Eng und dunkel, so ist der Kuhstall von früher in Erinnerung. Das traf auch auf den Sutterhof zu. Der alte Anbindestall ist inzwischen aber nur noch Schauobjekt. Immer dann, wenn Kinder den Sutterhof, der auch Lernort Bauernhof ist, besuchen.

Oberhalb Lienheims am Ortsrand steht seit 2011 ein modernes und weiträumiges Stallgebäude. 14 Milchkühe zogen seinerzeit in den neuen Stall um, der von Anfang an mit digitaler Technik ausgestattet wurde. „Das war eine große Investition“, meint Franz Sutter. Selbst ein Glasfaseranschluss und WLAN sind im Kuhstall, damit die Datenübertragung verlässlich funktioniert. „Der Melkroboter war damals noch nicht so weit verbreitet“, erinnert sich Sutter.

Moderne Technik vereinfacht die alten Abläufe

Mittlerweile stehen 50 Milchkühe im Stall, die sich frei bewegen können. Jede von ihnen trägt am Halsband den sogenannten Transponder, ein Funk-Kommunikationsgerät mit Identifikationsnummer, über die der Melkroboter die jeweilige Kuh identifiziert, und die beim Melkvorgang erfassten Daten immer richtig zuordnen kann. Zum Beispiel, ob es für die Kuh überhaupt schon an der Zeit ist, wieder gemolken zu werden. Wenn ja, gibt‘s eine Portion Kraftfutter, die das Tier im Melkroboter erhält.

Der Melker mit Schemel war einmal: Eine Kuh steht hier im Melkroboter auf dem Sutterhof in Lienheim.
Der Melker mit Schemel war einmal: Eine Kuh steht hier im Melkroboter auf dem Sutterhof in Lienheim. | Bild: Sutterhof

Drei bis vier Mal am Tag, also etwa alle sechs bis acht Stunden, geht die Kuh in den Melkroboter. Ist die Kuh überfällig, wird das registriert, und die Sutters können nachsehen, ob das Tier vielleicht krank ist oder sonst ein Problem hat. Steht die Kuh hingegen erst einmal im Roboter, werden die Melkbecher automatisch mittels Sensoren an das Euter der Kuh angeschlossen. Während des Melkens erfolgt eine umfangreiche Datenerfassung: Der Roboter prüft, ob die Milch in Ordnung ist, erfasst Milchmenge, Inhaltsstoffe ebenso wie die Milchtemperatur. Durch den Abgleich mit den bereits vorhandenen Daten, fällt jede Abweichung sofort ins Auge, und Krankheiten können sehr früh erkannt werden. „Wir können dann schneller handeln“, meint Franz Sutter.

Alle Daten sind digital zugänglich – auch per App auf Handy und Tablet

Zehn bis zwölf Liter Milch gibt eine Kuh pro Melkvorgang, also bis zu 30 bis 40 Liter am Tag. Jeder Melkvorgang dauert etwa acht bis neun Minuten. Auf jeden Melkvorgang hin folgt eine Zitzendesinfektion und -pflege sowie eine gründliche Hygienereinigung. Familie Sutter kann sämtliche Daten auf dem PC und per App auf Handy und Tablet abrufen. Aus den erfassten Daten ist außerdem der Zyklusstand jeder Kuh abzulesen, also ob sie brünstig ist. Und sollte sie trächtig sein, auch der Tag, an dem sie kalben sollte. Rückt der Geburtstermin näher, wird die Kuh in einer videoüberwachten Box separiert, so dass Familie Sutter jederzeit per Handy einen Blick in die Box werfen kann. Zwei weitere Kameras im Stall dienen ebenfalls der Tierüberwachung.

Per App ruft Anna Sutter die Daten für die Kuh ab.
Per App ruft Anna Sutter die Daten für die Kuh ab. | Bild: Sutterhof

Smarte Technologien geben Rückschlüsse auf die Gesundheit der Tiere

Der Transponder am Halsband trägt nicht nur die Identifikationsnummer des Tieres, sondern zählt auch dessen Schritte, so dass sich die jeweiligen Bewegungsmuster ablesen lassen. Auch die Kaubewegungen werden erfasst. Deren Anzahl zeigt an, ob die Kuh „normal“ wiederkäut und erlaubt auch Rückschlüsse auf das Futter. Moderne Technik hat im Kuhstall den Schubkarren abgelöst. Früher wurde der Mist von Hand geschaufelt, heute fährt im Sutterhof alle drei Stunden ein Schieber durch den Mistgang. „Die Tiere stehen trocken und haben weniger Probleme mit den Klauen. Sie sind gut zu Fuß“, sagt Anna Sutter.

Im digitalen Kuhstall der Familie Sutter: Jedes Tier trägt ein Halsband mit dem sogenannten Transponder, einem Funk-Kommunikationsgerät.
Im digitalen Kuhstall der Familie Sutter: Jedes Tier trägt ein Halsband mit dem sogenannten Transponder, einem Funk-Kommunikationsgerät. | Bild: Sutterhof

Zu den Vorteilen eines digitalen Kuhstalls weiß Sutter: „Die Arbeit mit Kühen ist intensiv. Durch den Einsatz digitaler Technik ist die Arbeit physisch leichter, man kann flexibler agieren.“ Auch den Tieren selbst kommt die neue Technik zugute. Anna Sutter betont: „Die Kühe können sich individuell verhalten und zum Beispiel fressen, saufen, laufen, liegen und bürsten, wann sie wollen. Das heißt, es ist mehr Zeit vorhanden, sich um die einzelnen Tiere zu kümmern.“

Bei aller digitaler Technik ist das Tier bei den Sutters dennoch keine bloße Nummer: „Jede Kuh hat einen Namen. Jedes ist ein Individuum“, betont Anna Sutter.

Weitere Infos www.sutterhof.de

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