Wer in Lienheim durch die Rheinstraße fährt, dem ist es bestimmt schon ins Auge gefallen – das Maskenhaus von Gilles B. Mangeon. Dorthin ist der bekannte Maskenbauer mit seinen magisch-mystischen Köpfen und fantasievollen Kostümen umgezogen. Vor dem ehemaligen Werkstattschuppen am östlichen Ortsausgang bietet sich immer wieder eine neue Kulisse, mal grüßt ein Eisbär, mal Pippi Langstrumpf, mal baumeln freche Kürbisköpfe oder es blinken Eiszapfen.

Bei Guggenmusiken, Kostüm- und Fantasygruppen und auch Theaterleuten hat der aus Tiengen stammende Künstler einen guten Namen. In der Tiengener Altstadt hatte er seine Werkstatt, viele kamen vorbei auf ein Schwätzchen oder um ihm zuzuschauen, wie die schaurig-schönen Masken entstehen. Eine schöne Zeit, festgehalten in seinem „Gassenbuch“. Aber es zog ihn immer mehr von der Stadt aufs Land, erzählt er.

Konzentration erfordert die Herstellung der Tonform, jedes Haar des Bärenpelzes sitzt. Nach der Entwicklung der Idee und einer Skizze geht es an die Umsetzung. Mittels Silikon- und Kunstharzschichten entsteht nach und nach die harte Maske. In Airbrush-Technik wird sie bemalt, die Feinheiten werden aufgepinselt.
Konzentration erfordert die Herstellung der Tonform, jedes Haar des Bärenpelzes sitzt. Nach der Entwicklung der Idee und einer Skizze geht es an die Umsetzung. Mittels Silikon- und Kunstharzschichten entsteht nach und nach die harte Maske. In Airbrush-Technik wird sie bemalt, die Feinheiten werden aufgepinselt. | Bild: Sabine Gems-Thoma

Dass er auf der Suche nach einer Werkstatt in Lienheim fündig wurde, war Zufall. Hier sei es ruhiger, Landschaft und Rhein herrlich und er könne sich besser auf seine Arbeit konzentrieren. Masken baut er seit mehr als 20 Jahren. Vor vier Jahren hat sich der gelernte Restaurator selbstständig gemacht. Die Aufträge wurden immer mehr und er wollte sich ganz seiner Leidenschaft, Masken und die dazugehörigen Kostüme zu kreieren und die Menschen zu faszinieren, widmen.

Die Musik

Der Weg dahin führte über die Guggenmusik. Als Dirigent feierte er Erfolge, unter anderem mit den Mühlbach Bazis. „Ich wollte die Leute begeistern.“ Dann wurde es ruhiger bei ihm mit der Musik und er beschäftigte sich mehr und mehr mit Masken und Kostümen. Und er erschafft sie nicht nur. Mit seiner Fantasy-Gruppe Camelion besucht er große Fasnachts- und Kostümveranstaltungen im In- und Ausland und traute sich schließlich auch nach Venedig.

Überall, wo Gilles Mangeon mit seiner Pippi auftritt, sind die Kinder begeistert. Die Augenschlitze des Maskenträgers sind immer gut versteckt, hier unter Pippis Pony. Die Kostüme entstehen aus alten Stoffen, Spitzendecken, Jutesäcken und was sich sonst noch findet.
Überall, wo Gilles Mangeon mit seiner Pippi auftritt, sind die Kinder begeistert. Die Augenschlitze des Maskenträgers sind immer gut versteckt, hier unter Pippis Pony. Die Kostüme entstehen aus alten Stoffen, Spitzendecken, Jutesäcken und was sich sonst noch findet. | Bild: Sabine Gems-Thoma

„Etwas mulmig war mir schon, aber ich war auch neugierig, wie die Leute auf unsere andere Art der Maskerade reagieren.“ Dass ihre Kostümierungen so gut ankamen, sie immer wieder eingeladen wurden und er dieses Jahr zusammen mit seinem Freund Patrick mit dem Sonderpreis für die fantasievollste Maskerade ausgezeichnet wurde, das macht ihn stolz.

Schaurig schön, fast zum Verlieben: Hexenkopf und nussige Gnome. Die Ideen gehen Gilles Mangeon nicht aus. Was unter seinen Händen entsteht, lässt staunen.
Schaurig schön, fast zum Verlieben: Hexenkopf und nussige Gnome. Die Ideen gehen Gilles Mangeon nicht aus. Was unter seinen Händen entsteht, lässt staunen. | Bild: Sabine Gems-Thoma

Wie fühlt man sich in Kostüm und Maske? „Man lacht den ganzen Tag. Durch die Sehschlitze sieht man die Leute staunen, wie sie fasziniert sind, lachen, ihre Reaktionen – das macht Riesenspaß.“ Und auch zu erleben, welche Energie die Menschen in ihre eigene Maskerade stecken.

Schrotty wurde für das Steampunk Festival in Lincoln/Großbritannien, kreiert. Hier treffen sich Fans dieser besonderen Maskerade. Immer sind Maschinenteile in die Kostüme mit eingebaut, hier unter anderem Teile eines alten VW-Käfers.
Schrotty wurde für das Steampunk Festival in Lincoln/Großbritannien, kreiert. Hier treffen sich Fans dieser besonderen Maskerade. Immer sind Maschinenteile in die Kostüme mit eingebaut, hier unter anderem Teile eines alten VW-Käfers. | Bild: Sabine Gems-Thoma

Wer sich in der Werkstatt umschaut, kann die Faszination verstehen: Hier blicken den Betrachter Zwerge, Gnome, Feen und Magier, Vogelscheuche, Geier und Krähe, Kürbis und Sphinx, Hexen, Teufel und Geister an, detailreich, fantasievoll, ausdrucksstark gestaltet.

Ein Hingucker: Gilles Mangeon vor seinem neuen Maskenhaus, das er in einer ehemaligen Werkstatt am östlichen Ortsausgang von Lienheim eingerichtet hat. Alte Möbel, frische Blumen, Schlitten und Kutsche, ausgediente Instrumente, Maskenköpfe- immer wieder gibt es Neues vor seiner Werkstatt zu entdecken.
Ein Hingucker: Gilles Mangeon vor seinem neuen Maskenhaus, das er in einer ehemaligen Werkstatt am östlichen Ortsausgang von Lienheim eingerichtet hat. Alte Möbel, frische Blumen, Schlitten und Kutsche, ausgediente Instrumente, Maskenköpfe- immer wieder gibt es Neues vor seiner Werkstatt zu entdecken. | Bild: Sabine Gems-Thoma

„Normalerweise wäre ich jetzt proppenvoll mit Arbeit, aber Corona hat alles verhagelt, alle sind in der Warteschleife.“ Ihm fehlen ohne Fasnachts- und Festivalveranstaltungen die Aufträge. Er weiß noch nicht, wie es weitergeht. Nächstes Jahr will er sich entscheiden, ob er doch wieder in seinen Beruf zurückkehrt. Aber in Lienheim möchte er gerne bleiben und sucht in der Gemeinde ein kleines Häuschen. Für das Frühjahr hat er schon ein- bis mehrtägige Kurse geplant für Menschen, die ihre eigene Maske herstellen möchten.

Ein Blick in das Maskenhaus lohnt sich, überall gibt es etwas zu entdecken: Magier, Gnome, Hexen, Punks und vieles mehr. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Ein Blick in das Maskenhaus lohnt sich, überall gibt es etwas zu entdecken: Magier, Gnome, Hexen, Punks und vieles mehr. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. | Bild: Sabine Gems-Thoma

Hat er eine Lieblingsmaske? „Immer die, die ich gerade mache“, sagt er und lacht. „Sich mit dem Thema, der Figur, ihrer Form, dem passenden Kostüm auseinanderzusetzen, darauf freue ich mich immer sehr“, schwärmt er. Und: „Mir muss die Figur gefallen und ich muss das Gefühl haben, sie kann begeistern. Dann stimmt‘s und ich bin zufrieden.“ Dass die Figuren begeistern, daran gibt es keinen Zweifel, wenn der Blick durch die schaurig-schöne, mystische Welt der Maskerade schweift.