Nur noch ein blauer Rand um das Spielgelände erinnert heute an die Zeit, als es im Hohentengener Ortsteil Herdern noch ein Schwimmbad gab. Mit einem großen Festakt wurde die offizielle Eröffnung am 23. Juli 1961 gefeiert. Die Anforderungen an die Technik stiegen allerdings im Laufe der Jahre, sodass die Gemeinde Hohentengen finanziell nicht mehr in der Lage war, die Sanierung und Aufrüstung für alle drei Gemeindeschwimmbäder zu finanzieren. 1992 kam dann das Aus für das beliebte Bad am Rheinufer.

Der Verein Fesh, Fanclub ehemaliges Schwimmbad Herdern, aktivierte nach der Zuschüttung des Bades das brachliegende Gelände, baute mit Unterstützung der Gemeinde ein Spielgelände auf und betrieb den Kiosk. Der Beckenrand des ehemaligen Bassins ins noch als blaue Linie zu erkennen.
Der Verein Fesh, Fanclub ehemaliges Schwimmbad Herdern, aktivierte nach der Zuschüttung des Bades das brachliegende Gelände, baute mit Unterstützung der Gemeinde ein Spielgelände auf und betrieb den Kiosk. Der Beckenrand des ehemaligen Bassins ins noch als blaue Linie zu erkennen. | Bild: Sabine Gems-Thoma

Dass es überhaupt dazu kam, dass eine kleine Gemeinde wie Hohentengen drei Schwimmbäder betreiben konnte, hatte man dem Wasserkraftwerksbau am Rhein in Reckingen zu verdanken. Durch die Aufstauung des Rheinwassers gingen nämlich viele Badeplätze verloren. In den Verhandlungen über die Konzessionierung wurde der Gemeinde ein Ersatz versprochen.

Drei Bäder als Ausgleich

So erhielt der Ortsteil Hohentengen im Jahr 1953/54 sein Schwimmbad, die Lienheimer bekamen ihres 1956. In Herdern wurde das Bad im Jahr 1960/61 erstellt, mit einem Kostenaufwand von gut 20 000 D-Mark für die sanitären Anlagen und 6300 D-Mark für den Grunderwerb. Die Bassins wurden jeweils vom Kraftwerksbetreiber finanziert. 1960 ging das bereits mit einer Dosier- und Umwälzanlage ausgestattete Bad in Betrieb, 1961 gab es dann eine große Eröffnungsfeier.

Einen Festumzug durch Herdern gab es bei der Badeinweihung, angeführt vom Musikverein Hohentengen.
Einen Festumzug durch Herdern gab es bei der Badeinweihung, angeführt vom Musikverein Hohentengen. | Bild: Gemeindearchiv

Einer, der damals mit dabei war, ist Peter Salomon. Zusammen mit dem inzwischen verstorbenen Zöllner Werner Wollensack trat der heute 84-Jährige als Komiker-Paar bei der Eröffnungsfeier auf. Bilder zeigen, dass es einen großen Festumzug durch das Dorf gab, angeführt vom Musikverein Hohentengen, der Gesangverein Frohsinn gab ein Ständchen zum Besten, die DLRG Tien­gen eine Einlage, Reden wurden gehalten, das Band zum Badeingang wurde feierlich von Bürgermeister Karl Berthold senior durchgeschnitten.

Der Auftritt des Komiker-Paars Peter Salomon (links) und Werner Wollensack. Gespannt wurde verfolgt, was sich die Beiden einfallen ließen.
Der Auftritt des Komiker-Paars Peter Salomon (links) und Werner Wollensack. Gespannt wurde verfolgt, was sich die Beiden einfallen ließen. | Bild: Gemeindearchiv/S. Gems-Thoma

Die Herderner Schüler unter der Leitung von Oberlehrer Reischmann glänzten mit Vorführungen, junge Frauen und Mädchen überreichten den Honoratioren Blumengebinde. Die heute noch beim Eingang zu sehende Gedenktafel enthüllte Baurat Egon Kunz, der sich bei der Planung der Schwimmbäder engagierte und für seine Bemühungen um die Hochrheinlandschaft zum Ehrenbürger der Gemeinde ernannt wurde.

Die an den Bau des Herderner Schwimmbades angebrachte Gedenktafel ist heute noch erhalten. Planer, Bürgermeister, Hohentengener und Herderner Gemeinderäte und Kraftwerksvertreter sind darauf zu finden. Peter Salomon hat an der Eröffnungsfeier mitgewirkt.<em>Bild: Sabine Gems-Thoma</em>
Die an den Bau des Herderner Schwimmbades angebrachte Gedenktafel ist heute noch erhalten. Planer, Bürgermeister, Hohentengener und Herderner Gemeinderäte und Kraftwerksvertreter sind darauf zu finden. Peter Salomon hat an der Eröffnungsfeier mitgewirkt.Bild: Sabine Gems-Thoma

Über Jahrzehnte hinweg war das Freibad mit Kioskbetrieb ein beliebter Treffpunkt – nicht nur für die Herderner Einwohner. Eigentlich war die schrittweise Sanierung aller drei Gemeindefreibäder 1988 bereits beschlossene Sache, als es 1989 zu einer Verschärfung der Badewasserverordnung kam. Diese ließ die geschätzten Kosten von ursprünglich insgesamt 500 000 D-Mark auf 2,8 Millionen D-Mark klettern. Als 1991 die Umwälzanlage des Herderner Bades ausfiel, musste es zur Saison 1992 geschlossen werden. Nach vielen Diskussionen war schließlich klar, dass eine Sanierung von bis zu 600 000 D-Mark für das Herderner Bad nicht mehr tragbar war.

Die Schüler der damals noch existierenden Herderner Schule hatten für die Eröffnungsfeier unter Oberlehrer Reischmann einiges einstudiert.
Die Schüler der damals noch existierenden Herderner Schule hatten für die Eröffnungsfeier unter Oberlehrer Reischmann einiges einstudiert. | Bild: Gemeindearchiv/S. Gems-Thoma

Um weiterhin einen Treffpunkt in Herdern zu haben gründete sich im Jahr 1996 der Verein „Fesh“ – Fanclub ehemaliges Schwimmbad Herdern – der mit viel Eigeninitiative, unterstützt durch die Gemeinde Hohentengen, eine großzügige Spielanlage aufbaute und den Kioskbetrieb übernahm. Inzwischen in die Jahre gekommen, soll die Anlage im Zuge des Spielplatzkonzeptes der Gemeinde im kommenden Jahr neu gestaltet werden.

„Wir kamen ganz gut an“

Peter Salomon (84), der 1959 mit seiner Ehefrau Hilda nach Herdern zog, hatte an der Eröffnung des Herderner Schwimmbades als Komiker-Paar zusammen mit Werner Wollensack einen vergnüglichen Auftritt. Das ganze Dorf war damals auf den Beinen, um den großen Festakt zur Eröffnung mitzuerleben. Das Schwimmbecken war circa zwölf mal 20 Meter groß und bis zu 1,40 Meter tief. Später kam ein Planschbecken dazu.

Herr Salomon, wie kam es zu dem Auftritt an der Eröffnung?

Werner Wollensack hatte die Idee und mich gefragt, ob ich mitmache. Wir waren ein Ehepaar, das das Bad begutachtet. Beim Messen der Wassertemperatur fiel Werner ins Bassin, ich bin hinterhergesprungen und vom DRLG wurde er schlussendlich „gerettet“. Mit unseren lockeren Sprüchen kamen wir ganz gut an.

Was ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Alles, was hat kommen können, war da. Es war ein großes Fest, es sind sogar Leute von Waldshut und Tiengen gekommen. Verschiedene Gemeinderäte waren sehr stolz, was hier geschaffen wurde.

Ist das Schwimmbad genutzt worden?

Es ist sehr stark genutzt worden und war bis Waldshut bekannt, weil es sehr schön am Rhein gelegen ist und eine große ebene Liegewiese mit Schatten- und Sonnenplätzen hat. Es war ein Treffpunkt für alle. Im Sommer war ich nach der Arbeit jeden Tag da.

Bedauern Sie, dass es das Bad nicht mehr gibt?

Die Sanierung war einfach zu teuer und der Weg nach Hohentengen ins Schwimmbad nicht allzu weit. Längst haben sich die Herderner anders orientiert. Viele wissen schon gar nicht mehr, dass es das Schwimmbad gab.