Der Jestetter Zipfel ist nicht nur organisch ein Teil des regionalen Naturparks Schaffhausen, wesentliche Naturschutzprojekte werden hier – vor allem im Staats- und Gemeindewald – auch reibungslos umgesetzt. "Mich freut es, dass die Zusammenarbeit zwischen uns Förstern und dem Naturpark so erfolgreich ist", sagte Helge von Gilsa, Leiter des Kreisforstamtes Waldshut im Gespräch mit unserer Zeitung. Dabei lobte er das professionelle Vorgehen der Naturpark-Verantwortlichen, allen voran den Projektleiter Natur, Bernhard Egli.

Bernhard Egli und Ilmarin Pesenti (v.l.) an einer großen Bohnerzgrube im Bissig. Bild: Ralf Göhrig
Bernhard Egli und Ilmarin Pesenti (v.l.) an einer großen Bohnerzgrube im Bissig. Bild: Ralf Göhrig | Bild: Ralf Göhrig

Dieser hatte bereits in der Einrichtungsphase des grenzüberschreitenden Naturparks einige Projekte im Jestetter und Lottstetter Wald auf den Weg gebracht, die inzwischen Früchte tragen. Begonnen hatte Egli im Jahr 2013 mit der Kartierung von Bohnerz-Löchern im Ettenberg und Bissig. Dort gibt es mehr als 300 dieser Gruben, in denen die Menschen bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts Erz abbauten. Diese Kraterlandschaft ist ein wichtiges Biotop für seltene Amphibien wie die Geburtshelferkröte.

In den Folgejahren haben Waldarbeiter, Schulklassen, freiwillige Helfer und örtliche Naturschützer diese Biotope gepflegt, indem beispielsweise Neophyten (fremdländische Pflanzen) beseitigt und die Lebensbedingungen für die zu schützenden Arten verbessert wurden. Die besseren Lichtverhältnisse haben inzwischen dazu geführt, dass sich in einigen der wasserführenden Bohnerzgruben der seltene "Kleine Igelkolben" eingestellt hat.

In den Kronen dieser alten Eichen in Altenburg leben Mittelspechte. Bild: Ralf Göhrig
In den Kronen dieser alten Eichen in Altenburg leben Mittelspechte. Bild: Ralf Göhrig | Bild: Ralf Göhrig

In Zusammenarbeit mit dem örtlichen Förster hat der Naturpark Schaffhausen den Lebensraum für den Mittelspecht im Altenburger Dammboden verbessert. Hierfür stellte die Gemeinde einen uralten Eichenwald zur Verfügung, der zukünftig als Lebensraum für diese kleine Buntspecht-Art dient. Daneben hatte Bernhard Egli zusammen mit dem Insektenkundler André Rey seltene, teilweise vom Aussterben bedrohte Schmetterlings- und Wildbienenarten entdeckt.

Eine Sensation war der Nachweis des "Braunen Eichenzipfelfalters" im Distrikt Oberholz (Altenburg) oder der "Rötlichen Kegelbiene" in Nack. Auch der "Kleine Schillerfalter" oder der "Große Eisvogel", beides Schmetterlings-Arten, tummeln sich im Jestetter Zipfel.

Doch es sind nicht nur Insekten und unscheinbare Pflanzen, die den Naturpark bevölkern. Ganz besonders erfreut zeigte sich Bernhard Egli über den aktuellen Nachweis von Wildkatzen im Südranden, jenem etwa 5000 Hektar großen und geschlossenen Waldgebiet zwischen Jestetten und den Orten des schweizerischen Klettgaus. Somit wurde eine lange gehegte Vermutung bestätigt.