Der Platz für Geflüchtete wird im Landkreis Waldshut knapp. Das Landratsamt sucht deshalb dringend nach Wohnraum. Auch die Gemeinde Höchenschwand soll aus diesem Grund weitere Asylbewerber aufnehmen, sagt Bürgermeister Sebastian Stiegeler. Derzeit seien 65 ukrainische Flüchtlinge in Höchenschwand untergebracht, ergänzt er im Gespräch.

23 der aus der Ukraine geflüchteten Menschen leben im ehemaligen Schwesternheim in Heppenschwand, ein Ukrainer wohnt in der gemeindeeigenen Unterkunft „Haus Ursula“. Über Privatinitiativen der ukrainischen Flüchtlinge und anderer Unterstützer konnten weitere 41 Menschen aus der Ukraine in der Gemeinde eine Bleibe finden. Elf Asylbewerber sind im Haus Ursula untergebracht, sagt Stiegeler.

Obwohl die Gemeinde ihre Sollzahlen damit übererfüllt habe, solle die Gemeinde nun bis Jahresende weitere zwei bis fünf Asylbewerber im Wege der Anschlussunterbringung aufnehmen, berichtet der Bürgermeister. Die höhere Quote hänge davon ab, wie sich die Lage verändere.

Ein Grund für die neue Situation liege in einer geänderten Erfassung der ukrainischen Kriegsflüchtlinge. Diese werden nicht mehr als Asylbewerber gezählt, da sie finanzielle Hilfe über das Jobcenter erhalten. Menschen aus der Ukraine genießen einen Sonderstatus, für die der Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtert wurde. Unter Einrechnung der ukrainischen Flüchtlinge habe die Gemeinde ein Belegungsplus von rund 800 Prozent.

Nach der neuen Zählweise müsse die Gemeinde mindestens zwei Asylbewerber zusätzlich aufnehmen. Er sehe das aber ein, wenn damit eine Belegung von Sporthallen oder ähnlichen Einrichtungen als Gemeinschaftsunterkünfte nicht notwendig werde, sagt Stiegeler.

Die Möglichkeiten für Unterbringungen seien in Höchenschwand zwar noch nicht erschöpft, ukrainische Kriegsflüchtlinge könnten aber nicht unbegrenzt aufgenommen werden, betont er.

Im früheren Schwesternheim in Heppenschwand stünden dafür maximal 30 Plätze zur Verfügung, davon seien 23 zurzeit vergeben, zwei weitere Geflüchtete werden erwartet. Damit könnten theoretisch zwar noch fünf weitere Kriegsflüchtlinge untergebracht werden, der Gemeinde sei aber bereits der Nachzug von Verwandten angekündigt worden.

Wohnraum auch für Obdachlose

Im Haus Ursula stehen 21 Plätze zur Verfügung. Die Gemeinde habe aber zwei Wohnungen an sechs Privatpersonen vermietet, so dass für die Anschlussunterbringung von Asylbewerbern tatsächlich nur noch 15 Plätze zur Verfügung stehen, so Stiegeler. Da die Gemeinde aber auch Platz für Obdachlose vorhalten müsse, könnten tatsächlich nur 13 Personen untergebracht werden. Aktuell seien dort Asylbewerberinnen und Asylbewerber (Frauen, ein Mann und sieben Kinder) aus Afrika und dem Nahen Osten untergebracht. Die Gemeinde habe nicht die Absicht, weitere Unterkünfte zu bauen oder anzumieten, dazu fehlten ihr die Mittel, sagt Stiegeler.

Allgemein gewährleiste die Gemeinde die Betreuung der Asylbewerber und Kriegsflüchtlinge, sagt der Bürgermeister. So gäbe es im Rathaus Ansprechpartner für alle Behörden- oder Lebensfragen. Die Kommunikation mit Menschen aus der Ukraine werde erleichtert, da einige Höchenschwander Bürger russisch oder ukrainisch beherrschen.

Die vom Landkreis Waldshut angebotenen Sprachkurse wurden jedoch von den ukrainischen Flüchtlingen sehr gut genutzt, weiß Stiegeler. Da aber das Angebot begrenzt sei, benachteilige das die Asylbewerber sogar ein wenig. Der Nachweis über das Erlernen der deutschen Sprache sei für die ukrainischen Flüchtlinge wichtig, wenn es um die Aufnahme einer Tätigkeit im jeweils erlernten Beruf geht. Momentan gebe es auch Zwischenlösungen: Viele Ukrainerinnen und Ukrainer würden zurzeit übergangsweise nicht ihrer Qualifikation entsprechend, zum Beispiel in der Gastronomie arbeiten, sagte Stiegeler.