Fiebermessen, Pfotenverbände anlegen, eine Maulschlinge richtig platzieren: 30 Zweibeiner mit ihren Vierbeinern sind zum Erste-Hilfe-Kurs am Hund in die Attlisberger Halle gekommen. Bei Elisa Garand, angehende Tierärztin im letzten Semester ihres Studiums, lernten sie, was man tun muss, wenn sich der geliebte Vierbeiner verletzt hat – von Insektenstich bis Hundebiss. Im Ernstfall gelte aber immer: Im Zweifel sollte man einen Tierarzt um Rat fragen oder aufsuchen, schärfte sie ihren Kursteilnehmern ein.

Die angehende Tierärztin Elisa Garand zeigte mit Hilfe ihres geduldigen Hunds Finn, wie man eine Maulschlinge mit einer Mullbinde anlegt.
Die angehende Tierärztin Elisa Garand zeigte mit Hilfe ihres geduldigen Hunds Finn, wie man eine Maulschlinge mit einer Mullbinde anlegt. | Bild: Cornelia Liebwein

Fachmännisch informierte die junge Frau – zunächst im Theorieteil – darüber, wie man Notfälle erkennt, erklärte Erste-Hilfe-Maßnahmen vor Ort und über das, was in die Notfallapotheke für den Hund hinein gehört. Im praktischen Teil wurde es dann ernst, die Teilnehmer lernten zum Beispiel, wie man die Körpertemperatur misst, und sie übten, wie man Pfoten- und Druckverbände oder eine Maulschlinge aus Mullbinden anlegt.

Beim Arzt Rat holen

Eins, das dabei Hundehalter erfuhren: „Hunde reagieren im Notfall anders als normalerweise. Sie schnappen als Reflex, besonders, wenn sie sich etwas gebrochen haben“, erklärte Elisa Garand. Klar sei auch: „Die Qualität der Ersten Hilfe ist abhängig von der materiellen Ausstattung und von Wissen und Erfahrung des Ersthelfers“, sagte sie. Wiederholt wies sie darauf hin, dass Erste Hilfe den Tierarztbesuch nicht ersetze. Zumindest aber sollte man im Zweifel bei seinem Tierarzt anrufen und nachfragen, was in der jeweiligen Situation zu tun sei.

Die Dringlichkeitsgrade

Garand unterteilte Notfälle in mehrere Dringlichkeitsgrade. Zur höchsten Stufe würden Atemstillstand, Herzstillstand oder massivste Blutungen zählen. Ein lebensbedrohlicher Notfall sei zum Beispiel ein Schockzustand, eine Magendrehung, eine Vergiftung oder ein Hitzschlag. Ein weiterer ernster Notfall sei ein Fremdkörper im Magen-Darm-Trakt oder eine schwere Bissverletzung. Akut lebensbedrohlich seien Bisse in Hals und Kehle, in Schädel und Wirbelsäule, erklärte sie. Ein nicht lebensbedrohlicher Notfall seien Wespen- und Bienenstiche ohne schwere allergische Reaktionen, oberflächliche Schnittwunden und Pfoten- oder Krallenverletzungen.

Die Teilnehmer erfuhren, dass man im Fall einer Schnittverletzung am Ballen einen Pfotenverband macht mit Druck auf die Schnittwunde, um die Blutung zu stillen. Befinde sich die Verletzung an einer Stelle, wo anatomisch kein Druckverband möglich sei, etwa über Ellenbogen oder Oberschenkel, müsse man mit einer Kompresse oder einem Tuch die Blutung stillen.

Feuchte Wunden

Sollte eine Wunde stark bluten, müsse zunächst das Fell um die Wunde herum geschoren werden. Dann müsse die Wunde mit steriler Wundspüllösung gereinigt und dann desinfiziert werden, bevor der Verband angelegt wird. Auf keinen Fall dürfe der Hund an der Wunde lecken, weshalb ein Leckschutz oder ein Halskragen erforderlich sei. „Man sagt auch“, fuhr sie fort, „dass feuchte Wunden feucht gehalten werden sollten und trockene trocken.“

Trockene Wunden

Eine Ballenverletzung sei ein klassisches Beispiel für eine trockene Wunde, die trocknen muss. „Da sollte sich ja Schorf bilden“, erklärte die angehende Tierärztin. Krallenverletzungen dagegen seien klassische feuchte Wunden, bei denen keine Haut darüber wachsen soll, sondern Horn, weshalb man, bevor man den Pfotenverband anlegt, den Hund mit einer Wundsalbe versorgen sollte, damit sie gut heilen. Krallenverletzungen würden meist stark bluten und seien sehr schmerzhaft . Hier gelte es, zuerst die Blutung zu stillen. „Entfernen würde man eine angebrochene oder angerissene Kralle nur dann, wenn sie am seidenen Faden hängt“, erklärte Garand. Das sei meist mit einem Ruck möglich.