„In den letzten zehn Jahren konnten wir über 40.000 Euro direkt an Hilfsbedürftige im Jestetter Zipfel verteilen“, sagte Günther Vollmer. Als er vor zehn Jahren in den Pfarrgemeinderat der katholischen Seelsorgeeinheit Jestetten gewählt wurde, gründete er zusammen mit Lioba Bernhard, Antonie Kempf, Angelika Hämmerle, Dagmar Güntert und Luise Sigg einen speziellen Caritas Ausschuss. Von der jährlichen Caritassammlung muss die Seelsorgeeinheit zwei Drittel der Spenden an das Erzbistum Freiburg weiterleiten und darf ein Drittel selbst an Bedürftige verteilen.

Da in der Bevölkerung befürchtet werde, dass bei vielen Hilfsaktionen ein großer Teil des Geldes in der Verwaltung hängen bleibt und die Spendenbereitschaft im Jestetter Zipfel groß sei, wurde der Caritas Spendentopf ins Leben gerufen. Regelmäßig berät der Ausschuss über die Fälle. Vollmer bekommt auf dem Jestetter Rathaus als stellvertretender Rechnungsamtsleiter schnell mit, wenn etwa jemandem der Strom abgeschaltet wird, weil er sich in einer finanziellen Notlage befindet.

Mitbürger geben Hinweise

Der Kontakt zu den Hilfsbedürftigen kommt jedoch überwiegend über Hinweise von Mitbürgern zustande, die die Not von Bekannten mitbekommen. Bei den Pfarrsekretärinnen Dagmar Güntert und Angelika Hämmerle laufen die Fäden zusammen und sie stellen die Spendenbescheinigungen aus. Zuvor segnet Pfarrer Richard Dressel die Vorschläge ab. „Wir haben die volle Unterstützung vom Pfarrer, der noch nie einen Vorschlag von uns infrage gestellt hat“, sagte Vollmer, und, dass die Zuwendungen nicht konfessionsabhängig sind.

Es gibt auch Sachspenden

Die Seelsorgeeinheit hat im Pfarrbüro auch ein kleines Lager mit haltbaren Lebensmitteln und Körperpflegeprodukten angelegt, die an den Dosensonntagen gesammelt werden. „Es kommen auch immer wieder Leute auf das Pfarramt, die etwas vorbeibringen“, sagte Dagmar Güntert. Vollmer merkte an, dass es auch im Jestetter Zipfel immer mehr versteckte Armut gibt und dass sich die Menschen schämen, obwohl sie oft nichts dafür können. Im ersten Moment ist es ihnen peinlich. Wenn sie erfahren, dass sie mit nicht alleine sind und nicht alleine gelassen werden, verwandelt sich die Scham in Dankbarkeit. „Es sind schon oft Tränen geflossen“, sagte Vollmer.