Einen Arbeitstermin als Startschuss zu einem Pilotprojekt gab es in Ibach mit einem Felsrad, das den Graben für das zukünftige Backbonenetz in die Straße fräsen soll. Andreas Nauroth, federführend bei der Backboneplanung des Landkreises, will alle Möglichkeiten zur Erleichterung der Arbeiten an der flächendeckenden Breitbandversorgung ausschöpfen. Deshalb wurde nun im Vorgriff der europaweiten Ausschreibungen im Rahmen der Sanierung der Kreisstraße in Ibach dieses Pilotprojekt gestartet.

Bislang war das Felsrad lediglich im Gelände auf rund 400 Metern über dem Meeresspiegel im Einsatz, nun wird es unter erschwerten Bedingungen auf knapp 1000 Metern über Meereshöhe getestet. Ein Teilstück des zukünftigen Backbonenetzes des Landkreises verläuft genau in der Kreisstraße zwischen Ober- und Unteribach, die in diesem Jahr zur Sanierung ansteht. „Es wäre ein wahrer Schildbürgerstreich gewesen, hätten wir diese Chance nicht nutzen können, um gleichzeitig mit den Straßenbaumaßnahmen die Trassenverlegung zu bewerkstelligen“, erklärt Ibachs Bürgermeister Helmut Kaiser. Zumal aus Sicherheitsgründen das Glasfaserrohr nicht am Fahrbahnrand, sondern etwa im Bereich von einem Drittel der Fahrbahnbreite verlegt werden soll, um die Belastung für das Rohr möglichst gering zu halten.

Die Firma Steinbrunner aus Hohentengen hat vor 20 Jahren etliche Kanalbauarbeiten in der Gemeinde Dachsberg ausgeführt. Der Graben, den diese Firma mit ihrer Fräsmaschine nun begonnen hat, vom Ibacher Rathaus in Richtung Kirche voranzutreiben, ist 15 Zentimeter breit und 45 Zentimeter tief. Andreas Nauroth schätzt, dass sie rund 300 Meter pro Tag schaffen kann. Wobei es spannend bleibe, wie sie vorankomme, wo der Unterbau der Straße nicht genau bekannt sei.

Regierungsdirektor Walter Scheifele vom Amt für Ordnung, Verkehr und Kommunalangelegenheiten beim Landratsamt Waldshut und Geschäftsführer des acht Gemeinden umfassenden Zweckverbandes Breitband, erläuterte die Sonderstellung dieses Pilotprojekts gegenüber der europaweiten Ausschreibung des Backbonenetzes des Landkreises. Dieses bezeichnete er als „digitale Lebensversicherung für den ländlichen Raum“. Scheifele sprach die Hoffnung aus, dass bis in zehn Jahren jeder Haushalt an das schnelle Internet angeschlossen ist, und betonte, dass die Gemeinden noch mehr als der Kreis auf Landesmittel angewiesen seien, um diese nachhaltige Aufgabe zu meistern.

CDU-Landtagsmitglied Felix Schreiner hob hervor, es sei der ausdrückliche Wille des zuständigen Ministers Thomas Strobl, jeden Schwarzwaldhof mit dem schnellen Internet zu versorgen. Von den etwa 300 Millionen Euro, die für das ganze Land eingeplant seien, könne der Landkreis Waldshut die Spitzenförderung von rund 40 Millionen Euro für sich verbuchen. Dies zeige ganz deutlich, dass für die Landesregierung die Menschen hier vor Ort nicht weniger wichtig seien als die in den Ballungsräumen. Lobenswert sei es, wie früh der Landkreis Waldshut mit seinen Gemeinden die Hausaufgaben in Sachen Breitband gemacht und die entsprechenden Anträge gestellt habe.

„Wir stellen uns gern als Pilottester zur Verfügung, um in Sachen Breitbandausbau voranzukommen“, sagte Bürgermeister Kaiser. Die Dienstleister vor Ort seien ebenso dringend auf schnelles Internet angewiesen wie die Landwirte, die ihre Anträge bearbeiten müssten. Angesichts der stetig wachsenden Homeoffice-Arbeitswelt kämen junge Leute nach der Ausbildung nur dann in den ländlichen Raum zurück, wenn die Bedingungen dafür gegeben seien. Scheifele ergänzte, dass bei Bauplatzverkauf oder Wohnungssuche in Zukunft die erste Frage nach der Qualität der Internetverbindung sei.