Vor 200 Jahren hatte es in Jestetten lediglich eine Feuerlöschspritze, 36 Feuerlöscheimer, drei große und vier kleine Feuerhaken sowie ein Windlicht gegeben. Nicht die besten Voraussetzungen, in einem Dorf mit rund 700 Einwohnern Brände zu bekämpfen. Die Verpflichtung jedes Mannes, bei seiner Hochzeit einen Feuerlöscheimer zu beschaffen, war da nur der buchstäbliche Tropfen auf dem heißen Stein.

Mit Pferden zum Brandherd

Einen großen Entwicklungsschritt gab es laut Chronisten im Jahre 1831. Damals beschaffte man eine neue Feuerlöschspritze, das größte Modell, das seinerzeit gebaut wurde. Die Spritze hatte eine Wurfweite von 32 Metern und musste von 18 Mann bedient werden. Dazu mussten pro Minute 55 Doppelhube getätigt werden.

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Für das Bespannung der Spritzen waren zwei Pferdehalter verpflichtet worden, die das zweispännige Fahren beherrschten. Das erste Feuerwehrspritzenhaus stand in der Kirchstraße und bot ab 1845 eine Wachstube für die Nachtwächter sowie eine Arrestzelle.

Musikverein kommt dazu

Außerdem gab es seit 1839 einen Brandweiher, der am Standort der heutigen Realschule angelegt worden war. Die Jestetter Feuerwehr wurde 30 Jahre später, am 6. Juli 1869, unter Bürgermeister Karl Ott gegründet, der erste Kommandant war Pius Keller. Am 19. August 1871 wurde der Jestetter Musikverein kurzerhand in die Feuerwehr einverleibt. Erst im Jahr 1908 wurde der Musikverein wieder selbstständig.

Eine Übung anlässlich der 60-Jahr-Feier im Jahre 1929.
Eine Übung anlässlich der 60-Jahr-Feier im Jahre 1929. | Bild: Feuerwehr Jestetten

In Altenburg dauerte es bis 1929, als eine Versammlung von 99 Männern die hiesige Feuerwehr gründete. Und auch die Altenburger Feuerwehr gönnte sich seit 1935 eine eigene Feuerwehrmusikabteilung, die nach dem Zweiten Weltkrieg zum Musikverein Altenburg wurde.

Die Altenburger Feuerwehrmusik im Jahre 1935.
Die Altenburger Feuerwehrmusik im Jahre 1935. | Bild: Feuerwehr Jestetten

In der Nachkriegszeit musste die Jestetter Feuerwehr neu aufgebaut werden. 1952 baute die Gemeinde ein neues Gerätehaus in der Kirchstraße und zum 100-jährigen Jubiläum, verbunden mit der Anschaffung eines Löschfahrzeugs „LF16TS“ ernannte das Landratsamt Waldshut die Jestetter Feuerwehr zur Stützpunktwehr.

Neue Einsatzgebiete und die erste Feuerwehrfrau

Dann gab es eine rasante Entwicklung und die Einsatzgebiete der Feuerwehr wurden von technischer Hilfe bei Verkehrsunfällen bis zur Ertüchtigung in Sachen Chemie und Strahlenschutz ausgeweitet.

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1993 wurde, mit Nicole Marquardt, erstmals eine Frau in die Aktivmannschaft aufgenommen, letztlich auch eine Folge der 1976, von Edwin Fritz gegründeten Jugendfeuerwehr. Im Jahre 2012 hat die Jestetter Feuerwehr schließlich das moderne Gerätehaus in der Hohenkrähenstraße bezogen.

„Vieles hat sich verändert und im Kern ist vieles gleichgeblieben. Natürlich hat sich die Technik in der Feuerwehr extrem ...
„Vieles hat sich verändert und im Kern ist vieles gleichgeblieben. Natürlich hat sich die Technik in der Feuerwehr extrem verändert.“ Holger Jörns, Kommandant | Bild: Feuerwehr Jestetten

„Die Technik hat sich extrem verändert“

Kommandant Holger Jörns spricht im Interview über die Veränderungen der vergangenen 150 Jahre.

Herr Jörns, was hat sich bei der Feuerwehr in den vergangenen 150 Jahren verändert?

Vieles hat sich verändert und im Kern ist vieles gleichgeblieben. Natürlich hat sich die Technik in der Feuerwehr extrem verändert. Selbstverständlich hat sich auch gesellschaftlich in der Feuerwehr einiges getan. Im Jahr 1993 wurde die erste Frau in die Feuerwehr Jestetten aufgenommen – das war vor 150 Jahren undenkbar.

Wie schaffen Sie es in Zeiten der zunehmenden Individualisierung, die Feuerwehr Jestetten schlagkräftig zu halten?

Ich denke, dass wir in der Feuerwehr Dinge leben, welche die Mitglieder motivieren, dabei zu sein/bleiben. Zum einen ist es sicherlich das „Helfersyndrom“, das in uns allen steckt. Zum anderen ist es die Kameradschaft, das gute Zusammengehörigkeitsgefühl in der Jestetter Feuerwehr.

Was wünschen Sie sich persönlich für die Jestetter Feuerwehr in der nächsten Zukunft?

Ich weiß, dass sich jedes Mitglied von Hilfsorganisationen als erstes immer wünscht, dass alle Kameradinnen und Kameraden unverletzt und gesund aus den Einsätzen zurückkommen.