Wenn Pfarrer Andrzej Megger in Polen aufbricht, um einmal im Jahr hierher in den Schwarzwald zu reisen, kommt er, um die Pfarrer der Seelsorgeeinheit St. Blasien urlaubsbedingt zu vertreten. Im Juli werden ihm die Pfarrgemeinden von Pfarrer Ivan Hoyanic, Höchenschwand und Häusern, anvertraut, im August die von Seelsorgeleiter Pfarrer Jan Grzeszewski, Ibach, Urberg und Hierbach.

Der Kontakt

„Meine Besuche in Deutschland verdanke ich Pfarrer Jan. Wir kommen beide aus der Diözese Pelplin in Polen. Als sich mein Vorgänger Pfarrer Tomasz Huzarek neuen Aufgaben zuwandte, bot Pfarrer Jan mir die Vertretung hier an“, erklärt der 38-Jährige, der in dieser Zeit in Ibach wohnt. „Als ich 2015 zum ersten Mal in die Seelsorgeeinheit St. Blasien kam, machte ich mir Gedanken, wie ich wohl von den Menschen empfangen werde. Doch das war unnötig, die, die ich treffe, sind alle sehr freundlich und hilfsbereit“, unterstreicht er.

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Sobald er in der heiligen Messe vor die Gemeinde tritt, ist es gleichgültig, woher er kommt, wichtig ist nur, wozu er hier ist. In einem fremden Land in einer fremden Sprache zu arbeiten, findet er nichts Außergewöhnliches. „Heute arbeiten viele Menschen außerhalb ihres eigenen Landes“, sagt er.

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Die Kirche, die von ihrem Wesen her missionarisch sei, passe in diesen Kontext. Es gebe verschiedene Länder, verschiedene Nationen, verschiedene Sprachen, aber einen Gott. Deshalb sei die liturgische Versammlung in der Kirche „Heimat“, unabhängig von der geografischen Lage, sagt der Theologe. Die Schwierigkeit liege natürlich teilweise in der Sprachbarriere, besonders wenn es um Alemannisch geht, sagt er und schmunzelt. Schnell kam er vor sechs Jahren mit dem hiesigen Dialekt in Berührung – aber auch diese Begegnung funktioniert mittlerweile.

Lob für die Deutschkenntnisse

Wo er hinkommt, sind die Menschen voll des Lobes für seine guten Deutschkenntnisse. „Ich verstehe viel, weil ich oft Radio im Internet auf Deutsch höre“, sagt er und verrät: „In Polen feiere ich auch von Zeit zu Zeit die heilige Messe in Deutsch.“ Er habe das Abitur auf Deutsch gemacht, aber um eine andere Sprache gut zu sprechen, müsse man darin denken und viel üben. Die Predigt sei jedoch immer eine große Herausforderung, denn sie sei nicht nur ein menschliches Wort, sondern auch das Wort Gottes.

Die Ausbildung

Als Kind habe er nie über das Priestertum nachgedacht, erinnert er sich, wenngleich seine Familie sehr religiös sei. Dieser Gedanke tauchte erst vor dem Abitur auf. „Ich besuchte eine Klasse mit einem mathematischen, physikalischen und IT-Profil. Gleichzeitig war ich Ministrant“, erklärt Megger. Theologie studierte er in Pelplin, danach arbeitete er ein Jahr als Vikar im Dom in Pelplin, studierte anschließend noch Liturgiewissenschaft und promovierte 2014. Er sei eigentlich kein Seelsorger, sagt er. Seit sieben Jahren arbeite er an der katholischen Universität in Lublin und sei Dozent am Priesterseminar. Sein Fach sei die Liturgiewissenschaft.

Viele Gemeinsamkeiten

Als Priester sehe er zwischen Deutschland und seiner Heimat Polen mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede, sagt Andrzej Megger und fügt an: „Überall gibt es Menschen, die Gott suchen. Die materielle Welt kann nicht alle Wünsche des menschlichen Herzens befriedigen.“ Charakteristisch für die deutsche Gesellschaft sei der Multikulturalismus. Dies sei zweifellos eine Gelegenheit, Neues zu entdecken, aber auch um die eigene Identität zu stärken, so Pfarrer Megger.

Die Unterschiede

Einige Unterschiede im kirchlichen Leben fallen ihm allerdings auf: Seine Heimatgemeinde bestehe aus 5000 Gläubigen. Jeden Sonntag werden fünf Messen gefeiert, wobei die Kirche bei jedem Gottesdienst fast voll sei. Glaubensverlust und Priestermangel seien Ängste, die allerdings nicht nur die katholische Kirche in Deutschland plagten. Ebenso gebe es in Polen immer weniger Jugendliche, die an der Liturgie teilnehmen würden. Auch bei den Priesterberufen sei ein sichtbarer Rückgang zu verzeichnen, sagt er.

Das Essen

Was hier in Deutschland zu seinen Lieblingsessen gehört? Er lacht und meint: Vor einigen Jahren habe er zum ersten Mal Flammkuchen probiert. Es sei ein „leckerer Genuss“ gewesen. Außerdem mag er Süßigkeiten – Schwarzwälder Kirschtorte und Linzertorte seien für ihn unübertroffen.