Beim Abschlusskonzert der Abendsingwoche in der Jestetter Pfarrkirche Sankt Benedikt waren auffallend viele Besucher von auswärts zu Gast. Der 83-köpfige Chor brachten sehr ein- und ausdrucksvoll geistliche und weltliche Lieder zu Gehör. Nachdem die 57 Frauen und 26 Männer mit Zulu-Gesängen getrennt die Bühne betraten, begann die musikalische Sommerreise mit der Schwedischen Hymne „Sommarpsalm“.

Der gemischte Chor mit drei Generationen aus zwei Ländern füllte das Kirchenschiff schnell mit gewaltigem Stimmvolumen. Ein erster Höhepunkt war das Vilja-Lied, ein Auszug aus Franz Lehárs Operette „Die lustige Witwe“. „Die Brüche, Unterschiede und Stile der einzelnen Sätze könnten unterschiedlicher nicht sein“, bemerkte der Chorleiter Ernst Buscagne und wollte damit verdeutlichen, welche Herausforderungen die Chormitglieder angenommen hatten.

"Die Brüche, Unterschiede und Stile der einzelnen Sätze könnten unterschiedlicher nicht sein" Chorleiter Ernst Buscagne
"Die Brüche, Unterschiede und Stile der einzelnen Sätze könnten unterschiedlicher nicht sein" Chorleiter Ernst Buscagne | Bild: Thomas Güntert

Felix Mendelssohns geistliche Komposition „Hör mein Bitten“, bei dem sich Drama, Theater und ein schwebender Schlussteil vereinen, bezeichnete Buscagne als "Meisterstück des größten Komponisten aller Zeiten". Bei „Summertime“, der bekanntesten Arie von George Gershwines Oper „Porgy and Bess“ trat eine 16-köpfige weibliche Sologruppe aus den Reihen hervor und bildete mit einem dreistimmigen Chorsatz den Gegenpart zum großen Chor. Die Stimmbildnerin Dorothee Kurmann glänzte dabei als Solistin.

Dorothee Kurmann, die neue Stimmbildnerin bei der Abendsingwoche glänzte beim Abschlusskonzert auch als Solistin.
Dorothee Kurmann, die neue Stimmbildnerin bei der Abendsingwoche glänzte beim Abschlusskonzert auch als Solistin. | Bild: Thomas Güntert

Elvira Döring-Kaier saß am Schlagzeug und Buscagnes Assistentin Claudia Roth war die Pianobegleiterin, wenn sie nicht selbst dirigierte. Als der Chor das Lied des Einsiedler Komponisten Artur Beul „Am Himmel stoht es Stärnli“ in Schweizer Mundart vortrug, wussten alle, dass man auf der musikalischen Sommerreise wieder in der Heimat angekommen war. Das Lied wurde mit derart viel Gefühl vorgetragen, dass es manchen Zuhörern vor lauter Rührung ein paar Tränchen in die Augen trieb. Verabschiedet haben sich die Sänger nach eineinhalb Stunden allerdings mit dem Segenslied Indodana aus der Heimat des südafrikanischen Chorleiters.

Das begeisterte Publikum verdankte den musikalische Genuss mit lang anhaltenden stehenden Ovationen, ehe die Chormitglieder den Abend bei einem Umtrunk zusammen mit den Besuchern im Pfarrsaal ausklingen ließen und gesellig miteinander ins Gespräch kamen.

Rund 400 Besucher bedankten sich mit stehenden Ovationen für das wundervolle Abschlusskonzert der Jestetter Abendsingwoche.
Rund 400 Besucher bedankten sich mit stehenden Ovationen für das wundervolle Abschlusskonzert der Jestetter Abendsingwoche. | Bild: Thomas Güntert

Für den Berufsmusiker Jan Zacek von der Nacker Klangscheune war es sehr inspirierend, wie authentisch Ernst Buscagne die Musik aus seiner Heimat rüberbrachte. „Es war so, als wäre man selbst in Südafrika“, bemerkte Zacek.

Die Lottstetter Chorlegende Max Henes, der die Abendsingwoche vor acht Jahren zusammen mit Ernst Raffelsberger, dem Chorleiter vom Opernhaus Zürich, ins Leben rief, bemerkte, das die Bandbreite der Abendsingwoche breiter geworden ist. Ernst Buscagne hatte im Jahr 2012 die musikalische Leitung übernommen, weil Raffelsberger im Sommer bei den Salzburger Festspielen engagiert ist.

Bei der Auswahl der Musikstücke ist er nicht mehr auf die klassische Musik fixiert und es kann jeder an der Abendsingwoche teilnehmen, der einmal in einem großen Chor unter professioneller Leitung anspruchsvolle Literatur singen will. Früher war das Chormusikprojekt Chorleitern und erfahrenen Chormusikern mit guten Blattlesekenntnissen vorenthalten.

Henes war besonders erfreut, dass mit Konstantin Moser, Marco Rehm und der erst 14-jährigen Sofia Fridell drei Nachwuchssänger vom Lottstetter Jugendchor „The Voices“ mit dabei waren. „Das war super, es hat mir unheimlich viel Spaß gemacht, und das nächste Mal bin ich hundertprozentig wieder dabei“, schwärmte Sofia Fridell.

Die 57 Frauenstimmen waren im Chor in der Überzahl. Links im Bild Sofia Fridell, die mit 14 Jahren die jüngste Sängerin war.
Die 57 Frauenstimmen waren im Chor in der Überzahl. Links im Bild Sofia Fridell, die mit 14 Jahren die jüngste Sängerin war. | Bild: Thomas Güntert