In der vergangene Woche wurde eine dünne Akte aus dem Jahr 1846 im Jestetter Gemeindearchiv eingelagert. Dabei handelt es sich um das "Tagbuch Waldfrevel", ein vierseitiges Stück Papier, das insgesamt zwölf Frevler aufführt.

Dabei ging es um den Verkauf von Gabholz, was lange Zeit einen Frevel, also eine Straftat darstellte. Holz war in jenen Tagen ein sehr rares und teueres Gut, da Kochen und Heizen fast ausschließlich durch Brennholz erfolgte. Jeder Jestetter Bürger hatte jedoch das Anrecht auf ein gewisses Quantum Brennholz aus dem Gemeindewald, das so genannte Gabholz, das es bis heute in manchen Gemeinden des Landkreises gibt. Der Gemeindewald entstammte dem Allmendwald, also dem Wald aus Gemeinschaftsbesitz, der später in das Eigentum der Gemeinde überging.

Allerdings behielten die ehemaligen Nutzer ein Nutzungsrecht, das jedoch nicht veräußerbar war. Wer Gabholz dennoch weiter verkaufte – und sich dabei erwischen ließ – musste mit einer empfindlichen Strafe rechnen. Im Prinzip gilt dieses Verbot noch heute, doch der Arm des Gesetzes greift heute weniger weit, als vor rund 170 Jahren.

Interessant an diesem Tagbuch sind die Familiennamen der Waldfrevler. Von den zwölf Straftätern hießen alleine acht "Sigg" mit Nachnamen, was wiederum darauf hinweist, dass das Geschlecht der Sigg in Jestetten im 19. Jahrhundert sehr dominant war. Noch heute können Träger des Namens zweifelsfrei als Jestetter "Ureinwohner" identifiziert werden. Wessen Vorfahren allerdings diesen Frevel begingen, lassen wir an dieser Stelle besser unbeantwortet.