Nur wenige Menschen wissen, dass im Walddistrikt Lauter Eichen nicht nur stattliche Exemplare dieser urigen Baumart wachsen, sondern sich dort die Reste eines Kalkbrennofens befinden. Leider wurde dieser Ofen beim Bau des Frankengrabenwegs in den 1930er Jahren weitgehend zerstört, was entsprechenden Aufzeichnungen des Landesdenkmalamtes aus dem Jahr 1935 an der Untätigkeit der örtlichen Denkmalschützer festgemacht wird.

Entdeckung bei Ausbauarbeiten

Am 24. April meldete der Jestetter Forstwart Josef Dannegger, dass bei den Ausbauarbeiten der Verbindungsstraße Jestetten – Neunkirch (Schweiz) ein mutmaßlich römischer Schmelzofen beim Steinbrechen entdeckt wurde. Dannegger wandte sich seinerzeit an den Oberlehrer Max Schwab, der für die frühgeschichtliche Denkmalpflege der Gemeinde Jestetten zuständig war. Schwab wurde gebeten, den Ofen zu fotografieren und den Fund an das Museum für Urgeschichte zu melden. Doch weder er noch der Bezirkspfleger Kohler aus Erzingen zeigten sich an dem Fund interessiert. Oberlehrer Schwab gestattete dem Forstmann sogar den Abbruch des Ofens im Zuge der Steinbruchnutzung.

Denkmalamt in Freiburg

Allerdings berichten Quellen von Besichtigungen des Brennofens durch Jestetter Schüler. Ende April 1935 erhielt Rudolf Halter vom Denkmalamt in Freiburg Kenntnis von diesem Ofen. Er wurde von Professor Kraft gebeten, den Fundort und die Reste des Ofens zu untersuchen. Am 18. Mai 1935 fuhr Halter nach Jestetten und nahm Kontakt zu Oberlehrer Schwab, Forstrat Gerspach, Forstwart Dannegger und Postmeister Hauser auf. "Zur Errichtung des Kalkofens hatte man in den Kalkfels einen Schacht mit rund 4,5 Metern Durchmesser geschlagen", ist in Halters Aufzeichnungen zu lesen. Den Kalkofen datierende Funde wurde nicht gemacht.

Bereits 1934 wurde ein Kalkbrennofen in Jestetten entdeckt. Bild: Rudolf Halter
Bereits 1934 wurde ein Kalkbrennofen in Jestetten entdeckt. Bild: Rudolf Halter

Sandstein geht verloren

Allerdings wurde in der Nähe ein roter Sandstein mit der Jahreszahl 1610 aufgefunden und einen, bei der Schachtöffnung beschliffenen Stein mit einem H. Leider ging der Stein mit der Jahreszahl verloren – Halter vermutet, dass er gestohlen wurde. Nach der Untersuchung durch die Denkmalbehörde wurden die Reste des Kalkbrennofens wieder zugeschüttet und der Ofen geriet in Vergessenheit. Der Jestetter Chronist Karl-Hellmuth Jahnke stieß vor gut 20 Jahren bei der Suche nach einem Erzofen auf diesen Kalkofen. Er stellte fest, dass dieser Ofen bereits in den 30-er Jahren untersucht und kartiert worden war. Um die Reste vor weiterem Verfall zu schützen, wurden sie wieder zugeschüttet.

Vor gut 20 Jahren stießen Heimatforscher auf den Kalkbrennofen und legten ihn erneut frei. Bild: Ralf Göhrig
Vor gut 20 Jahren stießen Heimatforscher auf den Kalkbrennofen und legten ihn erneut frei. Bild: Ralf Göhrig