Bislang wurde der Pflicht zur Verkehrssicherung entlang öffentlicher Straßen und Bebauung von vielen Waldbesitzern allenfalls halbherzig nachgekommen. Mit Bernd Bottler und seinem Team FLL (Forschungsgesellschaft Landschaftsentwickung und Landschaftsbau)-zertifizierter Baumkontrolleure hat das Kreisforstamt jetzt erstmals ein Angebot geschaffen, das privaten und öffentlichen Waldbesitzern die Möglichkeit eröffnet, die entsprechenden Waldgebiete fachgerecht überprüfen und dies auch dokumentieren zu lassen.

Bernd Bottler (55) ist Funktionsbeamter für Verkehrssicherheit des Waldes an öffentlichen Straßen im Landkreis.
Bernd Bottler (55) ist Funktionsbeamter für Verkehrssicherheit des Waldes an öffentlichen Straßen im Landkreis. | Bild: Ralf Göhrig

Waldeigentümer sind nach geltender Rechtslage dazu verpflichtet, Schäden aus ihrem Wald abzuwehren. „Dies gilt für alle Fälle, in denen es erkennbare Anzeichen gibt, dass ein Baum nicht mehr stand- oder bruchfest, also nicht mehr verkehrssicher ist“, sagte Bernd Bottler im Gespräch mit dieser Zeitung. „Im Schadensfall wird ein Gutachter prüfen, ob das Ereignis vorhersehbar war“, erklärt der 55-Jährige weiter und gibt zu bedenken, dass es sich bei einem Personenschaden sogar um eine Straftat handelt, wenn ein Waldbesitzer seiner Kontrollpflicht nicht nachgekommen ist.

Angebot des Kreisforstamtes

Zahlreiche Gemeinden haben bereits das Angebot des Kreisforstamtes angenommen und lassen sich in Zukunft die neuralgischen Waldabschnitte von den, speziell hierzu ausgebildeten Fachleuten überprüfen. Das bisherige Verfahren der Baumkontrolle war nicht rechtssicher, wie das Kreisforstamt mitteilte. Und die Revierleiter konnten und können, aufgrund der hohen Arbeitsbelastung diese Aufgabe nicht auch noch stemmen.

Alte Bäume im Expertenblick

In der vergangenen Woche waren Einsatzleiter Bernd Bottler und sein Team, die Forstwirte Peter Morath und Marc Fischer nach Jestetten gekommen, um in einem Eichenwäldchen nördlich des Wohngebietes Dankholz/Kirchenäcker die Standfestigkeit der alten Bäume zu prüfen. Dies geschah nach der VTA (Visual Tree Assessment)-Methode. Hierbei hat sich eine Zwei-Mann-Kontrolle als sehr effektiv erwiesen, denn die Bäume können von beiden Seiten überprüft werden, ohne dass man um diese ständig herumlaufen muss.

Eichen und Linden können nach Aussage der Experten sehr alt werden und auch gut mit Pilzen, Kronenbrüchen oder sonstigen Schäden umgehen und diese auch überleben. „Kritisch ist es insbesondere bei Birken oder auch Kastanien“, gab Bottler zu wissen. „Diese Baumarten sind bei Anzeichen von Fäule kaum zu retten und müssen gefällt werden.“

„Auf dem neuestem Stand der Technik“

Bernd Bottler (55) ist Einsatzleiter des neuen Verkehrssicherheitsteams des Kreisforstamtes. Was es damit auf sich hat, verrät er im Gespräch.

Herr Bottler, warum gibt es jetzt ein Team für Verkehrssicherheit beim Kreisforstamt?

Bislang wurde diese Aufgabe von den Waldbesitzern mehr schlecht als recht erledigt, was insbesondere an der Arbeitsüberlastung der Revierleiter lag. Nun wurde ein Team von Spezialisten geschaffen, die die Revierleiter entlasten können.

Haben die Revierförster nicht das Gefühl, ein Stück ihres Kuchens abgeben zu müssen?

Im Gegenteil. Sie können sich jetzt ganz der eigentlichen Revierleiterarbeit widmen und durch klugen Waldbau klimastabile Wälder auf den Weg bringen.

Was zeichnet die Arbeit des Verkehrssicherheitsteams aus?

Wir sind zertifiziert und auf dem neuesten Stand der Technik. Wichtig ist unsere Dokumentation, denn hiermit kann ein Waldbesitzer im Schadensfall rechtssicher belegen, dass dieses Unglück nicht vorhersehbarer war.

Wer kann von Ihrer Arbeit profitieren?

Wir arbeiten im Kommunal-, Kirchen- und Privatwald, wenn der Waldbesitzer das möchte.

Fragen: Ralf Göhrig