Nachdem im vergangenen Jahr im schweizerischen Südranden bei Neunkirch eine Wildkatze bestätigt wurde, ist es ziemlich wahrscheinlich, dass es auch Wildkatzen ein paar hundert Meter weiter südlich auf Jestetter Gemarkung gibt. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Berichte von Sichtungen der scheuen Waldbewohnerin, die in Baden-Württemberg seit dem Jahr 1912 als ausgestorben gilt. Seit vor gut zehn Jahren zwei Wildkatzen am Kaiserstuhl tot aufgefunden wurden breitet sich Felis Silvestris Silvestris, wie der wissenschaftliche Name der Europäischen Wildkatze lautet, entlang der Rheinebene und weiter ostwärts aus.

Marius Huber (links) und Henriette Tripke von der Forstlichen Versuchsanstalt Freiburg setzen im Jestetter Wald Lockstöcke für Wildkatzen.
Marius Huber (links) und Henriette Tripke von der Forstlichen Versuchsanstalt Freiburg setzen im Jestetter Wald Lockstöcke für Wildkatzen. | Bild: Ralf Göhrig

In der vergangenen Woche haben Mitarbeiter der Forstlichen Versuchsanstalt Freiburg (FVA) zusammen mit den Förstern aus Dettighofen und Jestetten insgesamt 24 Lockstöcke repräsentativ im Wald verteilt und mit Baldrian besprüht, was die Katzen anlocken soll. Pro Quadratkilometer Wald wurden drei Lockstöcke gesetzt. "Jetzt, in der Ranzzeit, bestehen gute Aussichten, dass eine Wildkatze von den duftenden Stöcken angelockt wird", sagte Henriette Tripke von der FVA.

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Wöchentlich bis in den April werden die Holzstöcke nun von einem Mitarbeiter der FVA aufgesucht und nach Haaren abgesucht. Sollte eine, am rauen Holzstock sich reibende Katze dort ihre Haare verlieren, könnte der Nachweis erbracht werden. "Allerdings suchen auch Hauskatzen und sogar Baummarder diese Stöcke auf, weshalb die gefundenen Haare in unserem Labor genetisch untersucht werden, um zu wissen, wer sich am Stock gerieben hat", gab die Biologin zu wissen. Sollten tatsächlich Wildkatzenhaare gefunden werden, will die FVA mit Hilfe von Wildkameras einen weiteren Nachweis erbringen.

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Bislang ist davon auszugehen, dass es sich bei den Wildkatzen am Hochrhein um Einzelexemplare handelt. Doch das inzwischen flächendeckende Vorkommen im Elsass und am gesamten Oberrhein und darüber hinaus von Basel bis ins Aargau zeugt von einer deutlichen Ausbreitungstendenz, und es ist vermutlich lediglich eine Frage der Zeit, bis die Wildkatzen eine dauerhafte Heimat im östlichen Klettgau gefunden haben.