Wer ein Konzert des Jestetter Akkordeonorchesters besucht, darf nicht erwarten, dass bräsige Volksmusikklänge aus altmodischen Handorgeln zu hören sind – im Gegenteil. Im Laufe der letzten 50 Jahre hat sich das Jestetter Orchester zu einem Vertreter des Neo-Prog gewandelt, der fetzige Rockmusik dem Publikum entgegenschleudert. Was freilich auch daran liegt, dass Klavier, Keyboard, Gitarren und Schlagzeug die Akkordeonspieler unterstützen.

Hier war das Publikum, darunter der aktive und zwei ehemalige Jestetter Bürgermeister, noch gespannt, auf das, was kommen sollte.
Hier war das Publikum, darunter der aktive und zwei ehemalige Jestetter Bürgermeister, noch gespannt, auf das, was kommen sollte. | Bild: Ralf Göhrig

Wer sich jetzt nichts darunter vorstellen kann, erinnere sich an „Take On Me“ der norwegischen Band A-ha, das genauso gespielt wurde, wie Medleys von Supertramp oder Elton John. Das staccatoartig treibende E-Piano – gespielt von Othmar Ledergerber – wurde wohlig eingebunden in einen dicken Klangteppich der Akkordeons. Besonderer Erwähnung bedarf es natürlich auch des Schlagzeugers, Silvan Ledergerber. Wo ist bei einem Konzert eines Akkordeonorchesters ein minutenlanges Schlagzeugsolo zu hören? Sie können es sich denken: In der Jestetter Gemeindehalle.

Einfach großartig; Silvan Ledergerber am Schlagzeug.
Einfach großartig; Silvan Ledergerber am Schlagzeug. | Bild: Ralf Göhrig

Donnernder Applaus für Musiker

Die Musiker spielten den „Summer Of 69“ von Bryan Adams, den „Wellerman“ und das Publikum war mehr und mehr aus dem Häuschen. Und gegen Ende des Konzertes war die Stimmung einfach nur noch gewaltig. Kein braver Applaus, sondern ein fast endlos donnernder Orkan, wie ihn die Gemeindehalle noch selten gesehen hat. Dass das Publikum die Musiker nicht von der Bühne lassen wollte, muss an dieser Stelle wohl kaum erwähnt werden.

Verantwortlich für diese Synthese aus Tradition und Moderne ist Cornelia Feser, die musikalische Leiterin des Jestetter Akkordeonorchesters. „Wir haben große Freude an dieser Musik“, rief sie dem Publikum entgegen, eine ehrliche und grundlegend überzeugende Aussage, wie an diesem Abend zu hören war.

Cornelia Feser (links) hatte ihr Orchester jederzeit im Griff.
Cornelia Feser (links) hatte ihr Orchester jederzeit im Griff. | Bild: Ralf Göhrig

Dass überhaupt etwas zu hören war, lag auch an Theres Günter, die Noten für die diatonischen Handharmonikas schrieb, da es für diese schlichtweg keine Noten gibt – jedenfalls für die meisten Stücke nicht, die dem Jestetter Akkordeonorchester am Herzen liegen. Durch das Programm führte, auch das sei hier erwähnt, in bewährt souveräner Manier, Aline Wessolowski.

Seit dem Beginn dabei

50 Jahre Akkordeonorchester bedeuteten auch jede Menge Ehrungen, die Volker Bögi, Stellvertretender Vorsitzender des DHV, Bezirk Dreiländereck vornahm. Besonders bemerkenswert ist dabei die Goldene Ehrennadel für Cornelia Feser, die, als Tochter des Gründungsmitglieds, Ludwig Kaschel, von Anfang an, also seit 50 Jahren mit an Bord ist.

Cornelia Feser erhielt Volker Bögi vom Deutschen Harmonikaverband die Goldene Ehrennadel für 50 Jahre im Verein.
Cornelia Feser erhielt Volker Bögi vom Deutschen Harmonikaverband die Goldene Ehrennadel für 50 Jahre im Verein. | Bild: Ralf Göhrig