Lottstetten – Nicht ganz zufrieden mit dem Regierungspräsidium zeigte sich der Gemeinderat Lottstetten bei der mit Spannung erwarteten Sitzung in Sachen Altrheinarm. Grundsätzlich und auch einstimmig befürwortete das Gremium die Pläne, den trocken gefallenen Altrheinarm bei der Gieße wieder zu reaktivieren.

Dazu ist vorgesehen, den Seitenarm an beiden Enden mit dem Hauptfluss zu verbinden. Dadurch wird die Badewiese zur Insel, die durch eine Brücke zugänglich sein wird. Dennoch gab es einen erheblichen Diskussionsbedarf, da das Regierungspräsidium offenbar die Anregungen der Gemeinde, die anlässlich einer Ortsbegehung geäußert wurden, in seiner Planung nicht ausreichend berücksichtigt hat, was Martin Russ (CDU) zur Aussage verleitete: „Diese Planung befremdet mich.“

Stefan Rehm (Freie Wähler) sieht eine optische und ökologische Aufwertung der Fläche, aber auch ein gewisses Konfliktpotential zwischen Erholungssuchenden und Belangen des Naturschutzes.

Axel Holzscheiter (SPD) sprach von einem sehr guten Plan, der die Gieße für die Gemeinde kostenfrei aufwerte. Allerdings forderte auch er, die Liegewiese als solche zu erhalten. Thomas Güntert (Grüne) sieht ebenfalls eine Aufwertung und gab zu Bedenken, dass die Gieße nicht nur Badegästen dient, sondern auch Wanderern und sonstigen Touristen.

Die Gieße als Insel wurde einhellig als attraktives Element gesehen. Hauke Schneider (Freie Wähler) forderte eine weitere Begehung mit dem Regierungspräsidium, um eine klare Trennung zwischen Naturschutz und Erholungsnutzung zu gewährleisten.

Der vom Regierungspräsidium ebenfalls geplante Rückbau der Uferbefestigung stieß hingegen auf ein geteiltes Echo. Bürgermeister Jürgen Link erklärte, dass dieser Verbau vor 30 Jahren erfolgt sei und 800 000 DM gekostet habe. „Wir sollten das vorsichtig angehen, denn wer kann wissen, was in weiteren 30 Jahren gefordert wird?“

Grund für die Uferbefestigung war die Unterspülung, ausgelöst durch Wellenschlag vom Motorbootverkehr herrührend. Hauke Schneider gab zu Bedenken, dass die aktuelle Situation sehr negativ für Jungfische sei. „Es gibt keine Unterwasserlebensräume“, stellte er fest. Während Martin Russ den Plan des Regierungspräsidiums komplett in Frage stellte, sah Axel Holzscheiter die Sache differenzierter. Er schlug vor, die Bebauung im Prallhangbereich zu belassen und von Süden her, die Bebauung rückzubauen. Dabei könne das eingebaute Material verwendet werden, den Uferbereich fischgerecht zu gestalten. Im Verlauf der Sitzung schlossen sich immer mehr Gemeinderäte dieser Meinung an und man beschloss letztendlich, genau so vorzugehen.