Seit dem Jahre 1495 pilgern Christen nach Höchenschwand, um in der Kirche St. Michael der Schmerzensmutter Gottes/Pieta ihre Sorgen anzuvertrauen. Der vor 525 Jahren in einer Urkunde zum ersten Mal erwähnten Wallfahrt möchte Pfarrer Ivan Hoyanic am Samstag und Sonntag, 12. und 13. September, zusammen mit kirchlichen Gruppen zahlreiche Andachten, Möglichkeiten zur Beichte und zwei festliche heilige Messen widmen.

Vor allem gehe es ihm dabei um Besinnung, unterstreicht der Pfarrer. Es ist still in der Kirche. Die schweren Türen sind nach dem letzten Besucher des Wallfahrtsgottesdienstes am Freitag ins Schloss gefallen. Eine kunsthistorische Kostbarkeit der Kirche St. Michael ist der Wallfahrtsaltar zur Schmerzensmutter Gottes (Mater Dolorosa).

Wer vom Hauptportal aus über die Schwelle der Kirche tritt, sieht ihn linker Hand. Das von den Gläubigen entzündete Lichtermeer flackert vor der Schmerzensmutter. Der gekreuzigte Heiland liegt in ihrem Schoss, an ihrem Gesicht ist ihre Qual abzulesen. Es ist ein Ort zum Innehalten abseits des Trubels, ein Ort der Stärke, der Hoffnung und Zuversicht.

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So erleben ihn auch viele Pilger aus der näheren Umgebung, Urlaubsgäste und Patienten der Kliniken, die ihre Sorgen einem dafür ausgelegten Wallfahrtsbuch anvertrauen können. „In seinem Buch ‚Wallfahrten durchs deutsche Land, eine Pilgerfahrt zu Deutschlands heiligen Stätten‘, veröffentlichte Bischof von Meißen, Christian Schreiber, die Wallfahrten im Erzbistum Freiburg. Zu diesen zählt er auch die Wallfahrt in Höchenschwand“, sagt Pfarrer Hoyanic. Außerdem könne man darin lesen: „Die Entstehung der Wallfahrt ist auf das Jahr 1450 anzusetzen. Jeden Freitag wurde seither am Wallfahrtsaltar eine heilige Messe mit Litanei zur Schmerzensmutter Gottes gebetet.“

Die erste urkundliche Erwähnung der Wallfahrt in Höchenschwand allerdings war im Jahr 1495. Fortwährend wurde an jedem Freitag eine Wallfahrtsmesse zu Ehren der Schmerzensmutter mit Segen in St. Michael gefeiert und im Anliegen der Wallfahrer gebetet, so auch in der gegenwärtigen Zeit.

Der große Wallfahrtsaltar in Höchenschwand, von Kunsthistorikern und Kunstpflegern auch Beweinungsgruppe genannt, ist ein von den Benediktinermönchen des Klosters St. Blasien gestifteter Schatz. Bis zur Renovierung 1961 stand der jetzige Wallfahrtsaltar auf der rechten Seite des Chorraumes, wenn man die Kirche vom Hauptportal betritt.

Drei große Anliegen, erzählt der Geistliche, vertrauen die Gläubigen der Gottesmutter an: die Familie, die Arbeit und die Gesundheit. Wie jene Mutter, die gekommen ist, um für die Genesung ihres an Corona erkrankten Sohnes zu danken.

Manche zünden nur ein Licht an und verharren in stiller Andacht, wie jene Frau aus dem Nahen Osten, die vor einiger Zeit in die Kirche kam, nach dem Entzünden der Kerze niederkniete und die Hände ausbreitete. In stiller Andacht richtete die betende Frau ihren schmerzvollen Blick auf das Gesicht der Gottesmutter.

„Vielleicht dachte sie an jemanden, der in ihrem vom Krieg zerstörten Land zurückblieb?“, vermutet der Pfarrer. „Von dieser Atmosphäre ergriffen, wagte ich es nicht, sie anzusprechen“, gesteht er. „Ich bin aber gewiss, dass sie getröstet davon ging, wie ihr Eintrag im Wallfahrtsbuch in Arabisch ‚Danke liebe Mutter für deine Hilfe‘ mir später bestätigte.“

Der Geistliche wird plötzlich nachdenklich: „An manchem späten Abend, manchmal sogar in der Nacht, komme ich in die Kirche, um vor der Pieta zu beten und um die Gottesmutter als mitleidende Mutter zu verehren. Im flackernden Kerzenlicht wirken die Gesichter um den toten Jesus wie lebendig. Wie oft habe ich miterlebt, dass die Frauen, vor allem die Mütter, die viel Schweres in ihrem Leben erfahren haben, denen gegenüber tiefes Mitleid zeigten, die gerade im Leid sind?“

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„Mit zwei Festtagen (Besinnungstagen)“, sagt Pfarrer Hoyanic, „werden wir das Gedenkjahr der Schmerzensmutter von Höchenschwand eröffnen und hoffen, es nach der Coronazeit irgendwann einmal mit einem großen Wallfahrtsfest abschließen zu können“.

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