Eine kurze geschäftliche Blüte bescherte den Hoteliers und Wirten in St. Blasien und umliegenden Gemeinden der Sommer, nachdem die strengen Corona-Bestimmungen des Frühjahrs aufgehoben worden waren. Manche berichten sogar von weit mehr Gästen als in vergangenen Sommern. Das ist jetzt vorbei. Wie es den Betroffenen mit dem neuerlichen Lockdown geht, haben wir – stellvertretend für andere – bei Wirten und Hoteliers der Region nachgefragt.

Höchenschwand

Wolfgang und Martina Heinen führen in Höchenschwand das Wellness- und Wanderhotel „Nägele“ mit 43 Zimmern und Suiten. Zum Betrieb gehört auch ein Speiserestaurant. Insgesamt beschäftigen sie 41 Angestellte. „Wir haben uns nach der ersten Schließung ganz gut erholt. Doch durch den neuerlichen Lockdown im November brechen unsere Einnahmen wieder weg, die Kosten aber bleiben“, erklärt Wolfgang Heinen. Für die meisten Mitarbeiter bedeute dies, dass sie ab 2. November in Kurzarbeit gehen. Wie viele andere Kritiker des Lockdowns ist er der Meinung, dass eine Schließung der Speiserestaurants nicht nötig gewesen wäre.

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Es gebe kaum eine Branche, die so penibel die verordneten Hygienevorschriften umgesetzt habe. „Schon vor Corona hat die Gastronomie sehr hohe Hygienestandards eingehalten. Es ist nachgewiesen, dass es in Speisegaststätten im Gegensatz zu Nachtclubs oder ähnlichen Betrieben nur sehr wenige Infektionen gab.“ Die jetzt verfügte Schließung der Gaststätten findet Wolfgang Heinen ungerecht. „Natürlich werden wir entschädigt, aber das deckt nicht unsere Umsatzverluste.“ Kritisch sieht er auch, „dass sich unsere Besucher nun vermehrt im privaten Bereich treffen, wo sicherlich nicht unsere Sicherheitsstandards erreicht werden“, ärgert er sich.

Ute Nachowitz (58) führt zusammen mit ihrer Mutter das Speiselokal „Seppelmetzger Stube“ in Höchenschwand. Die Gaststätte wird von Einheimischen, Vereinsmitgliedern sowie Kur- und Feriengästen besucht. Wie andere weist sie darauf hin, dass Entschädigungszahlungen zwar die festen Kosten decken, nicht aber die fehlenden Umsatzerlöse. Die angeordneten Beschränkungen findet sie grundsätzlich richtig, da die Infektionszahlen ja steigen und steigen. Dass aber die Lokale nun wieder geschlossen werden, hält sie für unnötig. „Ich habe noch nie gehört, dass sich jemand in einem Speiselokal im Landkreis Waldshut angesteckt hat“, sagt sie. Jetzt wird sie in den nächsten vier Wochen keine Einkünfte haben. „Aber da ich keine Unkosten für Personal habe, werde ich das wegstecken können. Ich hoffe nur, dass wir danach wieder öffnen dürfen“, sagt sie.

St. Blasien

In Tanja Eckerts Café „Rosalie“ im Zentrum der Domstadt war es am Freitagvormittag sehr voll. „Das ganze Wochenende ist auch schon voll reserviert“, sagt sie an diesem letzten Freitag vor dem für die Gastronomie verordneten November-Lockdown. Auch im Sommer sei „verrückt viel los gewesen“. Da sie im November sowieso für ein oder zwei Wochen zugemacht hätte, trifft sie die neuerliche Zwangspause nicht wirklich hart. Dazu trage auch bei, „dass das im Frühjahr mit der Soforthilfe super geklappt hat“. Sie erzählt von zwei Freundinnen, die in Budapest und Malaga jeweils einen Gastronomiebetrieb führen und dort jetzt gar nichts bekommen. Als sie wieder auf Deutschland zu sprechen kommt, gibt sie dann aber etwas zu bedenken: „Was in der Öffentlichkeit überhaupt nicht kommuniziert wurde, ist, dass man das Geld wieder zurückzahlen muss, wenn der Betrieb wieder läuft – je nach der Höhe des Betriebsergebnisses. Fast alle ihrer 17 Mitarbeiter, darunter ein Mann, sind Minijobber und werden im November kein Gehalt beziehen.

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Egzon Demi betreibt in der St. Blasier Innenstadt das Speiselokal „Tränke“ und das Eiscafé „Venezia„. Die Tränke ist beliebt bei Touristen, Einheimischen und Kollegschülern. Auch er berichtet von einem guten Sommer. Man habe zwar gewusst, dass die zweite Coronawelle kommt, habe aber gedacht, dass es so schlimm wohl nicht kommen würde. Das in der vergangenen Woche beschlossene November-Aus für die Gastronomie habe ihn dann total überrascht. Gut findet er das nicht. In den beiden St. Blasier Gastronomiebetrieben beschäftigt er insgesamt zwölf Mitarbeiter.

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Mit Einschränkungen hatte Stefanie Kapferer, die zusammen mit Ingo Schwald das Hotel „Waldeck„ in Menzenschwand betreibt, gerechnet, nicht aber mit einem Lockdown für die gesamte Gastronomie und Hotellerie. Dafür, die Gastronomie als Sündenbock für die rasche Ausbreitung der Pandemie hinzustellen, habe sie wenig Verständnis, sagt sie. Obwohl die Hauptsaison im Sommer immer sehr gut laufe, konnte auch sie in diesem Jahr nochmals einen Zuwachs verzeichnen. „Die vergangenen Monate waren stramm“, wie sie es ausdrückt. Der November-Lockdown treffe den Menzenschwander Gastronomiebetrieb aber weniger hart als andere. Denn Anfang November fahre man den Betrieb ohnehin immer herunter, es seien zudem mehrere Wochen Betriebsferien geplant. Sorgen bereitet ihr vielmehr der Blick in die Zukunft, die Unsicherheit treffe mehr als der Lockdown, sagt sie. Für Dezember und Januar seien bereits viele Stornierungen eingegangen, man wisse nicht, wie es weitergeht. Etwas Positives kann Stefanie Kapferer dem Lockdown jedoch auch abgewinnen: Nach der strammen Saison habe man nun Gelegenheit, durchzuatmen und auszuspannen.

Bernau

„Die Anzeichen haben darauf hingedeutet“, sagt Franz Bregger von Hotel Breggers Schwanen in Bernau-Oberlehen. Er hält die Maßnahme, auch wenn sie die Gastronomie hart trifft, für richtig, obwohl sich die Branche an die Hygienekonzepte gehalten hat. Es gelte, die Gesundheit als übergeordnetes Ziel zu sehen, findet er. Als Wellnesshotel ist sein Haus gerade im November stark ausgebucht, insofern treffe ihn der Lockdown natürlich. Aber wenn die angekündigten Hilfen, 75 Prozent des Umsatzes vom Vorjahresmonat, kämen, sei das für ihn „erst einmal in Ordnung“. Und da man den Gästen ermögliche, ihre Buchungen bis zum Tag vor der Anreise kostenlos rückgängig zu machen, hielten sich die Stornierungen für die Zeit nach dem Lockdown derzeit in Grenzen, so Bregger. Für seine 35 Mitarbeiter heißt es nun zunächst, Urlaub und Überstunden abzubauen.

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