Momentan mag der Zuzug von Migranten oder Flüchtlingen zwar gebremst sein, die Jestetter Gemeinschaftsunterkunft ist mit mehr als 60 Personen aber noch immer voll belegt. „Unsere Bewohner kommen aus zehn verschiedenen Ländern“, sagte Horst Weible, Leiter des Jestetter Helferkreises im Gespräch mit dieser Zeitung. Trotz aller Nöte der Menschen weiß er auch von etlichen Erfolgsgeschichten zu berichten.

Neun iranische Christen haben ihren Weg zur evangelischen Markusgemeinde in Jestetten gefunden.
Neun iranische Christen haben ihren Weg zur evangelischen Markusgemeinde in Jestetten gefunden. | Bild: Ralf Göhrig

So fanden neun christliche Iraner, die in ihrer Heimat verfolgt wurden, den Weg zur evangelischen Markusgemeinde, wurden dort im vergangenen Jahr getauft und mit Kourosh Moradi kandidiert einer von ihnen aktuell für den Kirchengemeinderat. Außerdem hat der gelernte Schlachter eine Anstellung in seinem Beruf bei einem Jestetter Supermarkt gefunden – obwohl im Dienstleistungsbereich Sprachkenntnisse von zentraler Bedeutung sind.

Wie er und seine Frau, die eine Wohnung im Ortskern beziehen konnten, sind etliche Migranten auf einem guten Weg, in der neuen Heimat Fuß zu fassen. „Der Schlüssel hierzu ist der Erwerb der deutschen Sprache“, erklärte Weible und bedauert, dass die Sprachkurse des Landratsamts beendet wurden. Allerdings bietet der Helferkreis zweimal in der Woche nachmittags Sprachunterricht für Erwachsene an. „Für Kinder, die die Grundschule besuchen, organisieren wir eine Hausaufgabenbetreuung“, fügte Weible an. Ein gerade beendetes Projekt ist die neue Grillstelle unweit der Gemeinschaftsunterkunft. Von großer Bedeutung ist der Mittwoch-Abend-Treff, wo sich die Bewohner der Unterkunft im Aufenthaltsraum treffen, um Kontakte zu pflegen oder von ihren Sorgen zu berichten.

Das könnte Sie auch interessieren

„An jedem zweiten Samstag im Monat ist die Kleiderkammer geöffnet“, erklärt der Leiter des Helferkreises. Dort können die Migranten für kleine Beträge (50 Cent bis 2 Euro) gebrauchte Kleidung kaufen. Ein großes Problem sieht der Helferkreis im Mangel an Arbeitsplätzen in der Grenzregion auf deutscher Seite. „Wünschenswert wäre, dass noch mehr Betriebe den Geflüchteten eine Chance geben, denn ohne Arbeit ist Integration nicht möglich“, konstatierte Weible. Die Aufgaben für den Helferkreis sind in den vergangenen vier Jahren umfangreicher geworden. Während es seinerzeit darum ging, den Menschen Sicherheit zu gewähren, sind es jetzt aktive Integrationsmaßnahmen, wobei die Wohnungs- und Jobsuche an erster Stelle stehen.