2007 traten Sie ihre erste Pfarrstelle in der neu gegründeten Seelsorgeeinheit an. Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Eindruck?

Oh ja, von Anfang an habe ich mich heimisch und wohl gefühlt. Hier ist es wunderschön und die Rheinnähe war mir wichtig. Sehr eindrücklich war die Investitur durch Regionaldekan Karl Leib in meinem ersten Gottesdienst mit allen Gruppierungen der vier Pfarreien. Es war ein sehr schöner Tag.

Eine der großen Herausforderungen war sicher das Zusammenwachsen der vier Pfarreien. Ist das gelungen?

Ja, definitiv. Ich bin auf eine sehr gute Bereitschaft gestoßen, es voranbringen zu wollen, trotz Bedenken und Spannungen. Spannend war immer die Gottesdienst-Planung, das hat Zeit gekostet, aber es waren immer alle zufrieden.

Was waren besondere Erlebnisse, Ereignisse, was bleibt besonders in Erinnerung?

Ganz toll waren die Gottesdienste zum fünf- und zehnjährigen Bestehen der Seelsorgeeinheit mit allen Chören; in der Anfangszeit das Fest zur Fertigstellung der „Brücke“ in Rheinheim, die Beendigung der Innenrenovation der Kadelburger Kirche mit Altarweihung durch Erzbischof Stephan Burger, sowie Ende Mai der Abschluss der Innenrenovation der Lienheimer Kirche. Es gab auch traurige Seiten, die Beerdigung junger Menschen, das sind besondere Momente, die man nicht vergisst. Ich hatte hier ein tolles Umfeld, um in das Amt eines Pfarrers hineinzuwachsen und viel zu lernen, hatte Freiheiten und Unterstützung. Und ich nehme das positive Gefühl mit, dass trotz aller Unterschiede ein Zusammenwachsen funktionieren kann.

In Ihre Zeit fallen umfangreiche Renovationen nahezu aller Kirchen. War da noch genug Zeit für die Ihnen wichtige seelsorgerische Arbeit?

Dafür blieb Zeit, auch weil die Zusammenarbeit mit Stiftungsrat und Verwaltungsbeauftragte es sehr erleichtert haben. Seelsorge ist immer auch etwas enttäuschend, weil es nie gelingen kann für alle immer da zu sein. Ich glaube, es ist mir trotzdem gelungen, wenn die Not am größten war, präsent zu sein.

Ihr Pfarrstellen-Wechsel nach zwölf Jahren war zwar abzusehen, kam aber jetzt doch sehr überraschend. Gibt es etwas, was Sie noch gerne zu Ende geführt hätten?

Mein Ziel war die komplette Außenrenovation der Kirche in Hohentengen und das 500-jährige Jubiläum im nächsten Jahr als Pfarrer mitzuerleben. Ich habe bereits vorgearbeitet und die Zusage, dass der Erzbischof kommen wird und die Außenrenovation nahtlos weitergeht. Als Gast werde ich gerne dabei sein.

Am 20. Oktober findet der letzte der vier Abschiedsgottesdienste statt. Wie geht es dann weiter für Sie, für die Seelsorgeeinheit?

Mit Ablauf des 20. Oktobers bin ich nicht mehr Pfarrer hier, bereits zwei Tage später beginnt der Umzug Richtung Konstanz-Petershausen, wo ich weiterhin in einer vita communis mit Pfarrer Mitzkus leben werde. Nach einer fünfwöchigen qualifizierten Auszeit mit Kur und Klosteraufenthalt werde ich zum ersten Advent meinen ersten Gottesdienst in der Seelsorgeeinheit Wollmatingen-Allensbach halten. Einen offiziellen Nachfolger gibt es leider noch nicht, aber die seelsorgerische Betreuung wird mit dem jungen indischen Pater Anoop, der drei Jahre in Radolfzell tätig war, weitergehen.

Fragen: Sabine Gems-Thoma

Zur Person

Pfarrer Marcus Maria Gut (53) wurde 2002 zum Priester geweiht und trat nach seiner Vikariatszeit am 2. Dezember 2007 seine erste Pfarrstelle in der neuen Seelsorgeeinheit St. Christophorus Küssaberg-Hohentengen an. Nach Abschiedsgottesdiensten in Lienheim und Rheinheim finden weitere am Samstag, 19. Oktober, 18 Uhr, in Kadelburg sowie am Sonntag, 20. Oktober, 10 Uhr, in Hohentengen statt mit anschließendem Aperó.