Ein Schulbus, der eine Vollbremsung macht und Schüler, die sich im Bus krampfhaft festklammern, um nicht zu stürzen und nicht nach vorn an die Frontscheibe zu donnern. Diese Szene spielte sich kürzlich in Jestetten an der Realschule ab. Allerdings war dies aber keine unfallträchtige Situation, sondern Bestandteil des sogenannten Busfahrtrainings, das mit allen Fünftklässlern der Realschule Jestetten durchgespielt wurde. Dieses Training fand im Rahmen der landesweiten Verkehrssicherheitsaktion „Gib Acht im Verkehr“ statt.

Ratschläge vom Fachmann: Polizist Jürgen Spill erklärt den Kindern, wie sie sich an der Haltestelle und im Bus verhalten sollen.
Ratschläge vom Fachmann: Polizist Jürgen Spill erklärt den Kindern, wie sie sich an der Haltestelle und im Bus verhalten sollen. | Bild: Peter Haußmann

Um den jungen Fahrgästen die „Bus fahren – aber richtig“ genannte Aktion näher zu bringen, war die Polizei ins Schulhaus gekommen. Bei einem einstündigen Theorieteil haben die Waldshuter Verkehrspolizisten Spill und Kaiser die Schüler über die besonderen Gefahrensituationen beim Busfahren aufgeklärt. Inhalte dieser Schulstunde waren die Verkehrsregeln, das korrekte Verhalten im Bus, die Gefahren des Drängelns oder auch Sachbeschädigungen. Nachdem die Schüler für diese Themen sensibilisiert worden waren, ging es auf die Straße vor dem Schulgebäude. Dort wurden fahrpraktische Demonstrationen gezeigt und Übungen im und am Bus ausgeführt.

Üben am und im realen Bus

Dazu war Busunternehmer Andreas Griesser mit seinem 18 Tonnen schweren Omnibus gekommen. Er demonstrierte mit seinem riesigen Fahrzeug eindrücklich, wie weit ein Bus beim An- und Wegfahren an einer Haltestelle mit dem Heck ausschwenkt. Den Schülern wurde damit bewusst gemacht, wie wichtig ein ausreichender Sicherheitsabstand zur Straße und zur Bushaltestelle ist. Um einen Eindruck davon zu bekommen, welche Bereiche rings um einen solch großen Bus der Fahrer tatsächlich einsehen kann oder eben auch nicht, durften alle Fünftklässler auf dem Fahrersitz Platz nehmen und den sogenannten toten Winkel „erfahren“.

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Andreas Griesser informierte über die zulässige Anzahl an Sitz- und Stehplätzen, erklärte den Unterschied zwischen dem Reisebus- und dem Linienbusverkehr, zeigte die Festhaltemöglichkeiten und Sicherheitseinrichtungen in seinem Bus, wie etwa den Nothammer, und mahnte die notwendige Ordnung an. So gehören Schultaschen und Rucksäcke unter den Sitz oder zwischen die Beine gestellt, da diese im Gang ein großes Gefahrenpotenzial darstellten.

Eindrücklich war für die interessierten Fünftklässler, wie viel mehr Zeit das Einsteigen in den Bus kostet, wenn man drängelt, anstatt sich geordnet in einer Reihe anzustellen und einzusteigen. Polizist Kaiser stellte sich mutig zur Verfügung, um zu zeigen, dass das Einquetschen in eine Bustür unmöglich ist. Sensoren nahmen wahr, dass er in der Tür steht, die Tür öffnete sich sofort wieder und er konnte unverletzt aussteigen.

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Am beeindruckendsten für alle Fünftklässler und deren Lehrer waren die Brems-Demonstrationen, bei denen der Bus von lediglich rund fünf bis zehn Kilometer pro Stunde bis zum völligen Stillstand abgebremst wurde. Die im Bus sitzenden oder auch stehenden Schüler spürten schon bei dieser geringen Geschwindigkeit die enormen Kräfte, die beim Bremsen frei werden. Sie verstanden nun, wieso es so wichtig ist, sich stets gut festzuhalten oder auch, dass man an einer Bushaltestelle oder entlang der Straße nicht herumtollen oder gar Mitschüler schubsen sollte, sodass ein Fahrzeug gezwungen wäre, abrupt zu bremsen.

Diese jeweils zwei Schulstunden pro Klasse waren für die Schüler überaus lehrreich. Sie wissen nun um das korrekte Verhalten an der Bushaltestelle und im Bus, dem Verkehrsmittel Nummer 1 auf deren Schulweg. Dieses Busfahrtraining ist mittlerweile zum festen Bestandteil in allen fünften Klassen der Realschule Jestetten geworden.

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