Jestetten verwandelte sich am Wochenende in eine Hochburg der Fasnacht. Das 38. Kleggau-Narrentreffen begann gleich mit einem der Höhepunkte: der Messe für die Narren in der katholischen Kirche. „Hoorig ist die Chatz“, tönte es zur Begrüßung im vollständig gefüllten Gotteshaus. Keiner wollte des Pfarrers Predigt verpassen, denn „Schön ist es, auf der Welt zu sein“, wenn Richard Dressel an Fasnacht zur Gitarre greift. Verpackt im Lied von Roy Black und Anita sang der Pfarrer: „Mein Leiden ist der Arbeitgeber, die Laus auf meiner zarten Leber.“

Die Narren waren begeistert, und wohlverdient der Orden, der dem Pfarrer verliehen wurde. Rainer Denzel, das Urgestein der Jestetter Fasnacht, fasste es in seiner Begrüßungsrede richtig zusammen: „In Narrenkreisen ist nur ein Mann, wer außer sprechen auch noch reimen kann.“ Zur musikalischen Umrahmung trugen der Jugendchor, die Brassburger und die Band des Nasholim Chors mit Madeleine Schaaf als Sängerin bei. So eingestimmt konnten die Narren hinausziehen in die Nacht.

Die Schlosshexen Tiengen stellten vor dem Scheiterhaufen eine Pyramide.
Die Schlosshexen Tiengen stellten vor dem Scheiterhaufen eine Pyramide. | Bild: Rita Kromer

Quasi als Generalprobe zum Sonntag fand der Nachtumzug mit 21 Gruppen statt, gut gelaunt und mit viel schräger Musik zogen die Narren durch die Jestetter Festmeile. Mit Spannung erwartet wurde der Hexensprung der Schlosshexen Tiengen. Beim Platz vor der Kirche war das Hexenfeuer entfacht worden, und es war gut zu wissen, dass die Feuerwehr alles bestens gesichert und im Griff hatte. Dicht gedrängt standen die Zuschauer, schaurig sah es aus, als die Hexen ihren mystischen Tanz um den Scheiterhaufen begannen und wagemutig durch die lodernden Flammen sprangen.

Heiß diskutiert wurde, warum die Kleider samt Hexen bei diesem Tanz im Feuer nicht in hellen Flammen standen. Ob da doch Hexerei mit im Spiel war? Die Veranstalter haben vorsichtshalber an die anwesenden Kinder appelliert, dieses Schauspiel auf keinen Fall nachzumachen. Wer die Nacht überstand, freute sich auf den nächsten Höhepunkt, nämlich den großen Jubiläumsumzug am Sonntag.