An einem Fluss zu wohnen hat seine Reize. Spaziergänge am Ufer mit Blick auf das Wasser, entspanntes Angeln, mit dem Boot über das Wasser gleiten, ein erfrischendes Bad nehmen. Letzteres wagen die meisten nur im Sommer. Einer, der sich im ganzen Jahr über ein Bad im Rhein freut, ist Konrad Richter aus Hohentengen.

Den ganzen Rhein für sich: Konrad Richter ist Ganzjahresbader und genießt das Schwimmen im Rhein auch bei derzeit 6,2 Grad Wassertemperatur.
Den ganzen Rhein für sich: Konrad Richter ist Ganzjahresbader und genießt das Schwimmen im Rhein auch bei derzeit 6,2 Grad Wassertemperatur. | Bild: privat/Ruth Michel Richter

Was bewegt einen Menschen bei sieben Grad Wassertemperatur im Rhein baden zu gehen? „Hm“, überlegt der 66-Jährige. „Ich würde mich als Genussschwimmer bezeichnen. Das Wasser ist jetzt unglaublich klar und weich, riecht gut und es ist ein sehr sinnlicher Genuss, den ganzen Fluss für sich zu haben; Tiere zu sehen, die sich sonst nicht beobachten lassen, wenn viel auf dem Wasser los ist“, schwärmt er. Bei diesen Temperaturen schützen ihn ein Halb-Neoprenanzug, Taucherschuhe und -handschuhe. Ab zwölf Grad Wassertemperatur geht es auch ohne. „Und ich gehe nur bei wenig Wind, angenehmem Wetter und mäßiger Strömung im Rhein schwimmen.“

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Nach seinem Umzug in Rheinnähe 1993 macht er das regelmäßig und hat seine Schwimmsaison stetig ausgeweitet, 2019 erstmals auf das ganze Jahr. Zwei bis dreimal die Woche begibt sich Richter ins kalte Nass. „Fünf bis acht Grad sollte das Wasser aber schon haben. 12 bis 15 Minuten bin ich dann drin. Es tut meinen Gelenken gut und verschafft mir ein körperliches Wohlsein.“

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Wenn es draußen sehr kalt ist, zieht Richter Schal und Mütze an. Immer dabei ist seine Schwimmnudel, die festgeknotet hinter ihm her schwimmt. „Falls es mal einen Krampf geben sollte, kann ich mich daran festhalten. Ohne eine Schwimmhilfe wäre es fahrlässig.“

Seit zwei Jahren führt Konrad Richter Buch, wann er bei welchem Wetter Schwimmen war. Über 180 Mal war es in 2019, wenn es heiß ist, auch zweimal täglich. Das letzte Mal am 31. Dezember. In den Jahren zuvor war am Nikolaustag Schluss mit der Badesaison.

Richters Schwimmstrecken sind unterschiedlich lang: Die kurze geht von der Einstiegstreppe beim Schwimmbad bis unterhalb seines Hauses in der Rheinhalde; für die mittlere ist Start beim Bach im östlichen Hohentengen, für die lange an der Skulptur „Rote“ beim Landbach in Herdern. Und wenn er viel Zeit hat, geht es gut 100 Meter unterhalb des Kraftwerks los. Zwischen 12 und 45 Minuten ist er unterwegs, je nach Strömung mal mehr, mal weniger schnell.

Voller Respekt

Wie reagieren Spaziergänger, die ihn im Winter baden sehen? „Sie lachen oder winken, manche sagen „Respekt“. Konrad Richter bevorzugt keine Jahreszeit: „Das Schöne ist eigentlich der Wechsel der Jahreszeiten und mit ihm die Veränderungen von Ufer, Wasser, Tierwelt, Farben.“ Würde er dieses Hobby auch anderen empfehlen? „Sehr“, kommt die Antwort sofort mit großer Überzeugung. Allerdings wird er wohl eher wenige Nachahmer finden.