Einen Hochgenuss in Sachen Kammermusik haben Casal-Quartett und der Weltklasse-Pianist Fazil Say bei ihrem Gastspiel in Hohentengen geboten. Zwischen den Studioaufnahmen zu ihrer neuen CD, die 2020 erscheinen wird, fanden die Musiker Zeit für das Intermezzo in der Gemeindehalle. Die Mitglieder des international renommierten Qartetts sind in der Region zu Hause. Ensemble-Mitglied Markus Fleck schilderte das „ganz normale“ Musiker-Dasein, amüsierte sich über die außergewöhnliche Bühnengestaltung mit Geweihen im Hintergrund und bedankte sich angesichts einer rappelvollen Halle für die große Besucherresonanz.

Fazil Say gilt in seiner türkischen Heimat als bekannter Bürgerrechtskämpfer, dessen Haltung in seinen Kompositionswerken zum Ausdruck kommt. Er eröffnete das Konzert mit der bekannten 11. Klaviersonate A-Dur, KV 331 „Alla Turca“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Gleichsam weich, kräftig und schelmisch, interpretierte Say diese Sonate, die an seine türkische Heimat erinnert. Das Rondo, bekannt als „der Türkische Marsch“ fand in Bearbeitungen anderer Komponisten vielfältige Verwendung und wurde so schon fast zum Ohrwurm.

Der türkische Komponist und Pianist Fazil Say stellte seine Kompositionen vor und begeisterte das Publikum.
Der türkische Komponist und Pianist Fazil Say stellte seine Kompositionen vor und begeisterte das Publikum. | Bild: Ingrid Ploss

Zur Uraufführung gelangte an diesem Abend Fazil Says Komposition „Drei Balladen für Klavierquintett op. 12“. Damit huldigt er dem bedeutendsten Dichter und Dramatiker seiner Heimat, Nazim Hikmet, dem Begründer moderner türkischer Lyrik. Eine Liebeserklärung an seine Tochter verbindet Fay mit der abschließenden „Hymne“ an die Natur und ihre Bewahrung.

Hommage an Atatürk

Im 2017 komponierten Klavierquintett „Das verschobene Haus“ op. 72b intoniert Say eine Hommage an Mustafa Kemal Atatürk (Atatürk = Vater der Türken), 1. Präsident der Türkei, sein fortschrittliches, auf gesellschaftliche Reformen gerichtetes Denken in Versinnbildlichung des Erhalts eines Baumes als Zeichen des Überlebenskampfes. Die Zuhörer konnten ihrer Fantasie bei Flageoletttönen, die Vogelgezwitscher nachahmten, oder col legno-Spiel (Streichen oder Schlagen mit dem Bogenholz auf den Saiten) freien Lauf lassen. Als Höhepunkt erklang Robert Schumanns Klavierquintett Es-Dur op. 44, geschrieben für Clara Schumann. Brillant vorgetragen bildete es den optimistischen, kraftvoll frischen Ausklang dieses wunderbaren Konzertabends.