Herr Dietsche, was fasziniert Sie an Ihrem Beruf?

Als Notarzt bin ich seit knapp drei Jahren in den Landkreisen Konstanz und Waldshut tätig und werde jeweils auf verschiedensten Wachen eingesetzt. Besonders faszinierend daran finde ich, dass ich bei meiner Arbeit mit vielen verschiedenen Situationen konfrontiert werde und mich in kurzer Zeit auf diese einstellen muss. Man arbeitet als kleines, meist gut eingespieltes Team und muss Probleme mit begrenzten Ressourcen lösen. In einer Klinik kann man hinsichtlich Material und Manpower meist aus dem Vollen schöpfen.

Die Möglichkeiten sind also begrenzt. Gibt es auch Fälle, in denen die notärztliche Hilfe dem Patienten Vorteile bringt?

Gegenüber der Klinik gibt es einen entscheidenden Vorteil: Man lernt neben dem Patienten auch sein Umfeld kennen – also sowohl die Räumlichkeiten als auch die Menschen, von denen der Patient in der Regel umgeben ist. Diese Kenntnis leistet einem bei der Auswahl der bestmöglichen Therapie oft gute Dienste.

Fahren Sie bei einem Einsatz im Rettungswagen mit?

Auf der Fahrt vom Einsatzort in die Klinik fahre ich in aller Regel im Rettungswagen mit, ja. So kann ich die Zeit dazu nutzen, den Patienten zu überwachen und ihn auch hinsichtlich des Verlaufes seiner Symptome zu befragen. Auf der Fahrt von der Rettungswache zum Einsatzort fahre ich in einem Notarzt-Einsatzfahrzeug und treffe den Rettungswagen am Einsatzort. Auf manchen Rettungswachen fährt man als Notarzt aber auch primär im Rettungswagen mit. Das hängt mit der Organisationsstruktur des Rettungsdienstbereiches zusammen.

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Was haben Sie im Einsatzfahrzeug mit dabei?

Die Fahrzeuge enthalten zum einen Medikamente und Geräte, die dazu geeignet sind, die lebenswichtigen Funktionen des Patienten zu stabilisieren und während des Transportes zu überwachen, etwa ein EKG-Gerät mit Defibrillator- und Herzschrittmacherfunktion, ein Beatmungsgerät für verschiedenste Arten der Beatmung, inklusive Sauerstoffflaschen und diversen Beatmungsschläuchen, Spritzen- und Absaugpumpe, aber auch notfallchirurgisches Material. Nach einem Unfall geht es auch darum, Schäden zu vermeiden, die über die direkten Unfallfolgen hinausgehen. Hierfür gibt es Hilfsmittel etwa zur Schienung gebrochener Knochen sowie zur Lagerung und zum Transport von Patienten mit Wirbelsäulenverletzungen.

Erfahren Sie später, wie es dem Patienten geht?

Wenn man außer als Notarzt auch als Anästhesist arbeitet, ist man sowohl auf der Intensivstation als auch im Operationssaal unter anderem für die Versorgung von Schwerverletzten zuständig. Auf diesem Wege erfährt man häufig einiges über den weiteren Verlauf. Nach der Entlassung aus der Klinik hört man in der Regel nur dann noch etwas, wenn die Patienten oder ihre Angehörigen sich melden. Es freut mich natürlich, wenn ich erfahre, dass meine Arbeit dazu beigetragen hat, dass ein Patient nach einem schweren Unfall wieder zu seinem normalen Alltag zurückgefunden hat.

Wann sollte man die 112 wählen?

Wenn plötzlich aufgetretene lebensbedrohliche Zustände vorliegen sowie bei schweren Verletzungen oder stärksten Schmerzen. Je länger die Symptome andauern – Tage oder gar Wochen –, desto eher sollte man sich überlegen, ob das nicht auch ein Fall für den Hausarzt sein könnte. Hierfür gibt es außerhalb der Sprechzeiten die 116 117. Man sollte beide Nummern nicht wählen, um sich einen Gang durch den Regen oder lange Wartezeiten in der Praxis oder im Krankenhaus zu ersparen. Das bindet das Rettungsmittel unnötig und sorgt vielleicht dafür, dass erforderliche Hilfe anderswo nicht rechtzeitig vor Ort sein kann.

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Sie sind auch Arzt bei der Bergwacht in Höchenschwand. Was macht ein Bergwachtarzt?

Als Bergwachtarzt ist man auch Notarzt, aber mit einigen wesentlichen Unterschieden. Zum einen spielt hier das Gelände eine große Rolle: Oft befinden sich die Patienten in schwer zugänglichen Gegenden – etwa Steilhänge, Wälder oder Tiefschnee – und es muss zunächst dafür gesorgt werden, dass für Patienten und Rettungskräfte hierdurch keine zusätzliche Gefahr entsteht, Absturz etwa oder Verschüttung. Dadurch dauert eine Rettung meist deutlich länger als im straßengebundenen Rettungsdienst. Außerdem kann man sich oft nicht sofort in einen Rettungswagen zurückziehen, sondern muss vorerst mit dem Material zurechtkommen, das man in Rucksäcken bei sich trägt.

Welche Verletzungen oder Notfälle begegnen Ihnen typischerweise bei den Bergwachteinsätzen?

Das sind ganz andere Krankheitsbilder als im häuslichen Bereich. Schlaganfälle oder Nierensteine sieht man hier seltener. Dafür hat man es häufig mit schweren Verletzungen, beispielsweise durch Outdoorsport oder Forstarbeiten, zu tun. Als Bergwachtarzt ist man nicht nur Mediziner, sondern eben auch Bergretter – das macht zudem Kenntnisse in Sicherungs- und Bergrettungstechnik, grundlegende Bergsporttechniken sowie der Orientierung in nicht ausgeschildertem und fremdem Gelände nötig.