Höchenschwand – Zwei für die Waldbesitzer der Gemeinde wichtige Entscheidungen trafen die Teilnehmer an der von Bürgermeister Stefan Dorfmeister einberufenen Bürgerversammlung, zumeist Mitglieder der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Höchenschwanderberg, am Montag im "Haus des Gastes". Bei zwei Enthaltungen stimmten sie für die Fortsetzung des im Jahre 2009 beschlossenen Waldflurbereinigungsverfahrens für das Gebiet des Höchenschwanderberges. Einstimmig fiel danach das Votum für einen Beitritt der FBG in die am 5. Dezember neu zu gründenden Waldgenossenschaft Südschwarzwald aus, die zukünftig das Holz der FBG und des Kommunalwaldes vermarkten soll. Der bisherige Vertrag mit der Holzvermarktungsstelle in Stühlingen wird gekündigt.

Der Leiter des Amtes für Flurbereinigung im Landkreis, Volker Wiest, informierte in der Versammlung über die Gründe, den aktuellen Stand und die Kosten des Verfahrens. Ein Großteil der Waldflächen sei nur ungenügend erschlossen. So fehlten teilweise Fahr- und Betriebswege komplett. Da diese Flächen bei der Bewirtschaftung trotzdem befahren werden, würden irrreparable Schäden entstehen. Als weitere Gründe nannte Wiest Besitzzersplitterungen, ungünstige Grundstückformen und Nutzungskonflikte. "Wir wollen durch die Flurbereinigung neben der Erschließung auch größere Bewirtschaftungseinheiten erreichen", sagte Wiest. Das zeitaufwendige Verfahren wird sich bis 2029 hinziehen.

"Die Voraussetzungen für die weiteren Schritte sind mit der durchgeführten ökologischen Voruntersuchung und der heutigen Bürgerbeteiligung geschaffen worden", sagte Wiest. Als weitere Schritte nannte er eine Aufklärungsversammlung im nächsten Jahr, die Anordnung des Verfahrens im Jahre 2019, die Bestandserhebung und die Erstellung eines Gewässer- und Landschaftspflege Begleitplanes. "In den Jahren 2027 bis 2029 wird eine Holzeinschlagssperre angeordnet und im 2029 kommt es zu einer Neuzuteilung der Waldgrundstücke", zeigte Wiest den langwierigen Prozess auf.

Wiest bezifferte die Kosten auf rund 3,25 Millionen Euro, wovon ein Zuschuss von mindestens 75 Prozent, möglicherweise auch 80 Prozent, gewährt wird. Auf die privaten Waldbesitzer komme eine Eigenbeteiligung von rund 1000 Euro je Hektar zu, rechnete Wiest vor. Sowohl Bürgermeister Stefan Dorfmeister als auch der Vorsitzende der FBG, Werner Rautenberg, warben in der Versammlung für das Verfahren. Werner Rautenberg kündigte gleichzeitig an, dass er zur Senkung des Eigenanteils einen Zuschussantrag an die Gemeinde stellen wolle.

Der Leiter des Kreisforstamtes, Helge von Gilsa, warb für den Beitritt der FBG in die neue Waldgenossenschaft Südschwarzwald. Er erinnerte daran, dass durch eine Anordnung des Landes Baden-Württemberg die staatlichen Forstämter ab Juli 2019 keine Unterstützung bei der Vermarktung des kommunalen- und Privatwaldes mehr leisten dürften. Schon heute würde deshalb das Holz des Privatwaldes über eine eingerichtete Holzverkaufsstelle in Stühlingen vermarktet. "Nur über den Zusammenschluss zu größeren Einheiten könne zukünftig gewährleistet werden, dass über die Genossenschaft große Holzmengen von entsprechender Qualität am Markt angeboten werden können und dafür gute Preise erzielt werden", machte von Gilsa deutlich. Zurzeit ist der Chef des Kreisforstamtes im Landkreis unterwegs und stellt bei Versammlungen das Modell der Waldgenossenschaft Südschwarzwald vor, die am 1. Januar 2018 in Betrieb gehen wird. In Höchenschwand hatte er alle Waldbesitzer von seinem Modell überzeugt.