14 Bürger kommen in Jestetten heute noch in den Genuss der Gabholznutzung. Ein Begriff, der heute den meisten Menschen nicht mehr bekannt sein dürfte. Was steckt hinter diesem alten Bürgerrecht? Der Bürgernutzen geht in die keltische und germanische Zeit zurück. Damals gab es in den Dörfern den Gemeinbesitz an Teilen des Waldes, der Äcker, Wiesen und Wasserflächen, die Allmende, was in etwa Allgemeinheit bedeutet.

Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts war die gemeinschaftliche Nutzung von Wald und Wiesen in weiten Teilen des Landes üblich. Im 19. Jahrhundert begannen die Gemeinden, den Bürgern Feldflächen und Brennholz, den so genannten Bürgernutzen, zuzuteilen. Der gemeinsame Wald war zum Gemeindewald geworden, die Bürger behielten jedoch weiterhin ihre Nutzungsrechte. Das Recht an Brenn- und Nutzholz war in einer Zeit von enormer Holzarmut ein großes Privileg. Der Verkauf von solchem Gabholz war bei empfindlicher Strafe verboten.

In Altenburg wurde das Recht auf Gabholz nach den Sturmereignissen von 1928 von der Gemeinde abgeschafft. In Jestetten hingegen blieb der Bürgernutzen weiter bestehen. Allerdings mit stark rückläufiger Tendenz. 1937 verloren 132 Besitzer ihre Anteile an den Wiesen im See, die vom Staat in Ackerland umgewandelt wurden. Mit dem Wandel der bäuerlichen zu einer modernen Gesellschaft gaben immer mehr Jestetter ihre Anteile in der Löhr zurück. Schließlich beschloss eine Nutzbürgerversammlung im Jahr 1968 die Aufhebung des Bürgernutzens. Die Vergabe von Gabholz sollte allerdings erhalten bleiben. Neuberechtigungen sollte es jedoch nicht mehr geben.