Das Theater-"SHpektakel" ist einer der Höhepunkte des Schaffhauser Kulturlebens. Und ein fester Bestandteil dieser Theateraufführungen sind zwei Jestetter. Die Schauspielerin Stephanie Signer wirkt bereits zum zehnten Mal mit. Und auch der Bankkaufmann, Henry Brückel, ist seit dem Jahr 2005 mit von der Partie.

Es soll geschehen. Wer sticht zu?
Es soll geschehen. Wer sticht zu? | Bild: Ralf Göhrig

In diesem Jahr gibt es beim Kraftwerk Schaffhausen "Auf hoher See", eine Parabel von Slawomir Mrozek zu sehen. Regie führte einmal mehr Damir Zizek.

Damir Zizek hat das Schaffhauser SHpektakel begründet und führt auch in diesem Jahr Regie. Bild: Ralf Göhrig
Damir Zizek hat das Schaffhauser SHpektakel begründet und führt auch in diesem Jahr Regie. Bild: Ralf Göhrig | Bild: Ralf Göhrig

Das Besondere der Schaffhauser Inszenierung ist, dass der Einakter zwei Mal aufgeführt wird. Einmal von Männern, einmal von Frauen gespielt. Eine Gruppe von drei Schiffbrüchigen sieht die Nahrungsvorräte zur Neige gehen. Es bleibt nur ein Ausweg: Einer der drei muss sterben, muss sich opfern, um den andern das Überleben zu sichern.

Stephanie Signer (die "Dicke"), Gabriela Leutwiler (die "Mittlere") und Simona Sbaffi (die "Dünne", von links) bildeten das Frauenteam.
Stephanie Signer (die "Dicke"), Gabriela Leutwiler (die "Mittlere") und Simona Sbaffi (die "Dünne", von links) bildeten das Frauenteam. | Bild: Ralf Göhrig

Zugegeben, ein makaberes Thema, doch eigentlich geht es um den grassierenden Populismus, der, scheinbar logisch begründet, den Pluralismus, die Demokratie und die persönliche Freiheit aufs Abstellgleis befördert. Vordergründig kluge Argumente führen dazu, dass aufgeklärte, selbstbewusste Menschen zu stumpfsinnigen Befehlsempfängern werden, die sich freiwillig für ein höheres Ziel zu opfern bereit sind. Und dann die Menschen, die egomanisch ihren Vorteil suchen.

Spiegel wird vorgehalten

In Zeiten von Populisten, wie dem amerikanischen Präsidenten, fragwürdigen Regierungen selbst innerhalb der Europäischen Union, wird den Zuschauern ein Spiegel vorgehalten und mancher Lacher bleibt dabei im Halse stecken. Obwohl das Stück bereits 1961 in Lublin uraufgeführt wurde, hat es nichts von seiner Aktualität verloren – im Gegenteil.

Die Post wird auch Schiffbrüchigen auf Hoher See zugestellt. Susanna Thoma als Postbotin.
Die Post wird auch Schiffbrüchigen auf Hoher See zugestellt. Susanna Thoma als Postbotin. | Bild: Ralf Göhrig

Zum Erfolg der Schaffhauser Inszenierung tragen in erster Linie die Schauspieler bei, Georg Blumreiter, Pascal Holzer und Bodo Krumwiede sowie Stephanie Signer, Gabriela Leutwiler und Simona Sbaffi unterstützt durch Susanna Thoma und Henry Brückel. Es ist interessant zu beobachten, wie unterschiedlich Frauen und Männer agieren und den Stoff umsetzen. Wer sich selbst davon überzeugen will, kann dies noch bis zum 1. September tun.

Schauspielerin Stephanie Signer
Schauspielerin Stephanie Signer | Bild: Ralf Göhrig
Henry Brückel, Gründer des Amateurtheaters "Lüücht"
Henry Brückel, Gründer des Amateurtheaters "Lüücht" | Bild: Ralf Göhrig

Aufführungen: Von Mittwoch bis Samstag um jeweils 20.15 Uhr. An den anderen Tagen gibt es Filmvorführungen oder Konzerte. Karten erhalten Sie hier: www.shpektakel.ch

"Die Stückauswahl trifft den Nerv der Zeit"

Beim Schaffhauser SHpektakel sind seit vielen Jahren zwei Jestetter mit an Bord, der Gründer des Amateurtheaters "Lüüchte", Henry Brückel, und die Schauspielerin Stephanie Signer, die durch die Serie "Marienhof" bekannt wurde. Im Interview sprechen sie über ihre Erfahrungen mit dem SHpektakel.

Frau Signer, Sie spielen bereits zum zehnten Mal beim SHpektakel mit, was ist das Besondere dieser traditionellen Theaterveranstaltung?

Ich war bei zehn von 14 Produktionen dabei, das erste Mal 2002 mit Ophelia in Hamlet. Seither durfte ich hier viele tollen Rollen spielen. Die Stückauswahl von Damir Zizek ist immer spannend, klug und trifft den Nerv der Zeit. Das gibt mir als Schauspielerin viel Futter und Spielraum bei der Erarbeitung der Figur. Der Ort hier ist natürlich zauberhaft, unterm Kran zu spielen immer etwas Besonderes.

Was ist das Besondere dieser Aufführung?

Neben der aktuellen Thematik des Populismus und der Frage wie manipuliert man Menschen, ist das Besondere dieses Jahr, dass die Zuschauer diesen Einakter von Mrozek gleich zweimal hintereinander sehen. Aber anders. Einmal in männlicher, dann in weiblicher Besetzung.

Herr Brückel, seit vielen Jahren sind Sie beim SHpektakel mit an Bord, wie wurde man auf Sie aufmerksam?

Ich bin seit 2005 bei insgesamt fünf Produktion auf der Bühne gestanden. Dazu kam ich eigentlich durch Zufall! Bei den "Physikern" 2005 wurde ein Darsteller krank. Stefanie Signer kannte mich von den Lüüchte. Sie fragte ob ich kurzfristig einspringen könnte, da hab ich natürlich "Ja" gesagt.

Als Laie im Team mit Profis, wie funktioniert das?

Als Laie bei den Profis kann man nur lernen. Selbst auf kleine Details wird sehr viel Wert gelegt. Dies wird bei einem Probenpensum von etwa vier Wochen, täglich bis zu sechs Stunden. akribisch geprobt.

Fragen: Ralf Göhrig