Genau vor vier Jahren haben sich Stephan Gumpert (51) und Markus Fischer (43) das Ja-Wort gegeben. Verliebt haben sie sich aber schon vor 20 Jahren. Nach mehreren Stationen in ihrem Leben erlagen sie dem Charme des „Dorf am Himmel“ und entschieden sich vor zwei Jahren zum Kauf der „Pension Linde“, um diese zu einem Gastronomiebetrieb zu erweitern.

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Beide wussten schon früh, dass sie Männer lieben, mussten ihre sexuelle Neigung aber nie verstecken. Klassenkameraden und besonders ihre Elternteile reagierten gelassen, als sie davon erfuhren. „Meine Mutter ahnte es schon, da hatte ich noch eine Freundin“, verrät Stephan Gumpert. Markus Fischer vertraute es zuerst seiner Schwester an. „Für meine Eltern war es aber schlimmer, dass ich das BWL-Studium nach dem Vordiplom hinschmiss, als mein Outing“, erzählt er.

Weichen für gemeinsame Zukunft

Leger in modischem Hemd, Sakko und Jeans gingen die beiden Männer in Kenzingen alleine und ohne Familie zum Standesbeamten – das war vor vier Jahren. Die Weichen für eine gemeinsame Zukunft stellten sie nach dem Kennenlernen in Freiburg vor 20 Jahren. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, erzählen sie. Schon nach eineinhalb Jahren teilten sie Bett und Tisch. Diese glücklichen 16 Jahre, waren sie sich einig, wollen sie mit dem Eheversprechen besiegeln.

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Nach einer Ausbildung zum Musicaldarsteller in einer privaten Schauspielschule in Freiburg war Markus Fischer als Tänzer während vieler Shows lange Zeit auf den Bühnen im Europa-Park Rust, in Disneyland Paris und in der Schweiz zu sehen oder ging mit den Ensembles auf Tournee. Lange davor war Stephan Gumpert zunächst in der Metropole Frankfurt zuhause. Dort hielt ihn die Arbeit bei der Aidshilfe und die Hilfe für Suchtkranke in Atem. „Wir hatten einen Druckraum mit medizinischer Grundversorgung. Das heißt, die Drogenabhängigen konnten alte, gebrauchte Spritzen gegen neue, saubere Spritzen umtauschen und sich unter medizinischer Beobachtung einen Druck setzen, sich Drogen spritzen“. Zudem war dort für die Suchtkranken eine Methadonausgabestelle eingerichtet worden. „In dieser Zeit habe ich eine eigene Bettenstation eröffnet mit dem Namen „La Strada“. Das war mein Baby für beinahe fünf Jahre, bis ich nach Freiburg zog“, sagt Gumpert. Was folgte, waren 17 Jahre Krankenpflegerdienst in der Neurologie in der Schwarzwaldklinik in Bad Krozingen – auch während unzähliger Nachtschichten.

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Körperlicher und zeitlicher Einsatz wuchsen ihnen aber irgendwann über den Kopf. „Ich war immer saisonal in Paris und im Sommer im Europa-Park, parallel dazu hatten wir sieben Jahre die Campinggaststätte in Herbolzheim“, zählt Markus Fischer auf, irgendwann sei das zu viel geworden. Auch die Kraft von Stephan Gumpert, der zusätzlich noch zwei Jobs hatte, war am Limit. „So, dass wir gesagt haben, wir schauen mal, dass wir ein bisschen weniger und stattdessen mehr zusammen machen“.

Nach reiflicher Überlegung

Bereit für einen Wechsel, verkauften sie ihr Haus in der alten Heimat, studierten sorgfältig den Immobilienmarkt und landeten nach reiflicher Überlegung schlussendlich im Hochschwarzwald. Eine Folge von Entscheidungen führte nach der Aufgabe der Campinggaststätte nicht, wie ursprünglich geplant, nach Frankreich, sondern nach Höchenschwand in die „Pension Linde“.

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Von einer Ablehnung der Höchenschwander gegenüber zwei Männern war keine Spur, berichten sie. Im Gegenteil, unterstreichen sie, die anfängliche Skepsis ihrerseits wich schnell einem guten Gefühl. „Wir fühlten uns hier gleich wohl“. Sie trafen gegenüber ihren Gästen schnell den richtigen Ton, schufen für diese und sich selbst eine heimelige Oase mit Gaststätte zum Innehalten und Verweilen und mit Gästezimmern. Es ist ein Miteinander auf Augenhöhe. Markus Fischer steht in der Küche, während sein Mann für die Gäste da ist. Auch jetzt trägt er eine saftig süße Erfrischung nach draußen, wo die Leute sitzen.

Ob sie auch einen gemeinsamen Kinderwunsch haben? „Uns hat man zu Onkels gemacht“, verraten sie. Es sei schön, wenn die Kleinen ihrer Geschwister da sind, aber das genüge. „Unser gemeinsames „Kind“ ist die 16-jährige Hündin Kira, die wir bereits mit acht Wochen bekamen“, sind die beiden sich einig.

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