Der im deutschen Grenzgebiet bekannte und geschätzte Schweizer Veterinär Martin Küng hat seine drei Tierarztpraxen und die Pferdezucht im Kanton Schaffhausen aufgegeben, um seine Töchter zu trainieren, die im Profitennis Fuß gefasst haben. Martin Küng hatte vor 14 Jahren in der Jestetter Nachbargemeinde Beringen den Aussiedlerhof "Hägliloo" gekauft, der idyllisch am Weg zum Siblinger Randenhaus liegt. Den Hof benötigte er damals für die Rehabilitation von verletzten Pferden und für die Pferdezucht mit rund 40 Tieren. Für den Bauernsohn ging damit ein Traum in Erfüllung.

Heute hat er allerdings die Tierarztpraxen verkauft und ist nur noch als mobiler Tierarzt unterwegs, auch in den deutschen Grenzgemeinden. Auf dem Hof mit 15 Hektar Land und vier Hektar Wald betreibt er eine Pferdepension mit zehn Pferden und 20 Ponys. Die Familie Küng besitzt nur noch eine Zuchtstute. Die Wohnungen der früheren Mitarbeiter sind vermietet. Martin Küng kümmert sich in erster Linie um seine Töchter Leonie und Lisa, die den Weg ins Profi-Tennis eingeschlagen haben. Im Januar ist Leonie Küng als 16-Jährige Schweizer U18 Indoor Tennismeisterin geworden, nachdem sie bereits ein Jahr zuvor das erste U18 Turnier auf internationaler Ebene gewonnen hatte. In der Schweiz ist Leonie Küng die Nummer 1 in ihrem Jahrgang und 23. in der Frauenrangliste. Momentan wird sie als 796. der Weltrangliste geführt.

Ihre 14-jährige Schwester Lisa ist in Ihrem Jahrgang Vize-Schweizermeisterin in der Halle und hat ebenfalls den Weg in eine internationale Tenniskarriere eingeschlagen. Nachdem die amerikanische IMG Tennisakademie Leonie Küng im Jahr 2011 ein volles Stipendium versprochen hatte, kaufte die Familie Küng in Florida ein Haus und Angelika Küng lebte mit ihren Töchtern drei Winterhalbjahre in den USA. In jener Zeit hatte auch die damals neunjährige Lisa mit dem Tennis begonnen. Am Morgen ging es in die Schule und am Nachmittag wurde Tennis gespielt.

Der Tierarzt und Pferdezüchter Martin Küng pendelte zwischen der Schweiz und den USA. "Zweimal hätten wir den Hof fast verkauft, alles war unterschriftenbereit", so Martin Küng. Die IMG-Tennisakademie war allerdings eine Enttäuschung. "Typisch amerikanisch, die versprechen dir den Himmel, bis du bezahlt hast", schimpft Küng. Vor drei Jahren haben die Küngs das Haus in Florida verkauft und sind wieder in die Schweiz zurückgekehrt. "Seither machen wir alles selbst und es läuft", sagt Martin Küng. Er mietet sich in Tennishallen ein und trainiert seine Töchter täglich drei bis vier Stunden. Die Küng-Schwestern sind auch immer wieder in der Tennishalle in Tiengen anzutreffen, wo sie gern gesehene Sparringspartner sind.

Martin Küng hat selbst nie Tennis gespielt und diesen Sport autodidaktisch gelernt. Für das Management ist Angelika Küng zuständig. Die Familie setzt auf den Menschenverstand, den sie auch als Pferdezüchter brauchte. "Kinder sind wie junge Pferde", sagt Angelika Küng. Reiten sei für ihre Mädchen nie ein Thema gewesen. "Das was man hat, will man nicht, und das was man will, das hat man nicht", merkt Lisa Küng an, die im März mit ihrer Schwester in der Türkei Turniere spielt, um das Ranking zu verbessern.