„Das gibt es nur einmal im Leben, dass der Kardinal nach Rheinau kommt“, sagte Rolf Maria Reichle, Pfarrer der Schweizer Nachbargemeinde von Jestetten, im Gespräch mit dieser Zeitung. Kardinal Kurt Koch ist der höchste katholische Würdenträger der Schweiz. Er ist von Rom zu einer Tagung über die Theologie von Papst Benedikt XVI. in den Südschwarzwald gereist und musste nach der Messe in Rheinau auch gleich wieder weiter nach Frankreich. Der einzige Kardinal der Schweiz ist im Vatikan als Kurienkardinal für die Ökumene zuständig.

Der Schweizer Kardinal Kurt Koch feierte am Sonntag in Rheinau das Hochamt zu Ehren „Mariä Aufnahme in den Himmel“. Im Hintergrund der Rheinauer Pfarrer Rolf Maria Reichle.
Der Schweizer Kardinal Kurt Koch feierte am Sonntag in Rheinau das Hochamt zu Ehren „Mariä Aufnahme in den Himmel“. Im Hintergrund der Rheinauer Pfarrer Rolf Maria Reichle. | Bild: Thomas Güntert

Die Gäste

Das Hochamt in Rheinau wurde vom Kirchenradio „Bless“ über einen Live­stream übertragen. Einige Besucher kamen aus dem deutschen Grenzgebiet, um dieses Ereignis zu erleben. Reichle erinnerte sich in seiner Begrüßungsrede daran, wie er vor 40 Jahren bei Kurt Koch, der damals Professor am Katechetischen Institut in Luzern war, eine Vorlesung über die Dogmatik besuchte. Seither sei ihm die prägende Definition der kirchlichen Sakramente geblieben.

Die barocke Klosterkirche in Rheinau besitzt eine prunkvolle Ausstattung.
Die barocke Klosterkirche in Rheinau besitzt eine prunkvolle Ausstattung. | Bild: Thomas Güntert

„Ein Sakrament ist die Transparenz der Transzendenz in der Immanenz“, das sage aus, dass Christus durchsichtig und gegenwärtig wird. In der Predigt erklärte der Kardinal, dass die Christen bezüglich der Bedeutung des Todes und was danach kommt, sehr unsicher geworden seien. In der europäischen Bevölkerung dominierten hinsichtlich des Glaubens an ein ewiges Leben Ratlosigkeit und Ungewissheit.

Kurt Koch ist der einzige Kardinal der Schweiz.
Kurt Koch ist der einzige Kardinal der Schweiz. | Bild: Thomas Güntert

„Viele können sich von einem Leben nach dem Tod nur wenig vorstellen, bei einigen ist alles aus, andere hoffen auf eine Wiedergeburt und Reinkarnation“, sagte Koch. Er betonte, dass der Christliche Glaube mit dem Glauben an die Auferstehung von Jesus Christus stehe und falle. Der Kardinal sieht darin nicht nur ein historisches Geschehen, das vor mehr als 2000 Jahren stattgefunden habe.

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Koch ging auch auf die Bedeutung der Gottesmutter Maria ein, die als Ersterlöste mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen wurde und den Menschen zum ewigen Leben voran gegangen ist. Koch bezeichnete das Patrozinium als das Osterfest für Maria, die den Menschen vermittelt, dass auch sie in die Vollendung eingehen dürfen.

Das ehemalige Benediktinerkloster in Rheinau wurde 1862 aufgehoben. Geblieben ist die Klosterkirche.
Das ehemalige Benediktinerkloster in Rheinau wurde 1862 aufgehoben. Geblieben ist die Klosterkirche. | Bild: Thomas Güntert

Die Umrahmung

Das Hochamt wurde vom Cäcilienchor Rheinau und dem Organisten Andreas Maisch mit der Messe in D-Dur von Valentin Rathgeber festlich umrahmt. Für den reibungslosen Ablauf sorgte Ralph Weimann, Professor für Dogmatik am Angelicum in Rom, der den Kardinal auf seiner Reise als persönlichen Zeremoniar begleitet. Nach dem anderthalbstündigen Festgottesdienst lud die Kirchenpflege die Gottesdienstbesucher auf dem Kirchplatz zum Umtrunk ein.

„Frauen haben eine große Bedeutung“

Kardinal Kurt Koch, der höchste katholische Würdenträger und einzige Kardinal der Schweiz, beantwortet beim Besuch in Rheinau Fragen zur aktuellen und künftigen Lage der Kirche aus seiner Sicht.

Eure Eminenz, in Ihrer Predigt sind Sie auf die Bedeutung der Gottesmutter Maria im christlichen Glauben eingegangen. Wie ist Ihre Haltung, dass Frauen in der katholischen Kirche immer noch keine Priesterämter ausführen dürfen?

Die Frauen haben seit jeher eine große Bedeutung in der Kirche und dürfen alle Ämter wahrnehmen, die nicht von der Priesterweihe abhängig sind. Die Grenze zum Priestertum wurde durch Papst Johannes Paul II. festgelegt, wodurch das Sakrament der Priesterweihe dem Mann vorbehalten ist.

Wo steht die katholische Kirche Ihrer Ansicht nach in 20 Jahren?

Ich bin überzeugt, dass die Kirche auch in 20 und 100 Jahren noch gut dastehen wird. Das weltweite Wachstum der Kirche nimmt zu. Den Mitgliederschwund haben wir vor allem in Westeuropa.

Geht es den Leuten bei uns heutzutage so gut, dass sie meinen, keinen Herrgott mehr zu brauchen?

Ich kann es noch nicht beurteilen, wie viel Leute wieder in die Kirche kommen, wenn die Covid-Krise vorbei ist. Wenn noch weniger kommen als bisher, wäre das ein Indiz dafür, dass so eine Krise den Glauben nicht fördert. Ich hoffe jedoch, dass sich die Menschen durch die existenziellen Erfahrungen in der Pandemie wieder tiefer nach dem Sinn des Lebens fragen und dadurch Gott wieder erkennen.

Welchen Bezug haben Sie zu Rheinau und zur Klosterinsel?

Zu meiner eigenen Schande muss ich bekennen, dass ich zum ersten Mal in Rheinau bin, obwohl mir bekannt war, dass es ein wunderschöner Ort mit einer wunderbaren Kirche ist. Ich kann die vielen Menschen verstehen, die auf die Klosterinsel kommen und in der wundersamen Ruhe und Besinnung die Begegnung zur Schöpfung suchen.