Rund 50 Vereinsvertreter und interessierte Einwohner kamen in Jestetten zur Informationsveranstaltung bezüglich der Umnutzung des SBB-Bahnhofgebäudes, das im Jahr 1897 von der Schweizer Nordostbahn an der Verbindung Schaffhausen – Zürich gebaut wurde.

Nachdem es in den letzten Jahren nicht mehr genutzt wurde und ein Dornröschenschlaf gehalten hatte, wollte es die SBB verkaufen. Die Gemeinde hat das massive Gebäude samt dem angebauten Holz-Lagerschuppen und den Parkplätzen aus strategischen Gründen gekauft. Man wollte keinen Bahnhof ohne Parkplätze, weil man befürchtet, dass die Pendler sonst die Wohnquartieren zuparken. Zudem besteht Platzbedarf für die örtlichen Vereine, sowie für die Umsiedelung des Jugendraums und der Musikschule.

Bürgermeisterin Ira Sattler erläuterte, dass der rund 120 Quadratmeter große Jugendraum in der ehemaligen Gewerbeschule aufgelöst werden muss, da die benachbarte Realschule an der Kapazitätsgrenze angelangt ist. Auch der von der Jugendmusikschule genutzte Musiksaal soll in der Realschule zum Klassenzimmer umfunktioniert werden.

Vorerst keine Gastronomie im Gebäude vorgesehen

Der Musikverein probt in der Gemeindehalle und muss bei Veranstaltungen anderer Vereine ausweichen und auch die Volkshochschule hat zu wenig Platz für ihre Angebote. Die Bürgermeisterin erwähnte, dass sie immer wieder Anfragen von Döner- oder Take-Away-Restaurants bekomme, die sich in das Bahnhofsgebäude einmieten wollen.

Bei der Infoveranstaltung kamen noch zwei direkte Anfragen für eine Shisha-Bar und einen griechischen Schnellimbiss. Sattler betonte, dass dies nicht die Absicht der Gemeinde sei und Gastronomie oder gewerbliche Nutzung erst in Frage kämen, wenn die Vereine keinen Bedarf mehr hätten, worauf die Besucher spontan applaudierten.

Die Jestetter Bevölkerung hat ein starkes Interesse, wie künftig das ehemalige SBB Bahnhofsgebäude genutzt werden soll. Bis im September können noch Ideen eingebracht werden.
Die Jestetter Bevölkerung hat ein starkes Interesse, wie künftig das ehemalige SBB Bahnhofsgebäude genutzt werden soll. Bis im September können noch Ideen eingebracht werden. | Bild: Thomas Güntert

Drei Etagen mit jeweils 70 Quadratmetern Nutzfläche

Der Jestetter Architekt Jürgen Osswald präsentierte ein Funktions- und Nutzungskonzept der denkmalgeschützten Gebäude, das er bereits seinen Gemeinderatskollegen vorgestellt hatte. Das Bahnhofsgebäude verfügt auf drei Etagen über jeweils 70 Quadratmeter Nutzfläche, zudem im Dachgeschoss über rund 40 Quadratmeter. Die Lagerhalle hat eine Fläche von 170 Quadratmeter.

„Kein Gebäude in Jestetten ist vom ÖV und den Zufahrten so gut erschlossen wie dieses“, betonte Osswald, der feststellte, dass es am Gebäude keine substanzielle Schäden gibt.

Beim Umbau sollen unterschiedliche Gruppenräume entstehen, die man zueinander öffnen und vergrößern kann. Das Landesdenkmalamt verlangt allerdings, dass das äußere Erscheinungsbild nicht verändert wird und die geschichtsträchtige Laderampe und das Stellwerk erhalten bleiben.

Die Denkmalpflege verlangt, dass die geschichtsträchtige Laderampe und das Stellwerk erhalten bleiben.
Die Denkmalpflege verlangt, dass die geschichtsträchtige Laderampe und das Stellwerk erhalten bleiben. | Bild: Thomas Güntert

Die Bürgermeisterin betonte, dass das Bahnhofsgebäude keine Lagerhalle für die Vereine werden soll, da es dafür zu schade ist und dass die Vereine auch künftig ihre Versammlungen in den Gastronomiebetrieben abhalten sollen. Die Bürgermeisterin rechnet mit Umbaukosten von über einer Million Euro. Sie will Zuschüsse aus dem Förderprogramm „Entwicklung Ländlicher Raum“ und dem Ausgleichsstock beantragen.

Bei der anschließenden Diskussion kam es zu Reibungspunkten unter den Vereinen. Die Theatergruppe Lüüchte hätte gerne ein halbes Jahr vor ihren Aufführungen einen großen Raum für sich alleine. „Wenn die Kulisse steht, sollte kein Stuhl mehr weggerückt werden“, so Astrid Brand. Sattler bemerkte hierzu, dass Vereine keine Ansprüche an die Gemeinde haben dürften und Kompromisse eingehen müssten.

Ideen und Vorschläge aus der Bevölkerung willkommen

Bei der Vergabe der Räumlichkeiten will sie Vereine bevorzugen, die sich am gesellschaftlichen Leben der Gemeinde beteiligen. Der Jestetter Gemeinderat wird in der September-Sitzung eine Grundsatzentscheidung treffen. Die Bürger wurden aufgefordert, bis dann noch mögliche Ideen einzubringen.