitere 20 Lehrlinge aus. Dass das Betriebsklima stimmte, zeigten die langjährigen Betriebszugehörigkeiten der Handwerker. Eine treue Seele war George Karagiorgos, der bis zum Renteneintritt 46 Jahre in der Schreinerei arbeitete. Langjährige Mitarbeiter waren weiterhin Christian Gutt mit 30 Jahren, Klaus Meier mit 26 Jahren und Christoph Gebler mit zehn Jahren.

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Das Büro des Betriebs wird von Ehefrau Angelika Gampp geführt, die auch für die Organisation der Bestattungsformalitäten verantwortlich ist. Das Bestattungsinstitut bleibt bestehen und wird vom Ehepaar Gampp in den dafür vorgesehenen Räumlichkeiten fortgeführt. Daher wird das Gebäude der Schreinerei bestehen bleiben.

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Schon mehrere Jahre verfolgte der 62-jährige Eduard Gampp das Ziel, den Schreinereibetrieb auf Ende des Jahres 2021 einzustellen. Die Belegschaft wusste von dieser Absicht und konnte sich so nach anderen Stellen umsehen. Am 17. Dezember kam es zu einer emotionalen Verabschiedung der Mitarbeiter. Jestetten ist um einen traditionellen Handwerksbetrieb ärmer.