Was ein Schreiner, Elektriker oder Heizungsinstallateur macht, das erschließt sich den meisten. Doch was macht heute eigentlich ein Polsterer und Sattler in seiner Werkstatt? Auf jeden Fall ist es ein sehr individueller und vielfältiger Beruf – für Lukas Bernauer von der Design Möbelmanufaktur & Raumgestaltung aus Lienheim sogar der Traumberuf.

Im großen Werkstattgebäude der Sattlerei- und Polsterei in der Weberstraße stehen ein schicker Austin-Oldtimer und ein Audi – bereit, um einen neuen „Himmel“ im Innenraum zu erhalten. Die Außentreppe führt zum Ausstellungraum, der Handlauf ist aus Leder: dem Material, das Lukas Bernauer schon immer begeistert hat. „Ich wollte beruflich gerne etwas Spezielles machen, hatte Interesse an Autos und deren Innenausstattung. So kam es zu meiner Ausbildung als Fahrzeugsattler. Mittlerweile fasziniert mich das Handwerk an sich, das Naturprodukt Leder, das immer wieder anders ist.“

Für die passgenauen Bezüge wird vorab eine präzise Schablone angefertig, damit Leder oder Stoff nachher richtig sitzen.
Für die passgenauen Bezüge wird vorab eine präzise Schablone angefertig, damit Leder oder Stoff nachher richtig sitzen. | Bild: Sabine Gems-Thoma

Bei Robin Engel, Bernauers frisch gebackenem Autosattler-Geselle, war die Berufswahl eher Zufall. Als seine Eltern bei Lukas Bernauer einen Oldtimer auffrischen ließen, hatte ihn das Handwerk interessiert. Nach einem Praktikum konnte er die Lehre starten.

Bei Lukas Bernauer kam nach seiner Ausbildung als Autosattler immer stärker das Interesse an Möbeln dazu. 2015 eröffnete er nach der Meisterprüfung die eigene Sattlerei und Polsterei. Neben der Ausstattung verschiedenster Fahrzeuge wuchs die Möbel-Sparte. „Mir macht es viel Spaß, wenn wir alte Designer-Stücke restaurieren oder eigene Kreationen nach Kundenwünschen entwerfen und realisieren.“ Vor allem Sessel, Couchs, Sofalandschaften aufs Maß gefertigt sind nachgefragt. Hier arbeitet Bernauer mit Schreiner- und Metallbaubetrieben zusammen.

Große Vielfalt

Beim Rundgang durch die Werkstatt wird klar, warum die Bernauer und Engel den Beruf so spannend finden: Eine von einem Kunden angefertigte Hartschale für einen bequemeren Motorradsitz wartet auf die Polsterung; der Bezug für einen Sessel mit kontrastierenden Lederabschnitten ist fast fertig; ein verblichenes altes Erbstück liegt aufgetrennt für die Leder-Erneuerung bereit. „Jeder Tag bringt etwas anders, jedes Stück neue Herausforderungen. Es macht Spaß, die richtigen Kniffe und Tricks zu finden, damit alles passt“, ist sich das Duo einig.

Saubere Nähte, in verschiedensten Variationen und Farben, geben die individuelle Prägung. Da braucht Geselle Robin Engel eine ruhige Hand.
Saubere Nähte, in verschiedensten Variationen und Farben, geben die individuelle Prägung. Da braucht Geselle Robin Engel eine ruhige Hand. | Bild: Sabine Gems-Thoma

Bernauer und Engel sind gute Teamplayer. Das sollte man sein, in diesem Beruf. „Damit man gemeinsam Lösungen entwickelt“, sagt Lukas Bernauer, der gerne wieder einen Lehrling ausbilden würde. Feinmotorische Geschicklichkeit und technisches Verständnis sind Voraussetzungen. Und wer gerne kreativ ist und eigene Ideen einbringt, dem bietet dieser Beruf Perspektiven.

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