Stammten die Geschosshülsen aus einer Panzerfaust, einem Granatwerfer oder irgendeiner anderen Militärwaffe? Das war unklar, fest stand jedoch, dass manche Leute im Südosten von Hohentengen vor 25 Jahren gefährlich lebten. Am 19. Mai 1993 wurde erneut ein Projektil auf dem Gebiet der deutschen Gemeinde gefunden, das von Militärschießübungen in der Kiesgrube im benachbarten schweizerischen Weiach stammte.

Schießübungsplatz für Militärreservisten

In der alten Kiesgrube von Weiach, nicht einmal einen halben Kilometer Luftlinie von der deutschen Gemeinde Hohentengen diesseits des Rheins entfernt, übten damals eidgenössische Militärreservisten das Schießen. Da ratterten Maschinengewehre und krachten Abschüsse mit der Panzerfaust, dass auf der deutschen Seite die Scheiben klirrten. Doch nicht nur der Lärm war störend. Schätzungsweise fünfmal war es bis 1993 vorgekommen, dass verirrte Geschosshülsen ohne Sprengsatz, also nicht scharfe Übungsmunition, in Hohentengen aufschlugen. Schriftlicher Protest der Gemeinde fruchtete nichts.

Eine weiteres Projektil wurde am 19. Mai 1993 gefunden. Ein Handwerker entdeckte es im Bereich unterhalb des heutigen Aldi-Markts auf einer Pferdekoppel, einen Meter neben dem Zaun zu dem damaligen Spielplatz. Nicht bekannt war, wann das Geschoss einschlug und ob etwa zu diesem Zeitpunkt Kinder in der Nähe waren.

Hohentengens Bürgermeister Martin Benz äußerte damals keinen Zweifel an der Gefährlichkeit des Treibsatzes. „Wer dieses Ding abkriegt, ist tot“, meinte er. Der metallene Flugkörper vom Mai 1993 war so um die 30 Zentimeter lang, hatte einen Durchmesser von fünf Zentimeter und wog zwei bis zweieinhalb Kilogramm. Martin Benz erstattete Anzeige gegen Unbekannt und übergab das Geschoss zur Identifizierung an die Polizei.

Das nicht ungefährliche Treiben endete einige Zeit später mit dem Abzug des Militärs aus der Kiesgrube. Die ist inzwischen aufgefüllt und rekultiviert, während daneben die neue Grube zur Gewinnung von Kies angelegt wurde. Den Lärm der über Hohentengen in den Landeanflug nach Kloten gehenden Düsenjets haben die Leute aber noch immer.