Jestetten – An der einzigen Tankstelle im Jestetter Zipfel wurde den Kunden ein besonderer Service geboten. Die Jestetter Bürgermeisterin Ira Sattler und ihre Amtskollegin aus Dettighofen, Marion Frei, wie auch der Lottstetter Bürgermeister Jürgen Link machten Tankdienst und putzten zudem noch die Autoscheiben. „Tankwart war früher ein Lehrberuf“, klärte Jürgen Link die zahlreichen Schaulistigen auf. Den Ursprung hatte die Aktion am Rosenmontag beim närrischen Jestetter Mehlsuppenessen, als die drei Gemeindeoberhäupter vom „Hochgrobgünstigen Jestetter Narrengericht“ zum gemeinnützigen Dienst verurteilt wurden.

Der Stein des Anstoßes war der Jestetter Kreisel am westlichen Ortseingang, wo in der Weihnachtszeit seltsam geschmückte Christbäume aufgestellt wurden, die längst nicht allen Einwohner gefielen. Obszöne Gummipuppen sorgten in der Fasnachtszeit für weiteren Aufruhr. Da Marion Frei bei der Durchfahrt durch den Kreisverkehr ebenso wegschaute, wie ihr Amtskollege Jürgen Link, wurden sie wie die Urheberin Ira Sattler für schuldig gesprochen und zum Tankdienst verdonnert. Zudem mussten sie den Schaulustigen 50 Liter Bier bezahlen. Vermisst wurden die Zeugen Kurt Signer, von zwielichtiger Herkunft, und der Kreiselmotzer von den Bergen, „Bob“ Glattfelder, die ebenfalls zu dem Frondienst verurteilt wurden. Kurt Signer beschränkte sich auf's Zuschauen und Markus Glattfelder glänzte durch Abwesenheit, obwohl am Samstagmorgen reger Betrieb an der Jestetter Tankstelle war.

Viele Tankkunden kamen aus der Schweiz, größtenteils aus dem Kanton Zürich, wo der Sprit erheblich teurer ist als im Kanton Schaffhausen. Aus dem Schaffhauser Kanton kamen lediglich ein paar Dieselfahrzeuge. Dafür hat der Narrenverein Jestetten alles aufgeboten, was Räder und einen Tank hatte – vom Einachser bis zum Feuerwehrauto war alles dabei. „Die drei haben es voll drauf“, sagte Martin Enderli aus Rheinau. Er war schon beim Mehlsuppenessen dabei und hat aus den Medien von dieser Aktion erfahren. So ist er beim samstäglichen Tanken auch noch in den Genuss von einer Wurst und einem Bier gekommen.

„Man glaubt gar nicht, wie ein Overall schlank machen kann“, sagte Jochen Singer, als er Jürgen Link in seinem Blaumann betrachtete. Seine Amtskolleginnen Ira Sattler und Marion Frei kamen in blauen Latzhosen und Schildmütze. Unter den Tankkunden war auch der Lottstetter Gemeinderat Herbert Kübler, der sich von seinem Gemeindeoberhaupt die Autoscheiben putzen ließ, damit er auch künftig den vollen Durchblick haben möge. Der Mehlsuppenkasper Henry Brückel schaute den Bürgermeistern über die Schultern, ob gewissenhaft und zügig geschafft wurde. Auf Trinkgeld haben die Bürgermeister großzügig verzichtet, obwohl ein Schweizer Kunde zehn Franken geben wollte. Mit dem Narrengruß „Hoorig, hoorig isch die Chatz“, endete die offizielle Aktion, die nahtlos in den gemütlichen Teil überging.

„Die Zeit ist vergangen wie im Flug“, bemerkte Ira Sattler und fügte hinzu, dass man bei einer solchen Tätigkeit im Gegensatz zur Bürgermeisterarbeit sofort ein Ergebnis sehe. „Wenn man fertig ist, ist man fertig und hat keine Rücklagen“, betonte Marion Frei. Jürgen Link fand es interessant, wie auch an der Tankstelle die Zusammenarbeit mit seinen Amtskolleginnen reibungslos geklappt hat. Nachdem das Freibier der Bürgermeister ausgegangen war, sorgte der Narrenverein Jestetten für die Bewirtung und die drei von der Tankstelle sollen nach getaner Arbeit noch lange zusammen gesessen haben.