Jestetten – Es braucht noch weitere geologische Untersuchungen der potentiellen Atomendlagerstätten und es dauert voraussichtlich noch bis zum Jahr 2060, bis ein schweizerisches Atomendlager in Betrieb gehen kann. Weitere Erkenntnisse gab es bei der Veranstaltung "Mittendrin und nichts zu sagen" der Bürgerinitiative Hochrhein Aktiv am vergangenen Wochenende nicht, obwohl mit Markus Fritschi (Nagra), Simone Brander (Bundesamt für Energie) und dem Geologen Marcos Buser kompetente Referenten den Weg in die Jestetter Gemeindehalle gefunden hatten. Dennoch war der Erkenntnisgewinn nur gering und die Vortragenden repetierten ihre altbekannten Positionen.

Markus Fritschi erläuterte nochmals den Zeitplan der Endlagersuche und erklärte, weshalb die beiden Standorte Zürich Nordost (Benken) und Jura Ost (Bözberg) im Fokus der Nagra stehen. Er wies die Vorwürfe zurück, dass der Standort Benken von Anfang an festgestanden hätte, denn die Nagra habe insgesamt sechs Standorte in der Schweiz untersucht. "Wir müssen Sicherheit für eine Million Jahre garantieren und das geht in 700 Metern Tiefe im Opalinuston", stellte Fritschi fest.

Jestettens Bürgermeisterin Ira Sattler äußerte sich abermals zu den seismischen Untersuchungen auf Jestetter Gemeindegebiet. "Wir wollen Sicherheit, aber wir wollen auch Ernst genommen werden", mahnte die Bürgermeisterin und forderte eine bessere Beteiligung der Gemeinde Jestetten am Verfahren. Eine Lösung, die von allen getragen wird, forderte Simone Brander vom BFE. Sie versicherte, dass die Stellungnahmen der Regionalkonferenzen (Vertreter der betroffenen Gemeinden) geprüft würden und in die Bewertung einflössen.

Der Zürcher Geologe Marcos Buser sah das ganze Unterfangen kritisch. Dabei machte er einen Fehler, den ein Wissenschaftler nicht machen sollte: Er zog die Glaubwürdigkeit des Verfahrens in Zweifel und äußerte mehr persönliche Meinung anstatt Fakten. Immerhin bleibt allen im Saal der Permokarbontrog sicherlich im Gedächtnis haften. Einen solchen Trog mit Sedimenten der Erdzeitalter Karbon und Perm vermutet Buser unter dem Zürcher Weinland. Und das würde ein Atomendlager ausschließen. Bislang gibt es jedoch keinen Hinweis auf einen Permokarbontrog.

Etwas enttäuschend war das Interesse an der Veranstaltung und junge Menschen fehlten (fast) komplett. "Die Mehrheit der Bevölkerung beschwert sich erst, wenn die Bagger anrollen", sagte hierzu Ira Sattler. Ein Teilnehmer, der nicht genannt werden wollte, meinte: "Mir ist lieber, die Schweizer bauen das Endlager in Benken, als die Deutschen würden es in Dettighofen bauen."