Das Projekt „Zukunft für Ritschow“ aus Albbruck hat in der Region längst einen großen Bekanntheitsgrad. Jedes Jahr lädt der Verein Kinder aus dem nach der Tschernobyl-Katastrophe verseuchten und wirtschaftlich sehr schwachen Gebiet zu einem Erholungsaufenthalt ein. Von Hedi Müller, der Vorsitzenden, haben Lena und Alexander Epple aus Hohentengen die Aufgabe übernommen, Gasteltern für den Aufenthalt vom 14. Juli bis 10. August zu organisieren – und die werden noch dringend gesucht. Die Kindererholung wird unterstützt durch das Stuttgarter Ministerium für Arbeit und Soziales.

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Alexander Epple (42), Projektleiter im IT-Bereich, stammt aus Hohentengen, seine Frau Lena (38), Bürokauffrau, ursprünglich aus Kasachstan, kam mit neun Jahren nach Ravensburg und lebt seit 2010 mit ihrem Mann und der gemeinsamen sechsjährigen Tochter in Hohentengen. Vor drei Jahren las sie in dieser Zeitung vom Verein „Zukunft für Ritschow“ und dessen Projekt, Kindern aus der Region Gomel Gastaufenthalte zu ermöglichen. „Ich wollte mich schon immer gerne sozial engagieren. Ein fremdes Kind bei sich aufzunehmen, um ihm einige Woche eine sorglose Zeit zu bieten, das fand ich eine schöne Sache und wollte es gerne unterstützen“, erzählt Lena Epple.

Epples sprangen schon im Vorjahr ein

Sie zögerte nicht lange, hat sie sich mit ihrer Familie besprochen und rief bei Hedi Müller an, um sich als Gasteltern zur Verfügung zu stellen. 2016 kamen Valentina (damals 16), die heute studiert, und Anna (9) zu ihnen. Zu den Beiden besteht bis heute eine regelmäßige Verbindung. Als Hedi Müller im letzten Jahr die Organisation der Gastaufenthalte aus persönlichen Gründen nicht übernehmen konnte, sprangen Epples ein. „Ich bin sehr dankbar, dass Hedi uns das Vertrauen geschenkt hat, es weiterzuführen“, sagt Lena Epple.

Gasteltern für Unterkunft und Verpflegung

Je mehr Gasteltern sich finden lassen, umso mehr Kindern kann ein Erholungsaufenthalt ermöglicht werden. Im Januar wurden frühere Gasteltern, Unterstützer und Freunde des Vereins angeschrieben und in Gemeindeblättern inseriert. Der Verein trägt die Kosten für die Busfahrt, die Gasteltern stellen Unterkunft und Verpflegung. Je zehn Kinder geht ein Betreuer mit auf die Reise, so dass auch vor Ort immer jemand als Ansprechpartner da ist. Die Verständigung klappt mit Händen, Füßen und Übersetzungs-App aber meist sehr gut, sagt Lena Epple, die im letzten Jahr selber nach Ritschow gereist ist. „In den Dörfern der Region sind die Menschen sehr arm. Hier können die Kinder einmal alle Sorgen vergessen. Die Kinder brauchen gar nicht viel, für sie ist schon ein Schwimmbadbesuch ein tolles Erlebnis.“ Über den Verein werden verschiedene Freizeitaktivitäten angeboten und auch die wichtigen Arzt- und Zahnarzttermine wahrgenommen.

Was sollten Gasteltern mitbringen?

„Offen sein für eine neue Kultur, mehr braucht es eigentlich gar nicht“, sagt Lena Epple. „Ich sehe, wie die Kinder hier aufblühen, offener werden, einmal unbeschwert Kind sein dürfen“. Und hofft, dass sich bis zum 30. April noch weitere Gasteltern melden. Anfang Juni ist ein Vorabtreffen für alle Gasteltern geplant, um über alles Wichtige zu informieren.