Für rund 770 000 Euro erhält der SV Jestetten einen Kunstrasenplatz. Dies hat der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen. Schon seit geraumer Zeit ist geplant, den Hartplatz entsprechend umzubauen, um ihn für die Spieler attraktiver zu machen. Um den Rasenplatz zu schonen, ist es zweckmäßig, einen Ausweichplatz zu haben und dieser erschien den Fußballern als nicht mehr zeitgemäß. Daher hatte sich der Gemeinderat schon seit Längerem mit dieser Thematik beschäftigt, hatte die Mittel in den Haushalt eingestellt und war bereits auf einer Kunstrasenbesichtigungstour im gesamten Landkreis unterwegs gewesen.

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Planer Ernst Kaiser informierte in der jüngsten Sitzung überaus detailreich über die verschiedenen Arten von Kunstrasen, den Spielfeldaufbau, die Wirkung von gedrehten und geraden Kunstrasenfasern und den Unterschied zwischen Kork und Kunststoff als Füllstoff. Nach mehr als einer Stunde konnten sich die Räte als Fachpersonen in Sachen Kunstrasen fühlen.

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Ein Aspekt wurde jedoch vollkommen außer Acht gelassen: Die Umweltverträglichkeit von Kunstrasenplätzen. Das Fraunhofer-Institut sieht, laut einem Bericht der Zeitschrift „Ökotest“ vom April 2019, in Kunstrasenplätzen zurzeit die drittgrößte Quelle für Mikroplastik in der Umwelt. Demnach werden pro Fußballplatz rund 100 Tonnen Kunststoffgranulat benötigt, wovon jährlich zehn Prozent verloren gehen und ersetzt werden müssen. (Quelle: Norwegische Umweltschutzbehörde).

Ein Kunstrasenplatz mag zwar schön anzusehen und ein perfekter Untergrund für die Kicker sein, doch für die Umwelt ist er eine hingegen Belastung. Daher hat sich der SÜDKURIER nach der Sitzung mit einigen Gemeinderäten unterhalten.

Als Ausweichquartier zum Rasenplatz will der SV Jestetten einen Kunstrasenplatz, den nun der Gemeinderat bewilligt hat.
Als Ausweichquartier zum Rasenplatz will der SV Jestetten einen Kunstrasenplatz, den nun der Gemeinderat bewilligt hat. | Bild: Ralf Göhrig

„Mir blutet das Herz bei dieser Entscheidung“, sagte Reimund Hartmann (Grüne), „doch die Vereine sind der Gemeinde sehr wichtig, und daher haben wir diesem Wunsch entsprochen.“ Ähnlich äußerte sich Angelika Hämmerle (Freie Wähler). Sie konstatierte, sich zu wenig um die Umweltaspekte gekümmert zu haben und sah sich an ein Versprechen dem Verein gegenüber gebunden.

Wissen noch zu neu

Andreas Merk (CDU) gab zu, dass die Dimensionen der Umweltproblematik des Kunstrasenplatzes bislang nicht bekannt gewesen seien. „Erst seit diesem Frühjahr findet man in den wissenschaftlichen Veröffentlichungen die massiven Bedenken“, stellte er fest und meinte, eine gewisse Skepsis angesichts der großen Kunststoffmenge wäre angebracht gewesen, vor allem vor der Entscheidung der EU, künftig Plastikstrohhalme und Plastikwattestäbchen zu verbieten.