In München lebte Familie König auf 70 Quadratmetern. Ihr Häuschen in Dachsberg-Wittenschwand bietet viel Platz zum Leben und Spielen

Dachsberg-Wittenschwand – Mehr als 17 Jahre lebte Roland König (51) mitten in München. Doch 2017 hat der in Lörrach aufgewachsene Diplom-Informatiker die 1,5 Millionen Einwohner zählende Metropole gegen das 400-Seelen-Örtchen Wittenschwand eingetauscht: „Wir sind eine Patchworkfamilie mit fünf Kindern und hatten in München gerade einmal 70¦Quadratmeter – für rund 1600 Euro Monatsmiete“, sagt König und schüttelt den Kopf, „hier im schönen Südschwarzwald hat jetzt jedes Kind sein eigenes Zimmer – wir haben enorm an Lebensqualität dazu gewonnen!“

Ein Schlüsselmoment, der die Entscheidung, von der Stadt aufs Land zu ziehen beflügelte, war der 22. Juli 2016: Zehn Menschen starben an diesem Tag bei einem rechtsextrem motivierten Terroranschlag im Münchner Olympia-Einkaufszentrum. „Wir waren total schockiert, als plötzlich die ganze Stadt voller Polizisten war“, erinnert sich Königs Partnerin, „als Eltern fragt man sich dann ganz schnell, ob es nicht friedlichere Orte zum Leben gibt.“ Als das Paar kurz darauf von Königs in Dachsberg-Wittenschwand lebenden Schwester erfährt, dass im Ort Bauplätze verkauft werden, greift die Patchworkfamilie zu. „Wir waren viel an Wochenenden und Ferien hier, mochten die Gegend und wussten, dass wir uns hier wohlfühlen werden“, erklärt der Familienvater.

Bereits 2017 erfolgt der erste Spatenstich und gemeinsam mit einem Bauunternehmer realisiert die Familie ihr Traumhaus: „Schön hell, mit weitem Blick ins Grüne sollte es sein“, sagt König, „und natürlich sollte jedes Kind sein eigenes Reich bekommen, was umso wichtiger wird, je älter die Kinder werden!“ Zwei Söhne (10 und 16¦Jahre) bringt seine Partnerin mit in die Patchworkfamilie, einen Sohn (15) und eine Tochter (9), die in den Ferien und an Wochenenden zu Besuch ist, hat Roland König aus erster Ehe – und das gemeinsame Söhnchen (4) ist das kleinste Familienmitglied. Ein riesiges Trampolin im Garten und viel Platz zum Radfahren und Ballspielen sind die Höhepunkte für die Kinder im neuen Zuhause. In der warmen Jahreszeit schwimmen sie gerne im Klosterweiher, im Winter fahren die großen gerne in Ibach Ski und Snowboard, während die kleineren Rodeln oder die ganze Familie zusammen ein riesiges Iglu direkt im Garten baut. „Als Papa macht man sich hier, ganz ohne vierspurige Straßen, auf jeden Fall weniger Sorgen, wenn die Kinder alleine draußen sind“, sagt König.

Eine Grundschule und einen Kindergarten gibt es im Dorf. Die Großen fahren täglich mit dem Bus in das Kolleg in St. Blasien. Papa Roland König pendelt täglich rund 40 Kilometer zur Arbeit in Titisee-Neustadt. Das nehmen aber alle Familienmitglieder gerne in Kauf, weil sie Straßenlärm, Abgasgerüche und die Enge der kleinen Wohnung mitten in der Stadt losgeworden sind.

„Natürlich sind Ruhe, Natur und Abgeschiedenheit wunderschön“, sagt König, „aber manchmal ist es auch eine kleine Herausforderung.“ Angefangen beim Internetempfang: „Wie viele hier nutzen wir Funkinternet und das funktioniert mit einer Richtantenne auf dem Dach mittlerweile wunderbar“, erzählt König und freut sich: „Nächstes Jahr sollen wir dann auch endlich Zugriff auf eine Glasfaserleitung haben, denn unser Neubaugebiet („Hölzle I & II“) soll erschlossen werden!“ Weil die Busverbindungen ein Nachmittags-Loch haben und abends und sonntags nichts fährt, sei zudem das Eltern-Taxi-Spielen Alltag für die Patchworkfamilie. Und weil es keinen Lebensmittelladen im Ort gibt, fährt die Mama einmal wöchentlich zum Großeinkauf nach St. Blasien: „Mit zwei sehr hungrigen Teenagern muss ich sehr gut planen, was wir in der kommenden Woche essen und vieles auf Vorrat einkaufen“, erzählt sie, „das ist schon eine Umgewöhnung zur Großstadt, in der es Brötchen, Milch und Klopapier an jeder Ecke gibt.“

Sind alle Einkäufe verstaut, lieben die Eltern lange Spaziergänge mit Alpenblick im Ortsteil Ruchenschwand, Familiennachmittage mit Roland Königs Schwester und Eltern und schätzen auch die beiden Restaurants in Wittenschwand sehr. „Aber wir, und auch die großen Jungs, vermissen manchmal schon das kulturelle und vielfältige kulinarische Angebot der Großstadt“, gibt Roland König zu, „wenn wir einen Ausflug nach Freiburg machen, genießen wir es, mal wieder ins Kino zu gehen und besuchen exotische Restaurants.“

„Als Papa macht man sich hier, ganz ohne vierspurige Straßen, auf jeden Fall weniger Sorgen, wenn die Kinder alleine draußen sind.“

Roland König, Familienvater
und Hausbesitzer aus Dachsberg-Wittenschwand

Schwarzwald begehrt bei Neubürgern

Weilheim wächst: Aktuell wird das Neubaugebiet „Nöggenschwiel Süd“ erschlossen. 2022 soll das Baugebiet „Eschen IV“ in Brunnadern folgen.<em> Archivbild:<br />Claus Bingold</em>
Weilheim wächst: Aktuell wird das Neubaugebiet „Nöggenschwiel Süd“ erschlossen. 2022 soll das Baugebiet „Eschen IV“ in Brunnadern folgen. Archivbild:
Claus Bingold
So viel Platz bieten Gemeinden wie Weilheim, Höchenschwand und Dachsberg tatsächlich noch für künftige Häuslebauer

Weilheim/Höchenschwand/Dachsberg – Gemeinden mit Naherholungsfaktor oder mit direktem Grenzübergang zur Schweiz sind im Landkreis Waldshut bei Neubürgern besonders beliebt – das zeigen die statistischen Daten 2021 des Landratsamtes. Zu den Top-Gemeinden, deren Wohnbevölkerung in den letzten 30 Jahren am stärksten gewachsen sind, gehören neben Jestetten, Hohentengen und Bad Säckingen vor allem Orte im Schwarzwald wie Herrischried oder Höchenschwand.

Der Platz entlang der Hochrheinschiene wird immer enger und immer teurer. Gibt es im Schwarzwald hingegen Raum und Platz so weit das Auge reicht? Beim ersten Blick auf die Flächennutzungsstatistik des Landratsamtes vermutet man im Südschwarzwald tatsächlich noch sehr viel Platz zum Bauen. In Ibach (3,2 Prozent), Dachsberg (5,5 Prozent), Höchenschwand (7,5 Prozent) oder Weilheim (8,6 Prozent) sind beispielsweise gerade einmal ein paar Prozent der Gemeindefläche offiziell als Siedlungs- und Verkehrsflächen ausgewiesen und damit bebaut.

Aber es gibt ein paar Haken: „Für kleine Gemeinden ist es leider nicht so einfach, neues Bauland auszuweisen, weil viele Baulücken in privater Hand sind“, berichtet Höchenschwands Bürgermeister Sebastian Stiegeler auf Nachfrage. Hinzu kämen Flächennutzungspläne und diverse Naturschutzflächen, die Baumöglichkeiten legitimieren, ergänzt Weilheims Bürgermeister Jan Albicker. Und die Baugebiete, die zurzeit erschlossen werden oder in letzter Zeit erschlossen wurden seien sowohl in Höchenschwand („In der Bünd VII“), Weilheim („Nöggenschwiel Süd“) als auch in Dachsberg-Wittenschwand („Hölzle I & II“) schon komplett oder größtenteils vergeben oder die Bewerbungen würden sich bereits stapeln.

Ein wenig Hoffnung für Bauplatz-Suchende gibt es dennoch: „Der Höchenschwander Gemeinderat beschäftigt sich aktuell mit neuen Baugebieten, eines davon im Kernort, eines in einem Ortsteil, Details sind noch offen und noch nicht spruchreif – das dauert auch noch ein bis zwei Jahre“, sagt Bürgermeister Stiegeler. Und auch in Weilheim entsteht neuer Wohnraum: „Wir erarbeiten gerade einen Bebauungsplan für neue Wohnbauflächen im Ortsteil Weilheim“, sagt Rathauschef Albicker, „im kommenden Jahr ist außerdem die Erschließung des Gebietes ‚Eschen IV’ in Brunnadern geplant.“ Bewerbungen seien noch nicht möglich. Und auch wenn Dachsberg zurzeit kein weiteres Neubaugebiet erschließt, ist die Gemeinde bemüht, zu helfen: „Eine Anzeige in unserem Gemeindeblatt oder eine Anfrage im Rathaus kann helfen“, rät Bürgermeister Stephan Bücheler, „wir möchten gerne Baulücken schließen und interessierte Neubürgern unterstützen.“

Alle drei Gemeinden investieren in den Breitbandausbau, um mit der Zeit zu gehen und weiterhin attraktive Orte zum Leben und Wohnen zu bleiben. Und auch verschiedene Kindergärten sowie Grundschulen in Höchenschwand, Weilheim-Nöggenschwiel und Dachsberg-Wittenschwand, machen die Schwarzwaldgemeinden zu reizvollen Wohngemeinden für junge Familien.

 

Das sagt der Experte der Sparkasse

Die Nachfrage nach Immobilien ist aktuell ungebrochen. Bei Beratungen zu perspektivischen Baufinanzierungen, bei denen es hauptsächlich um eine mögliche monatliche Belastung und die etwaige Kredithöhe geht, wird am häufigsten der Wunsch nach einem freistehenden Haus geäußert. Diese Immobilienart ist jedoch sehr wenig im Angebot am Immobilienmarkt. Dies hat häufig zur Folge, dass Kunden im Zeitverlauf den Radius rund um die Kernzentren am Hochrhein auf die umliegenden Gemeinden für die Immobiliensuche erweitern. Das bedeutet, dass die Kunden daraufhin attraktive Objektangebote in ländlichen Regionen finden. Bei der Entscheidung zu dieser Objektlage, muss der Kunde persönlich zwischen der infrastrukturellen Anbindung und Ausstattung des jeweiligen Wohnorts abwägen.

Bei uns im südlichen Schwarzwald gibt es eine Vielzahl von sehr reizvollen Gemeinden, in denen man sehr gut wohnen kann. Die Anbindung an einen guten Internetzugang wird überall durch die Gemeinden und Anbieter forciert. Dies kommt den Kunden, die im Homeoffice tätig sind, zugute und macht den Umzug auf das „Land“ möglich. Hinzu kommt, dass es immer noch Unterschiede zwischen Stadt und Land im Kaufpreis gibt, welche sich positiv auf Parameter wie beispielsweise die monatliche Belastung oder den Finanzierungsbedarf auswirken. Von Kunden die ich bisher bei diesem tollen Schritt in der Finanzierung begleiten durfte, habe ich nur positive Rückmeldungen erhalten. Die Gemeinschaft in kleineren Orten begeistert gerade junge Familien mit Kindern, da diese schnell Freunde im Ort finden.

Markus Wesner, Leiter S-Immo­bilien, Sparkasse Hochrhein

 

Serie „Wohnen und leben in“

Die Sparkassen der Region und das SÜDKURIER Medienhaus beleuchten in einer 13-teiligen Serie den Immobilienmarkt.
Teil 7, 26.¦Oktober: Weilheim, Höchenschwand, Dachsberg
Teil 8, 28.¦Oktober: St. Blasien, Häusern, Ibach, Bernau
Teil 9, 02.¦November: Albbruck, Dogern
Teil 10, 04.¦November: Laufenburg, Murg
Teil 11, 09.¦November: Görwihl, Herrischried, Rickenbach
Teil 12, 11.¦November: Wehr, Bad Säckingen, Todtmoos
Teil 13, 16.¦November: Rheinfelden, Grenzach-Wyhlen, Schwörstadt