Seit 50 Jahren dirigiert die ehemalige Grundschullehrerin Gisela Satzer den katholischen Kirchenchor St. Michael Höchenschwand. Dafür hat sie der Diözesan-Cäcilienverband (DCV) Freiburg geehrt. 1969 kam sie als junge Lehrerin nach Höchenschwand. Sie habe schon immer gerne gesungen, erinnert sich Gisela Satzer. Also sei sie Mitglied im Kirchenchor geworden, den zur damaligen Zeit der Lehrer Hans Ruppaner leitete.

Als er 1971 das Amt aufgab, habe der Vorsitzende des Kirchenchors, der damalige Höchenschwander Bürgermeister Alfons Huber, einen männlichen Nachfolger gesucht – obwohl sie ihre Bereitschaft zur Übernahme des Amts signalisiert hatte. „Damals konnte man sich eine weibliche Dirigentin schwer vorstellen“, sagt Satzer schmunzelnd. Pfarrer Rehm unterstützte ihre Bewerbung, weshalb sie schließlich doch die musikalische Leitung übernehmen konnte.

Sie dirigierte fortan den Chor und absolvierte gleichzeitig eine dreijährige Ausbildung zur Kirchenmusikerin. Einstudiert habe sie mit den Sängern seither hauptsächlich vierstimmige Messen und anspruchsvolle geistliche Literatur, berichtet sie. Der Chor war nicht nur an allen kirchlichen Festen zu hören, jährlicher Höhepunkt war stets eine Orchestermesse beim Patrozinium St. Michael im September. Aber auch bei vielen weltlichen Festen wirkte der Chor mit und veranstaltete zusammen mit dem Gemischten Chor Amrigschwand regelmäßig Liederabende.

„In den früheren Jahren hatten wir wesentlich mehr Termine als dies heute der Fall ist“, gibt die Chorleiterin zu bedenken. Neben dem katholischen Kirchenchor leitet sie auch noch das Amrigschwander Chörle. Sie habe diese zusätzliche Aufgabe gerne übernommen, aber ihre Leidenschaft gehöre der Kirchenmusik.

Gerne erinnert sich Gisela Satzer an die zwei groß gefeierten Jubiläen des Kirchenchors St. Michael Höchenschwand im Jahr 1987 (150-jähriges Bestehen) und 2012 (175 Jahre). Besonders die Mitwirkung des Jugend-Sinfonieorchester aus Konstanz bei der 150-Jahr-Feier sei eine tolle Sache gewesen, sagt sie im Rückblick.

So schön die Chorarbeit ist, gibt es aber auch Sorgen: In der heutigen Zeit sei es für alle Chöre ein Problem, jüngere Menschen für das Singen in einem Chor zu begeistern, sagt Satzer. Niemand wolle sich mehr fest binden, man beteilige sich lieber an Projektchören. Die Vorstellung, an Ostern, Weihnachten oder Pfingsten in der Kirche zu singen, schrecke zusätzlich viele mögliche Sänger ab. Lieber fahre man an solchen Tagen in den Urlaub.

Die Dirigentin vermutet aber auch einen Zusammenhang mit dem zu beobachtenden Rückgang der Kirchenbesuche. Trotz dieser Schwierigkeiten glaubt Gisela Satzer, dass es irgendwie immer weitergehen werde. Positiv sieht sie, dass im Ort viele jüngere Menschen im Marienchor singen, der immer wieder Gottesdienste mitgestaltet.