Eine rätselhafte Werbetafel, verwandelte Schaufenster und Hämmern aus einem Gewölbekeller kündigen die erste Hochrhein Triennale an. An 18 Standorten in Hohentengen und Kaiserstuhl kann in den nächsten sechs Wochen, von Samstag, 24. Juli, bis Sonntag, 5. September, unter dem Titel „besser leben“ die erste Hochrhein Triennale miterlebt werden. Sie verspricht Kunst im öffentlichen Raum, vielfältig, neu, zum Schauen und Mitmachen.

Im Gewölbekeller gegenüber dem Gasthaus „Löwen“ steht Alain Jenzer und schaut mit dem Künstlerduo Michael Meier und Christoph Franz gespannt auf ein Laptop. Ein Trompetenspieler ist zu sehen und zu hören, das grob behauene Instrument ruht auf dem Kellerboden. Jenzer, zusammen mit dem ebenfalls in Bern lebenden Franz Krähenbühl künstlerischer Leiter der Triennale, wurde von Mechthild Wagner aus Hohentengen und Daniel Hertli aus Kaiserstuhl angefragt, wie sich anlässlich des 20-jährigen Bestehens des grenzüberschreitenden Skulpturenwegs ein neuer künstlerischer Impuls setzen lässt. Mehrfach besuchten die Beiden die Region und fanden viele spannende Themen.

Kontraste: Das Profane einer Werbetafel, wie sie an amerkanischen Straßenrändern stehen, und die romantische Botschaft der Lyrik aus dem 17. Jahrhundert: Was das Künstlerduo „Haus am Gern“ zu dieser Installation an der Hauptstraße in Hohentengen bewogen hat, ist in der kostenlos ausliegenden Publikation zu erfahren.
Kontraste: Das Profane einer Werbetafel, wie sie an amerkanischen Straßenrändern stehen, und die romantische Botschaft der Lyrik aus dem 17. Jahrhundert: Was das Künstlerduo „Haus am Gern“ zu dieser Installation an der Hauptstraße in Hohentengen bewogen hat, ist in der kostenlos ausliegenden Publikation zu erfahren. | Bild: Sabine Gems-Thoma

Eines davon: das Mobilitätsverhalten. „Die Hochrhein Triennale verstehen wir auch als Labor, um Themen, die die Gesellschaft bewegen, mit Mitteln der Kunst zu beleuchten.“ Die Kunst habe sich in den vergangenen 20 Jahren sehr verändert. Daher sind jetzt nicht Bilder oder Skulpturen zu sehen, vielmehr werden die Besucher zu Plätzen, Häusern, Kellern und Gassen geführt, wo Aktionen stattfinden, Installationen zu erleben sind und Videoarbeiten Themen vertieft beleuchten.

Im Rahmen der sechswöchigen Hochrhein Triennale lädt in der Woche von 24. bis 31. Juli die Aargauer Künstlerin Paloma Ayala zusammen mit Freunden zum Nachtessen am Grubenofen, Meditationen und Sound Installationen beim Blockhuus im Auenweg ein. Im Zelt auf dem Rathausplatz ist Gelegenheit, mit Marinka Limat ins Gespräch zu kommen.
Im Rahmen der sechswöchigen Hochrhein Triennale lädt in der Woche von 24. bis 31. Juli die Aargauer Künstlerin Paloma Ayala zusammen mit Freunden zum Nachtessen am Grubenofen, Meditationen und Sound Installationen beim Blockhuus im Auenweg ein. Im Zelt auf dem Rathausplatz ist Gelegenheit, mit Marinka Limat ins Gespräch zu kommen. | Bild: Sabine Gems-Thoma

In den vergangenen zwei Jahren waren neun der Künstler in der Region unterwegs, um im Austausch mit der Bevölkerung mehr über die Orte, ihr Verbindendes und Trennendes, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu erfahren, und diese interdisziplinär mit künstlerischen Mitteln zu reflektieren. „Es sind temporäre Projekte. Da werden Dinge machbar, die sonst nicht möglich sind“, erläutert Jenzer den künstlerischen Ansatz. So könnte etwa das fahrbare Holzhaus von Pfelder, das abwechselnd bei der Pension Hartenstein in Hohentengen und dem Spittel in Kaiserstuhl steht und für eine Nacht gebucht werden kann, nicht auf Dauer installiert werden.

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Was bleibt dann von diesem besonderen Kunstprojekt? „Es bleiben Erinnerungen an die Begegnung mit der Kunst, an spannende Gespräche – und es bleibt eine Art Gemeinschaftsgefühl, da die Hochrhein Triennale von vielen Menschen aus der Region mitgetragen wird“, erläutert Jenzer. Beide Kuratoren haben viel Erfahrung mit Kunst im öffentlichen Raum, bislang in größeren Städten. Dass es auch auf dem Lande machbar, die Unterstützung groß ist und die Leute offen sind, freut ihn sehr. „Es ist ein Experiment, braucht Vertrauen von allen, die sich einbringen“, sagt Jenzer.

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Was er sich wünscht? „Die Kunst braucht die Menschen, hier ganz besonders. Wir hoffen, dass die Leute, die an der Triennale mitgemacht, sie unterstützt und besucht haben, etwas mitnehmen und sie Spuren hinterlässt. Und dass durch die Begegnungen mit dieser Form von zeitgenössischer Kunst Neugierde geweckt wurde.“ Die Kuratoren, und sicher viele mit ihnen, sind gespannt auf die nächsten sechs Wochen.