Während andernorts Dorfwirtschaften aussterben, hat in Günzgen das Gasthaus „Kapelleneck“ wieder eröffnet. Trotz der für Gastwirte nicht einfachen Zeiten setzt Katharina Hübner, geborene Schäuble, die Familientradition, die 1892 begann, nach neun jähriger Pause fort und erfüllt sich damit einen Herzenswunsch.

Neben der Kapelle in Günzgen steht das Gast- und Wohnhaus der Familie Schäuble. Das „Wirte-Gen“ scheint in der Familie zu liegen, reicht doch die Tradition fast 130 Jahre zurück. 1892 wurde die erste Genehmigung für den Betrieb einer Schankwirtschaft mit Branntweinausschank erteilt. Mehr als 40 Jahre führte Augusta Schäuble, die Großmutter von Katharina Hübner, bis 1978 das Gasthaus „Eintracht“.

Mitte der 1980er Jahre ergriff Sohn Heinz Schäuble zusammen mit seiner Ehefrau Erika die Initiative. Sie bauten Gast- und Wohnhaus umfassend um und eröffneten 1988 das Gasthaus „Kapelleneck“, das sie mit viel Freude über 21 Jahre bis zum Pensionsalter führten. Tochter Anja übernahm bis 2011 das Gasthaus, dann ruhte der Betrieb.

Das Familienleben spielte sich vielfach in der Gastwirtschaft ab, hier wuchsen ihre vier Kinder auf und packten mit an. Für die jüngste Tochter Katharina (32) war eigentlich schon immer klar: Sie möchte das Gasthaus einmal übernehmen. „Für mich war es ein Kindheitstraum, die Wirtschaft einmal zu führen. Das Gesellige, der Umgang mit Menschen, die vielen lustigen und herzlichen Momente, das hat mir gefallen.“ Erst einmal absolvierte sie jedoch eine Ausbildung als Reiseverkehrskauffrau. Mittlerweile ist sie verheiratet, hat einen Sohn; ihr Ehemann Willy Hübner (35) unterstützt sie neben seiner Berufstätigkeit.

Hätte Katharina Hübner im Februar gewusst, wie sich das „Wirtschaftsleben“ durch Corona entwickelt, hätte sie ein Jahr gewartet. So war aber schon alles in die Wege geleitet. Die Auflagen umzusetzen, sei sehr aufwendig gewesen. Jetzt ist es geschafft und die Wirtin und ihre Mitarbeiter hoch motiviert, die Gäste zur Zufriedenheit zu bewirten. In der Küche kocht Simon Würtenberger aus Küssnach, das Fleisch kommt vom Hofladen seines Onkels. Ihm hilft am Wochenende Conny Griesser, beim Bedienen die Familie. Auch die Eltern wollen einspringen. Ihnen gefällt es sehr, dass es weitergeht mit dem Gasthaus.

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